Lebensdaten
1871 bis 1906
Geburtsort
Roeseningken (Kreis Darkehmen, Ostpreußen)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Mikrobiologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 119233223 | OGND | VIAF: 32254190
Namensvarianten
  • Schaudinn, Fritz Richard
  • Schaudinn, Fritz
  • Schaudinn, Fritz Richard
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Zitierweise

Schaudinn, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119233223.html [15.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1824–91), aus Werdeln, Oberinsp., Gutsverw. d. Junkers v. Neumann, seit 1882 in Gumbinnen, S d. Christian (1796–1882), aus Iszdaggen, Stockkämmerer, u. d. Anna Christina Krämer (1803–89), aus Jublauken;
    M Dorothea (1841–1931), aus Pillau, Klavierlehrerin, zuletzt in Berlin, T d. Johann Jakob Zimmermann (1797–1843 ertrunken vor Pillau b. Untergang seines Segelschiffs „Amalia“), Kpt., u. d. Emilie Karoline Kastenbein (1813–51), aus Pillau;
    1 Schw;
    Berlin 1901 Johanna (Hanna) (1877-n. 1930, konfessionslos), aus Dortmund, Geigerin, Schülerin v. Joseph Joachim, T d. C. Ernst A. Schmidt (1838–94), aus Ohlau (Schlesien), Ing. in B., u. d. Johanna Liebermann (1845–85), aus Berlin;
    2 S (im 2. Weltkrieg in Rußland vermißt), 1 T.

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Insterburg und Gumbinnen, studierte seit 1890 in Berlin Zoologie und wurde 1894 mit einer Arbeit über die Foraminiferen bei Franz E. Schulze (1840–1917) promoviert. Als Assistent von →Max Hartmann (1876–1962) am Zoologischen Institut der Univ. Berlin klärte er die Entwicklungszyklen der Rhizopoden, Heliozoen und Coccidien auf und entdeckte deren Generationswechsel. Es gelang ihm, die komplizierten Abläufe der Entwicklung bei den Rhizopoden (Trichosphaerium) an lebendem Material und an fixierten und gefärbten Präparaten zu erforschen und die ungeschlechtliche Fortpflanzungsweise (Schizogonie) von der geschlechtlichen (Sporogonie) zu unterscheiden. Damit und mit an Coccidien vorgenommenen Untersuchungen gab er der Erforschung der Malaria neue Impulse. 1898 habilitierte er sich für Zoologie und unternahm anschließend gemeinsam mit Fritz Römer (1866–1909) eine halbjährige|Forschungsreise zum Studium der arktischen Fauna nach Spitzbergen, deren Ergebnisse er seit 1900 in dem von ihm herausgegebenen großangelegten Werk „Fauna arctica“ publizierte (abgeschl. 1933 v. Walther Arndt).

    1901 wurde S. vom Reichsgesundheitsamt an die Zoologische Station Rovigno (Istrien) entsandt. Dort entstanden zahlreiche Arbeiten über Coccidien, Trypanosomen und die Malariaerreger, über Moskitos und über den Entwicklungszyklus der Malariaplasmodien. Im Frühjahr 1904 nach Berlin zurückberufen und zum Regierungsrat ernannt, wurde er mit zahlreichen Aufträgen für Nachprüfungen betraut, die z. B. das Eindringen der Ankylostoma-Larven durch die Haut oder einen Erreger betrafen, der für Syphilis, Pocken, Scharlach und die Maul- und Klauenseuche zugleich verantwortlich sein sollte. Dabei entdeckte S. 1905 den Erreger der Syphilis (Spirochaeta pallida), für den er im selben Jahr den Gattungsnamen „Treponema“ prägte. Die Entdeckung wurde unter dem unscheinbaren Titel „Vorläufiger Bericht über das Vorkommen von Spirochaeten in syphilitischen Krankheitsprodukten und Papillomen“ publiziert (Arbb. aus d. ksl. Gesundheitsamt 22, 1905). Der Mitverfasser Erich Hoffmann (1868–1959) lieferte als klinischer Mediziner die zum mikroskopischen Nachweis der Spirochaeten nötigen Gewebeproben und Seren. S. teilte seine Entdeckung unverzüglich dem seit 1888 am „Institut Pasteur“ in Paris tätigen Elias Metschnikow (1845–1916) mit. Aufgrund der Arbeit von S. entwickelten Paul Ehrlich (1854–1915) und Sahatschiro Hata (1873–1938) 1909 das Syphilis-Medikament „Salvarsan“. 1906 erhielt S. einen Ruf an das Hamburger „Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten“ und wurde zum Leiter der Abteilung für Protozoenforschung ernannt. Vor Antritt seiner neuen Position besuchte S. den „Internationalen Medizinischen Kongress“ in Lissabon, mußte sich dort einer Notoperation zur Entfernung von Papillomen am Darm unterziehen und kehrte schwerkrank nach Hamburg zurück, wo er an einer Sepsis verstarb.

    1902 gründete S. das „Archiv für Protistenkunde“, das sich rasch zu einer international beachteten Zeitschrift entwickelte, von der er jedoch nur sechs Bände herausgeben konnte. Seine an den Malariaplasmodien und Spirochaeten gemachten Entdeckungen machten ihn weltweit bekannt als einen der großen Entdecker von Infektionskrankheiten.|

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. mehrerer in- u. ausländ. wiss. Gesellschaften;
    Tiedemann-Preis d. Senckenberg. naturforsch. Ges. in Frankfurt/M. (1903);
    Offz.kreuz d. österr. Franz-Jospeh-Ordens (1905);
    Pettenkofer-Preis d. Stadt München (1906);
    Gedenktafel mit Relief v. C. Menser (Zool. Inst. d. Univ. Berlin, 1930 ?, Berlin, Nachbildungen im Reichsgesundheitsamt, Berlin, Tropeninst. Hamburg, div. Kliniken u. Institute in Osaka, Kyoto u. Tokio);
    Dr. Friedrich Schaudinn Gedächtnisstiftung (Hamburg 1906), seit 1906 Schaudinn-Preis d. Stadt Hamburg.

  • Werke

    Weitere W Unterss. an Foraminiferen, in: Zs. f. wiss. Zool. 59, 1895, S. 192-232;
    Btrr. z. Kenntnis d. Coccidien, in: Verhh. d. Dt. Zoolog. Ges. 1897, S. 192-203 (mit M. Siedlecki);
    Vorläufiger Ber. über zoolog. Unterss. im nördl. Eismeer 1898, ebd. 1899, S. 227-47 (mit F. Römer);
    Über d. Generationswechsel d. Coccidien u. d. neuere Malariaforsch., in: SB d. Ges. d. naturforsch. Freunde Berlin 1899, S. 154-78;
    Studien über krankheitserregende Protozoen, 2. Plasmodium vivax (Grassi et. Feletti) d. Erreger d. Tertianfiebers d. Menschen, in: Arbb. aus d. ksl. Gesundheitsamt 19, 1902, S. 169-250;
    Über Spirochaeta pallida bei Syphilis u. d. Unterschiede dieser Form gegenüber anderen Arten dieser Gattung, in: Berliner Klin. Wschr. 22, 1905, S. 373-75;
    Ges. Arbb., hg. v. St. v. Prowazek, 1911.

  • Literatur

    M. Hartmann, in: Die Naturwiss. 18, 1930, S. 572-76 (P);
    Gh. Kuhn, Aus d. Leben F. R. S.s, 1949 (mit Briefwechsel; P)
    ;
    J. H. Stokes, in: Science 74, 1931, S. 502-06;
    H. Zeiss, Elias Metschnikow, Leben u. Werk, 1932, S. 70, 172-74, 188;
    A. Berg, in: ders. u. H. Freund (Hg.), Gesch. d. Mikroskopie, Leben u. Werk gr. Forscher, II, 1964, S. 351-60 (P);
    C. Schirren u. N. Reinhard, Gesch. d. Dermatol. in Norddtld., 1988, bes. S. 30 (P);
    J. S. Hohmann u. P. G. Hesse, F. S. (1871-1906), Sein Leben u. Wirken als Mikrobiologe, 1995 (W, L, P);
    BJ XI, Tl.;
    Dt. Koloniallex. III, 1920;
    Altpreuß. Biogr. II;
    W. U. Eckart u. Ch. Gradmann, Ärztelex., 1995;
    DSB XII.

  • Autor/in

    Hans Günter Schlegel
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlegel, Hans Günter, "Schaudinn, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 587-588 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119233223.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA