Lebensdaten
1868 bis 1959
Geburtsort
Witzmitz Kreis Regenwalde (Pommern)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Dermatologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11693736X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoffmann, Erich

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Zitierweise

Hoffmann, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11693736X.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul, Pfarrer, S d. Franz (1806–74), Konsistorialrat in Stettin, u. d. Florentine Schultze;
    M Marie Wagenknecht, aus Lehrerfam.;
    Ov Wilhelm (1852–1934), preuß. Gen.-Lt. (s. Wi. 1928), Otto v. H. (preuß. Adel 1883, 1833-1905), preuß. Reg.präs. v. Aachen 1878–92, dann Präs. d. Hauptverwaltung d. Staatsschulden- u. d. Reichsschuldenverwaltung (s. BJ X, Tl.);
    - 1913 Antonie (1885–1963), T d. Gymnasialdir. Brüggemann; kinderlos.

  • Leben

    H. war „eine der markantesten Erscheinungen in der dermato-venerologischen Forschung“ (Schreus). Ausgestattet mit einer eisernen Gesundheit und bis ins höchste Alter von bemerkenswerter Luzidität des Geistes, schöpfte er seine Schaffenskraft zeitlebens voll aus. In seiner wissenschaftlich-publizistischen Produktion brachte er es auf rund 500 Publikationen; über 20 davon schrieb er noch zwischen seinem 85. und 90. Lebensjahre. Auch bei weniger maßgebendem Anteil an der Entdeckung des Syphiliserregers würde er als „Fürst seines Faches“ (Memmesheimer) anzuerkennen sein. Ausdruck seiner kraftvollen Persönlichkeit ist auch die ablehnende Haltung, die er unverhüllt der nationalsozialistischen Herrschaft gegenüber an den Tag legte.

    H. trat 1887 in die militärärztliche Akademie ein (1892 Promotion, 1893 Staatsexamen). Letzte Station der daran anschließenden militärärztlichen Laufbahn war 1900 ein Kommando an die Hautklinik der Charité (E. Lesser) in Berlin. 1903 habilitierte er sich (syphilitische Gefäßerkrankungen), quittierte den Militärdienst und wurde Oberarzt der Klinik. Seit 1905 Tit.- Professor, wurde H. als Extraordinarius 1908 nach Halle, 1910 nach Bonn berufen (1918 ordentlich Professor). Seinem Wirken an der Bonner Klinik setzten zwangsweise Entfernung aus dem Direktorat (1934) und endgültige Emeritierung (1936) ein Ende.

    Den Höhepunkt in H.s Lebenswerk stellt die in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Protozoenlaboratoriums des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Fritz Schaudinn gelungene Entdeckung des Syphiliserregers dar. An vorhergegangenen vergeblichen Versuchen werden wohl 20 gezählt (unter anderem Losdörfer 1872, Klebs 1879, Lustgarten 1884, van Nissen 1896, Siegel im Februar 1905). Siegel wollte bei Pocken, Scharlach und Maul- und Klauenseuche einen seinem angeblichen Syphiliserreger ganz ähnlichen gefunden haben. Wegen der möglicherweise daraus abzuleitenden Bedeutung für das Seuchengeschehen überprüften Schaudinn und H. im Auftrag des Kaiserlichen Gesundheitsamtes die Impfungen und mikroskopischen Befunde Siegels, mußten die Ergebnisse aber verwerfen. Bei Untersuchungen an sicherem Syphilismaterial entdeckte Schaudinn am 3.3.1905 im frischen Ausstrich des „Reizserums“ (H.) einer von H. ausgesuchten und präparierten nässenden Papel ein feines, blasses, lebhaft sich bewegendes Schräubchen. In einem der weiteren Ausstriche, die H. anfertigte, stellte Schaudinn den Erreger dann auch gefärbt dar (20.3.). Seit dem 28.3. waren die beiden Forscher sich über die wahre Eigenschaft der feinen Spirochaete als des Erregers der Syphilis einig. Hinsichtlich des Anteils an der Identifizierung des Erregers, zu der H. unter anderem mit Vorarbeiten, die bis 1901 zurückreichten, die Grundlagen geschaffen hat, bestätigte ihm Schaudinn, daß jeder von beiden dem anderen bei dem „Kompaniegeschäft“ gleich viel zu verdanken habe.

    H. überlebte Schaudinn, einen der „Unvollendeten“ (Diepgen), um über 60 Jahre. In diesem langen Zeitabschnitt hat er auf den Gebieten der experimentellen Syphilisforschung, der Frühdiagnose und der Frühheilung umfassende Pionierarbeit geleistet, unter anderem Nachweis der Empfänglichkeit des südamerikanischen Seidenäffchens für Syphilis, Nachweis von Spirochaeten auf scheinbar gesunder Schleimhaut, Überimpfung des Primäraffekts auf Augen und Hodensack des Kaninchens, Lymphdrüsenpunktion, „Leuchtbildmethode“ (H.), experimentelle Begründung der Arsentherapie (mit P. Uhlenhuth), kombinierte Behandlung mit Salvarsan und Quecksilber beziehungsweise später Wismut.

    Nicht weniger erfolgreich war H. auf dermatologischem Gebiet. Er schrieb der Haut besondere immunbiologische Eigenschaften zu (Eisophylaxie) und arbeitete über die Histologie der Haut, insbesondere der Muttermale, der Dermatofibrosarkome, der Naevoepitheliome und über Sklerödem, über Teermelanome und über Pigmentierungen. – H.s Name ist mit zwei von ihm beschriebenen Krankheitsbildern verknüpft: H.sche Krankheit (1907, Folliculitis et perifolliculitis capitis abscedens et suffodiens) und H.-Zurhelle-Syndrom (1921 Naevus lipomatodes cutaneus superficialis, zusammen mit Emil Zurhelle). – Selbst lebendiger Baustein der Geschichte seines Faches, bereicherte H. diese um eigenwillige Deutungen, die in der wissenschaftlichen Welt Interesse hervorriefen und die Diskussion belebten. Die ganze Epoche der aufstrebenden Dermatologie spiegelt sich in seinen zahllosen wissenschaftlichen Würdigungen und Nekrologen wieder. Unter ihnen sind die Gedenkreden auf die im Dritten Reich verfolgten Dermatologen von besonderem Rang.

    Das wissenschaftliche Werk erschöpfte sich nicht in den engen Fachgrenzen. H. nahm Stellung zu vielen Fragen allgemeinmedizinischer, ärztlicher, standeskundlicher, gesundheitspolitischer Relevanz: Konsiliarius, Berufskrankheit des Arztes, Bekämpfung venerischer Krankheiten, Sport, internationale Beziehungen, Sprachverständigung in der Medizin, Renten- und Krankenversicherung. – Von H.s poetischer Begabung (Bunter Lieder loser Strauß, 1931) zeugen auch seine Lebenserinnerungen (1948/49).

  • Werke

    Weitere W u. a. Vorläufiger Ber. üb. d. Vorkommen v. Spirochaeten in syphilit. Krankheitsprodukten u. bei Papillomen (mit F. Schaudinn), in: Arbb. aus d. Kaiserl. Gesundheitsamte 22, 1905;
    Über Spirochaetenbefunde im Lymphdrüsensaft Syphilitischer (mit dems.), in: Dt. Med. Wschr. 31, 1905;
    Über Spirochaeta pallida bei Syphilis u. d. Unterschiede dieser Form gegenüber anderen Arten dieser Gattung (mit dems.), in: Berliner Klin. Wschr. 42, 1905;
    Atlas d. ätiolog. u. experimentellen Syphilisforschung, 1908;
    Die Behandlung d. Haut- u. Geschl.krankheiten, 1917, 101948;
    Erste hist. beglaubigte Schritte auf d. Wege z. Lösung d. Syphilisrätsels u. z. Frühdiagnose d. primären Lues im f. 1901, in: Dt. Med. Wschr. 77, 1952;
    Vier Trepanomen aus einer Quelle? In: Dermatolog. Wschr. 172, 1953;
    Über d. Wandlung d. Gonorrhoe unter d. Einfluß d. Sulfonamid- u. Penicillinbehandlung, ebd. -
    Mithrsg.: Dermatolog. Zs., 1908-38;
    Ärztliche Wschr.;
    Archiv f. Dermatol. u. Syphilis. Personal-Bibliogr., in: Dermatolog. Zs. 77, 1938, S. 234 bis 250;
    Die Dermatologen dt. Sprache, Biobibliograph. Verz., hrsg. v. H. Löhe u. E. Langer, 1955;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1961.

  • Literatur

    G. Olpp, Hervorragende Tropenärzte in Wort u. Bild, 1932;
    C. Siebert, in: Zs. f. Haut- u. Geschl.krankheiten 4, 1948;
    H. Löhe, in: Dermatolog. Wschr. 119, 1948 (P);
    ders., Gedenktage d. Dermatol., ebd. 124, 1951, S. 1024;
    ders., ebd. 127, 1953, S. 409 f. (P);
    Ch. Kuhn, Aus d. Leben Fritz Richard Schaudinns, 1949;
    H. Th. Schreus, Impulsiv u. begeisterungsfähig, Zum 100. Geburtstag v. E. H., in: Dt. Ärztebl. 65, 1968 (Totenmaske);
    G. Wolf-Heidegger, Das wiss. Werk E. H.s, in: Wehrmed. Mschr. 12, 1968 (W, P);
    Fischer (W);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Horst Zoske
  • Empfohlene Zitierweise

    Zoske, Horst, "Hoffmann, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 406-407 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11693736X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA