Lebensdaten
1846 bis 1916
Geburtsort
Gräfentonna bei Gotha
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11691596X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hirth, Rudolf (Hirth-du Frênes ist Künstlername)
  • Hirth-du Frênes, Rudolf
  • Hirth du Frênes, Rudolf
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hirth du Frênes, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11691596X.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Friedrich (s. 1), Georg (s. 2);
    - 1875 Wanda (1848–1916), T d. preuß. Majors Theophil v. Slupska u. d. Isabella v. Schlechtendal.

  • Leben

    H. besuchte seit 1861 die Nürnberger Kunstschule als Schüler A. von Krelings, seit 1864 die Münchener Akademie als Schüler von Anschütz. 1865 wechselte er in die Klasse A. von Rambergs über, in der er einige Jahre zusammen mit W. Leibl, Th. Alt, Johann Sperl und Fritz Schider blieb. 1866 bezog er ein gemeinsames Atelier mit Leibl, Sperl und Alt; 1876 sah er Leibl zum letzten Mal. Um 1880 war er für circa 5 Jahre in Holland, Belgien und Frankreich. Später lebte er in Diessen am Ammersee, zuletzt in Miltenberg.

    Die frühe Bekanntschaft mit Leibl und die Aufnahme in dessen Freundeskreis, zu dem außer den Obengenannten Carl Schuch und Karl Haider gehörten, bestimmten entscheidend H.s künstlerische Entwicklung. Die Freunde lebten und arbeiteten zusammen, ein klassisches Beispiel für das sogenannte Atelierprinzip. Bei Porträts der Jahre 1870-72/73 kann man oft kaum unterscheiden, welche Hand der Gruppe sie gemalt hat. Leibl ist nicht nur der älteste unter ihnen, sondern auch der eindeutig Führende. Seit 1869 wirkte sich der Einfluß Gustave Courbets auf Leibl und über ihn auf den Freundeskreis aus. H. beeindruckten zugleich auch die Werke von Frans Hals, ihr Nachklang ist in seiner Arbeit noch lange spürbar, zweifelsohne verstärkt durch die niederländischen Reisen. H. wird in dem Freundeskreis als talentiert und tüchtig, lebhaft, aber auch als leichtsinnig hingestellt. Nach dem Auseinanderfallen der Ateliergruppe lassen sein Schwung und sein Eifer spürbar nach. Die Art seines Arbeitens und die Qualität seiner Bilder werden immer ungleicher. Die Skala reicht von guten bis zu ungenießbaren Bildern.

    H. bestritt seinen Unterhalt mit zahllosen Portraits. Die besten stammen aus den 70er Jahren (Bildnis Carl Schuch, 1874, München, Neue Pinakothek). Von seinen Landschafts- und Genrebildern sieht man heute als erfreulich nur noch seine impressionistischen Freilichtstudien an, starkfarbig, sofern sie in Bayern skizziert sind, grautönig, wenn es sich um holländische Sujets handelt. (In der Gartenlaube, 1869, München, Neue Pinakothek; Hopfenleserinnen, Schweinfurt, Sammlung Schäfer; Leibl und Sperl im Segelboot, 1875, Karlsruhe, Kunsthalle.) Stimmungsvoll sind seine Voralpenlandschaften, besonders reizvoll die „Winterlandschaft“ (Schweinfurt, Sammlung Schäfer). Gute Zeichnungen finden sich vor allem im „Skizzenbuch“ (München, Graphische Sammlung), darunter ein „Déjeuner sur l'Herbe“ mit Baron Crailsheim und Frau. Seine Interieurs, auch die berühmten „Hopfenzupferinnen“ (1870, Breslau, kleinere Doublette, Schweinfurt, Sammlung Schäfer) sind sauber komponiert, wenn auch posiert. Sorgfältig und gekonnt, teilweise köstlich in der Ausführung, bleiben sie doch letztlich Zeitgeschmack und Zeitgeist verhaftet.

  • Werke

    Weitere W u. a. Jünglingskopf (Bremen, Kunsthalle);
    Allerseelentag (Gotha, Mus.);
    Bildnis e. kleinen Mädchens, 1873 (Würzburg, Städt. Mus.);
    Am Strande, um 1875 (Karlsruhe, Kunsthalle);
    Studie s. Frau, Bildnis s. Bruders, d. Verlegers Gg. Hirth, 1881, mehrere Zeichnungen (München, Stadt. Gal.);
    Stilleben u. Blumen (Nürnberg, German. Nat.mus.);
    21 Gem., 10 Zeichnungen (Schweinfurt, Slg. Schäfer);
    ferner in folgenden Slgg.: Gotha, Schloß Friedenstein, Hannover, Kestnermus., Coburg, Schloßgal. Ehrenburg, Zürich, Kunsthaus;
    Privatbes. in München, Oberbayern, Franken, Hannover. -
    Autobiogr.: Meine Studienj. mit W. Leibl, In: Zs. f. bildende Kunst NF 26, 1915.

  • Literatur

    G. J. Wolf, Leibl u. s. Kreis, 1923, S. 168-72 (mit Abb.);
    H. Uhde-Bernays, Münchener Malerei d. 19. Jh. II, 1927, S. 127-41 (mit Abb.);
    E. Waldmann, Realismus im 19. Jh. = Propyläen Kunstgesch. 15, 1927, S. 52-59, 144;
    E. Ruhmer, Das Reinmalerische, Diss. Halle 1940;
    ders., Künstlerbildnisse d. Leiblkreises, in: Kunst u. d. schöne Heim 57, 1959 (P);
    R. Neuhaus, Die Bildnismalerei d. Leiblkreises, Diss. Marburg 1953;
    E. Hüttinger, Der Mensch als Stilleben, in: Schweizer Mhh. 34, 1954, H. 5;
    S. Wichmann, Aufbruch z. Moderne, Ausstellung München 1958, Kat. Nr. 189-96 (mit Abb.);
    ThB (L).

  • Portraits

    Selbst-P (München, Städt. Gal.);
    Jugendl. Selbst-P (Frankfurt, Städel);
    Gem. v. W. Leibl, 1867 (ebd.);
    zus. mit K. Haider sitzend auf d. Gem. „Kunstkritiker“ v. dems., 1868/69 (Privatbes.), Abb. b. Ruhmer, Künstlerbildnisse, s. L;
    Gem. v. Th. Alt, H. u. s. Frau im Atelier, 1870 (Berlin [W], Nat.gal.).

  • Autor/in

    Liselotte Camp
  • Empfohlene Zitierweise

    Camp, Liselotte, "Hirth du Frênes, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 241 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11691596X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA