Lebensdaten
1740 bis 1812
Geburtsort
Kamenz
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Münzdirektor ; preußischer Beamter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116950390 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lessing, Karl Gotthelf
  • Lessing, Carl G.
  • Lessing, Carl Gotthelf
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Zitierweise

Lessing, Karl Gotthelf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116950390.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Gottfried (s. 1);
    B Gotthold Ephraim (s. 2);
    - Berlin 1776 Marie Friederike (1753–1828), T d. Verlegers Christian Friedrich Voß (1724–95) in Berlin u. d. Dorothea Henrietta Rüdiger;
    2 S, 1 T Carl Friedrich (s. Gen. 5), Christian Friedrich (s. 4), Ernestine Wilhelmine (s. Gen. 4);
    E Carl Friedrich (s. 5).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Kamenzer Lateinschule und der Fürstenschule St. Afra in Meißen (seit 1756), wo er wie seine Brüder eine Freistelle hatte, immatrikulierte L. sich 1761 in Leipzig, um Medizin zu studieren. 1763 wechselte er zur juristischen Fakultät, widmete sich jedoch mehr seinen literarischen und schöngeistigen Neigungen. 1764 verließ er Leipzig ohne Studienabschluß. Seitdem war er nie ohne Schulden. 1765 zog er zu Gotthold nach Berlin, wo beide Brüder, die sich zeitlebens nahestanden, in enger Bindung an das literarische und künstlerische Leben der preuß. Hauptstadt gemeinsam lebten: „Montagsclub“, Bekanntschaft mit Moses Mendelssohn, Karl Wilhelm Ramler, Friedrich Nicolai, Christian Friedrich Voß Vater und Sohn. Als der Bruder 1767 Berlin verließ, blieb L. ungesichert zurück. Er redigierte Theaterstücke für die Döbbelinsche Truppe, schrieb zahlreiche Kritiken und Gelegenheitsgedichte für die „Vossische Zeitung“ (zeitweilig wohnte er im Hause von Voß) und hatte Erfolg mit Übersetzungen aus dem Französischen und Englischen. Seine sieben 1768-80 geschriebenen Komödien erlebten zahlreiche Aufführungen, verfielen allerdings überwiegend dem harten Urteil seines Bruders, der ihn zunächst ermutigt hatte. Sie sind heute so gut wie vergessen. Seit 1770 Assistent des Berliner Generalmünzdirektors George Heinrich Singer, wurde L. 1779 Kgl. Münzdirektor in Breslau – Berliner Münze die wichtigste Preußens. Trotz fehlender Vorkenntnisse amtierte er korrekt, war aber ohne Fortune und schadete sich durch sein oft heftiges Temperament. Langjährige Auseinandersetzungen mit dem Berliner Generalmünzdirektor Johann Friedrich Gentz, seinem Vorgänger in Breslau, folgten. Nachlassende Gewinne und Unterbilanzen führten Ende 1805 zur Einstellung des Breslauer Münzbetriebes. L.s Versuch, während der franz. Besetzung Breslaus im unbesetzten Glatz eine Münze einzurichten, endete mit seiner erzwungenen Rückkehr nach Breslau. Dort fand er bei der franz. Verwaltung eine kärgl. Beschäftigung als „Préident de la Commission de Véification de la monnaie“.

    Nach dem Tod seines Bruders beschäftigte sich L. mit der Herausgabe von dessen „Sämtlichen Schriften“ und der Abfassung einer wichtiges Tatsachenmaterial enthaltenden Biographie. Nach einem längeren Prozeß konnte er den in Wolfenbüttel versiegelten handschriftlichen Nachlaß Gottholds an sich nehmen, um vor allem Ungedrucktes zu veröffentlichen. Der in seiner Ausgabe enthaltene Briefwechsel Gottholds ist, sieht man von dem erst später veröffentlichten, literarhistorisch bedeutsamen Gedankenaustausch der beiden Brüder ab, der erste vollständig veröffentlichte eines deutschen Schriftstellers. Als Herausgeber verfuhr L. zwar nach heutigen Maßstäben häufig sorglos, unkritisch und ungenau, hat aber durch seine Editionen zahlreiche Texte gerettet, die sonst vielleicht verloren gegangen wären.

    Als es nach dem fast gleichzeitigen Tod von Vater und Sohn Ch. F. Voß 1795 unter den Erben zu kostspieligen und aufsehenerregenden Prozessen um den Besitz von Buchhandlung, Verlag und Zeitungsprivileg kam, zeigte L., den Ch. Garve als gutherzig und leichtsinnig, temperamentvoll und träge charakterisierte, eine unerwartete Entschlossenheit und Ausdauer. Als Vertreter seiner Frau gelang es ihm 1801, das Privileg und damit die Zeitung mit überwiegend geliehenen 59 000 Talern zu ersteigern. Friederike Lessing wurde zusammen mit Joh. Frdr. Unger, dem Hauptgläubiger, Eigentümerin. Nach Ungers Tod 1804 ging die Zeitung ganz in ihren Besitz über. Als Leiter und Verwalter wurde der jüngste Sohn Friedrich eingesetzt, unter dem der zweite kulturelle und wirtschaftliche Aufstieg des Blattes begann.

  • Werke

    Der stumme Plauderer, 1768;
    Der Wildfang, 1769;
    Ohne Harleckin, 1769 (1778 u. d. T. Die Physiognomistinn, ohne es zu wissen);
    Der Lotteriespieler, od. d. fünf glückl. Nummern, 1769;
    Die reiche Frau, 1776;
    Der Bankrottier, 1777;
    Die Mätresse, 1780;
    Schauspiele, 2 Bde., 1778-80;
    G. E. Lessings Leben, nebst seinem noch übrigen litt. Nachlasse, 3 Bde., 1793-95. -
    Hrsg.: G. E. Lessings Sämmtl. Schrr. 2-30, 1784-94 (mit J. J. Eschenburg [Bd. 10-12, 15, 16] u. F. Nicolai [Bd. 26, 27]);
    Freundschaftl. Briefwechsel zw. G. E. Lessing u. seiner Frau, 1789;
    Joachim Wilh. v. Brawe, Trauerspiele, 1768;
    Heinr. Leop. Wagner, Die Kindermörderinn, 1777. -
    Überss. u. a.: Jean Corneille de Pauw, Phil. Unterss. üb. d. Amerikaner, 2 Bde., 1769;
    Henry Mackenzie, Der Mann v. Gefühl, 1774. - Briefe: An u. v. G. E. Lessing:
    171 Briefe 1766–80, veröff. in: G. E. Lessings sämtl. Schrr., hrsg. v. K. Lachmann, 3. Aufl., v. F. Muncker, Bd. 17-21, 1904-07;
    an Ch. F. Lessing: 214 Briefe 1798-1812, auszugsw. veröff. in: C. R. Lessings Bücher- u. Hss.-Slg. I, 1914, S. 211-40 (Originale: ehemals Berlin, Preuß. Staatsbibl., Lessing-Slg., verschollen);
    an J. J. Eschenburg: 11 Briefe 1781–95, auszugsw. veröff. in: O. v. Heinemann, Zur Erinnerung an G. E. Lessing, 1870, S. 147-59 (Originale: Wolfenbüttel, Hzg. August Bibl.);
    an M. Mendelssohn: 10 Briefe 1782–85, veröff. v. A. Altmann, in: Lessing Yearbook 1, 1969, S. 9-59;
    an F. Nicolai: 6 Briefe 1785-92 (Originale: Berlin, Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Nicolai-Briefwechsel).

  • Literatur

    ADH 19, S. 756 f.;
    E. Wolff, K. G. Lessing, 1886;
    A. Buchholtz, Die Vossische Ztg., 1904, S. 42-70;
    ders., Die Gesch. d. Fam. Lessing, 2 Bde., 1909, I, S. 221-73 (P), II, S. 542-47 (W-Verz.);
    Carl Robert Lessings Bücher- u. Hss.-Slg., 3 Bde., 1914-16, I, S. 111-13, 208-41, 368;
    G. Schulz, Der Fam.streit nach Lessings Tod, in: Wolfenbütteler Stud. z. Aufklärung 2, 1975, S. 223-49;
    W. Milde, Einige Bemerkungen üb. Lessings gel. Nachlaß, in: Lessing in heutiger Sicht, 1977, S. 211-20;
    [C. A. Küttner], Charaktere teutscher Dichter u. Prosaisten, 1781, II, S. 424-26;
    Meusel, Gel. Teutschland IV, S. 428-30, X, S. 197, 18, S. 519;
    G. F. Otto, Lex. d. seit d. 15. Jh. verst. u. jezt lebenden Oberlausiz. Schriftsteller u. Künstler, 1803, II, 2, S. 464 f., Suppl. 1821, S. 248;
    K. H. Jördens, Lex. dt. Dichter u. Prosaisten, 1808, III, S. 328-34, VI, S. 500;
    Ersch-Gruber, Sect. 2, T. 43, 1889, S. 229 f.;
    Goedeke IV, 1, S. 649.

  • Portraits

    Bleistiftzeichnung (Jugendbildnis) (ehem. Berlin, Preuß. Staatsbibl., Lessing-Slg., verschollen), Abb. b. Buchholtz I, 1909, s. L, n. S. 240.

  • Autor/in

    Wolfgang Milde
  • Empfohlene Zitierweise

    Milde, Wolfgang, "Lessing, Karl Gotthelf" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 346 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116950390.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA