Lebensdaten
1774 bis 1850
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
hamburgischer Freiheitskämpfer ; Bleidecker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116955600 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mettlerkamp, Christian (fälschlich)
  • Mettlerkamp, Christian Christopher (fälschlich?)
  • Mettlerkamp, David Christoffer
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Zitierweise

Mettlerkamp, David Christopher, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116955600.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt aus d. Gfsch. Bentheim, wo sie 1601 zuerst urkundl. erwähnt wird; seit 1670 ist sie in d. unter dän. Oberhoheit stehenden Altona nachweisbar. – V Matthias Andreas (1738–1822), Bleideckermeister in H., spezialisierte sich nach d. Anbringung d. ersten Blitzableiters auf d. europ. Kontinent 1770 an d. Hamburger Jakobikirche auf d. Anfertigung u. Montage solcher Anlagen u. wurde damit wohlhabend, S d. Matthias, Bleidecker, seit 1724 Hamburger Bürger, u. d. Christina Ruheburg;
    M Catharina Elisabeth Langermann (1734–96), T e. Schusters in Altona;
    1) 1797 Friederike Margaretha (1778–1805), T d. Zuckerbäckers Peter David Jäger u. d. Anna Catharina Gertrud Bicker, 2) 1805 Auguste Amalie Christiane (1788–1854), T d, Lehrers u. Schriftst. Carl Daniel Curio (1754–1815, s. NDB III) u. d. Catharina Weigel (1758–1818);
    3 S aus 1), 9 S, 3 T aus 2), u. a. Maria Amalie (1806–49, 1828 Georg Repsold, 1804–85, Hersteller astronom. Geräte u. Chef d. Hamburger Feuerwehr), Johann August (1810–59), Schriftst. u. Lektor d. dt. Sprache an d. Univ. Charkow (Ukraine) (s. F. Brümmer, Dt. Dichterlex., 1876/77; Lex. hamburg. Schriftst. V, 1870, Nr. 2545), Carl Johann (1813–53), Eisengießerei-Bes.

  • Leben

    M. lernte das väterliche Gewerbe und besuchte daneben die Bauzeichenschule der Patriotischen Gesellschaft. In seiner Freizeit war er zeitlebens zeichnend und aquarellierend sowie als namhafter Kunstsammler tätig. Die seit Ende 1817 in seinem Hause abgehaltenen Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten führten in der Folge zur Gründung des heute noch bestehenden Kunstvereins, der ältesten derartigen Einrichtung in Deutschland. 1797 wurde M. Bleideckermeister, nachdem er zuvor das Bürgerrecht erworben hatte. Seit 1798 Mitglied der Freimaurerloge „Zum rothen Adler“, leitete er 1821/22 als Großmeister die Provinzialloge in Niedersachsen zu Hamburg.

    Unter der Franzosenherrschaft erlitt sein Gewerbe schwere Einbußen, doch mit der Befreiung Hamburgs am 18.3.1813 schlug M.s Stunde: Zusammen mit Ferdinand Beneke, Friedrich Perthes, Karl Sieveking und anderen – sie wurden später „die Patrioten“ genannt – betrieb er die Wiederbewaffnung und militärische Ausbildung der Bürger. In einer „Waffengenossenschaft der Bürger“ sah er die Rechte des Bürgers mit den Pflichten des Soldaten verschmolzen; nach seiner Vorstellung sollte der republikanische Stadtstaat allein auf eigene Wehrhaftigkeit gegründet sein. Der wiedereingesetzte Senat hat solche Bestrebungen nur halbherzig unterstützt und damit den Versuch einer Verteidigung der Stadt leichtfertig zunichte gemacht. Durch die zurückkehrenden Franzosen zum Tode verurteilt, floh M. mit versprengten Resten seiner Truppe nach Mecklenburg und unterstellte diese der vereinigten Nordarmee unter dem schwed. Kronprinzen Bernadotte. Dieser ernannte ihn zum Oberstleutnant und übertrug ihm das Kommando über die „Hanseatische Bürgergarde“. Die Bildung und Formung dieses dem Landsturm vergleichbaren Freiwilligenverbandes ist M.s Schöpfung. Ein geborener militärischer Führer, energisch und tapfer, hat er fortan mit seinen sechs Infanteriekompanien sowie einer Reiter- und einer Jägerabteilung am Feldzug der Verbündeten teilgenommen.

    M.s Erwartung, nach dem Friedensschluß zum Truppenkommandeur oder zum Stadtkommandanten seiner Vaterstadt ernannt zu werden, ging nicht in Erfüllung. Verbittert wanderte er 1825 mit seiner Familie nach Bessarabien aus. Doch hier, in Kischinjow, nordwestlich von Odessa, hielt es ihn nicht lange. Schon zwei Jahre später kam er nach Hamburg zurück und widmete sich nun dem Aufbau einer Eisengießerei. Aber die Entwicklung der 1829 gegründeten „Neuen Hamburg. Eisenhütte“ auf dem Grasbrook, südlich der ehemaligen Stadtbefestigung, war überschattet von technischen Schwierigkeiten und finanziellen Verlusten. Der Aufstieg vom Handwerker zum Fabrikanten wollte M. nicht recht gelingen; zwar trat 1844 sein Sohn Carl Johann als Teilhaber ein, doch nach dessen Tod wurde das Unternehmen liquidiert. Bis an sein Lebensende politisch aktiv, wurde M. im Revolutionsjahr 1848 für die Opposition zum Mitglied der hamburg. Konstituante gewählt, die er am 14. Dezember als Alterspräsident eröffnete. Doch schon bald mußte er auch hier das Scheitern seiner Hoffnungen erleben: Erst zwölf Jahre später erhielt der Stadtstaat eine neue Verfassung.|

  • Auszeichnungen

    Russ. Wladimir-Orden 4. Kl. (1814, bestätigt 1820), schwed. Schwert-Orden (1818); Goldene Denkmünze d. Patriot. Ges. (1815).

  • Werke

    Ueber Hamburgs Vertheidigung im Frühjahr 1813, 1816;
    Neues Landwehr-System, 1831, 21848;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Staatsarchiv Hamburg; Slg. v. Landschaftszeichnungen (Hamburg, Mus. f. Hamburg. Gesch.).

  • Literatur

    ADB 21;
    Dt.GB 6, S. 375 f., u. 12, S. 172-74;
    F. Wille, M., 1866 (unzureichend);
    Th. F. Böttiger, Hamburgs Patrioten 1800-1814, 1926, S. 76-84;
    C. H. Dingedahl, D. C. M., seine Herkunft u. seine Fam., in: Zs. f. Niedersächs. Fam.kde., 1975, S. 155-61;
    ders., Die Neue Hamburg. Eisenhütte d. D. C. M., in: Hamburg. Gesch.- u. Heimatbll., 1978, S. 85-96;
    A. Engel-Braunschmidt, Die M. in Rußland, in: Zs. d. Ver. f. Hamburg. Gesch., 1980, S. 1-39;
    Lex. hamburg. Schriftst. V, 1870, Nr. 2544 (W-Verz.).

  • Portraits

    C. H. Dingedahl, D. C. M. in zeitgenöss. Bildern, in: Die Heimat, 1978, S. 46-48 (4 Abb.);
    Porträtrelief im Hamburger Rathaus.

  • Autor/in

    Gerhard Ahrens
  • Empfohlene Zitierweise

    Ahrens, Gerhard, "Mettlerkamp, David Christopher" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 244 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116955600.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mettlerkamp: David Christoffer M., geb. im Mai 1774 zu Hamburg, widmete sich dem Gewerbe seines Vaters, eines wohlhabenden Bleideckers, der unter Leitung des Arztes J. A. H. Reimarus die ersten Blitzableiter auf dem europäischen Festlande errichtet hatte. Nach der ersten Befreiung Hamburgs von der französischen Herrschaft im März 1813 trat M. voll Patriotismus an|die Spitze eines Bataillons der neu errichteten Bürgerwehr, die sich den wieder heranrückenden Feinden muthig entgegenstellte, jedoch schließlich nicht verhindern konnte, daß die Ende Mai von Tettenborn's Russen geräumte Stadt nochmals in die Hände der Franzosen fiel. Zu seinem Schmerze sah M., der einen längeren Widerstand gewünscht hatte, sich genöthigt, seine Bürgersoldaten zu entlassen. Doch hielt es ihn nicht länger mehr in der wieder französisch gewordenen Vaterstadt, in der überdies seine persönliche Sicherheit bedroht erscheinen mußte. Ohne Abschied von seiner Familie aus Hamburg geflüchtet, wußte er dann in Mecklenburg ein „Corps der hanseatischen Bürgergarden im Felde“ um sich zu sammeln, mit dem er als Oberstlieutnant an dem Feldzug an der Niederelbe und der langen Belagerung Hamburgs ruhmreichen Antheil nahm. Zum Oberstlieutenant war er ernannt vom Kronprinzen von Schweden, dem Oberbefehlshaber der Nordarmee der Verbündeten, dem er auch sein Corps zugeführt und unterstellt hatte, wie später der russischen Armee unter Bennigsen. M. war ferner damals neben Perthes, Beneke, Syndicus Gries aus Hamburg, Syndicus Curtius aus Lübeck und Senator Smidt aus Bremen Mitglied des sog. Hanseatischen Directorii, welches die Continuität der Selbstständigkeit der Hansestädte erfolgreich repräsentirte. Inzwischen ward von den französischen Machthabern in Hamburg sein Todesurtheil ausgesprochen und seine ganze Habe confiscirt. Als endlich am 31. Mai 1814 der russische General Bennigsen seinen Einzug in das befreite Hamburg halten konnte, räumte er der Bürgergarde Mettlerkamp's, bestehend aus 1262 Mann (meist Infanterie, nebst einigen Cavalleristen, Artilleristen und Schützen) den Vortritt ein, indem er erklärte, der Bürgergarde gebühre die Ehre voranzuziehen, da sie in manchen Gefechten vor Hamburg an der Spitze der russischen Truppen gefochten habe. M. wurde dann zum Befehlshaber der neu organisirten Bürgergarde gewählt, lehnte aber, da er mit manchen bereits getroffenen Anordnungen nicht einverstanden war, die Annahme dieses Amtes ab und begann wieder sein früheres bürgerliches Gewerbe. 1825 entschloß er sich, nach Beßarabien überzusiedeln, wo einer seiner Söhne Gutsbesitzer war. (Andere Söhne standen in russischen Kriegsdiensten, und zwar einer zuletzt als General.) Doch schon nach wenigen Jahren kehrte er nach Hamburg Zurück, um hier nunmehr eine Eisengießerei zu errichten. Bei seiner Uebersiedelung nach Beßarabien wurde ihm von der Stadt Hamburg ein Ehrengeschenk von 1000 Friedrichsd'or und von seinen alten Kriegskameraden ein kostbarer Ehrendegen überreicht. Als eifriger Demokrat gehörte M. 1848 trotz seiner 74 Jahre zu den Führern der Opposition. Zum Mitgliede der constituirenden Versammlung erwählt, eröffnete er dieselbe als Alterspräsident am 13. December 1848. M. verband mit einem klangvollen, sonoren Stimmorgan eine vorzügliche natürliche Redegabe und zeichnete sich auch als kunstsinniger Dilettant im Fache der Aquarellmalerei aus. Er starb am 25. Juli 1850.

    • Literatur

      Hamb. Schriftstellerlexikon, Bd. 5, Hamburg 1870, S. 218 ff. F. Wille, Mettlerkamp, Hamburg 1866.

  • Autor/in

    W. von Melle.
  • Empfohlene Zitierweise

    Melle, W. von, "Mettlerkamp, David Christopher" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 527-528 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116955600.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA