• Genealogie

    V Frdr. Wilh. (1796–1870), Gymnasiallehrer in B., S d. Joh. Christian, Pfarrer u. Sup. in Laasphe, u. d. Hedwig Frieder. Charl. Winckel;
    M Klara Josephine (1788–1873, kath.), T d. Kaspar Maria Devens aus Essen, Arzt in H.-E., u. d. Petronella Wolf;
    Bielefeld 1875 Jeanne Julie Octavie (1831–1905), T d. Alexandre Darcourt in Paris u. d. Adelaide Savary;
    1 T.

  • Leben

    H. verbrachte die Jugend in Bielefeld, war daselbst 1846 Abiturient, studierte dann Alte Sprachen, Geschichte und Geographie in Halle und Berlin, war hier gleichzeitig Hauslehrer beim Generalpostmeister Eduard von Schaper. Er promovierte 1850 in Berlin und wurde Hauslehrer bei der gräflichen Familie Goertz zu Wrisbergholzen bei Hildesheim, beim nassauischen Ministerpräsidenten Prinz Wittgenstein in Wiesbaden, bei der gräflichen Familie Goertz zu Schlitz bei Fulda, seit 1866 aber beim preußischen Kronprinzen, dem späteren Kaiser Friedrich III., in Berlin. Hier oblag ihm die Erziehung und – neben anderen Hauslehrern – die Unterweisung der Prinzen Wilhelm, des späteren Kaisers, und Heinrich, die er zu konzentriertem Arbeiten anzuleiten und auf Wanderungen für Natur und Geschichte sowie, entsprechend seiner eigenen sozialen Denkart, für das Leben und Tun werktätiger Menschen zu erwärmen suchte. Er begleitete die beiden Prinzen 1874 nach Kassel, wo Wilhelm das Gymnasium besuchte, Heinrich weiter privat unterwiesen wurde, und ist bis zu Wilhelms Reifeprüfung (1877) deren ständiger Betreuer geblieben. Seine Aufgabe war schwierig von beiden Seiten, besonders beim Prinzen Wilhelm: einem charakterlich unausgeglichenen Kind begegnete ein nüchterner Calvinist, ohne viel psychologisches Einfühlungsvermögen, ohne den einem jugendlichen Gemüt willkommenen persönlichen Frohsinn, in starrer didaktischer Art jener Zeit. Seit 1877 lebte H. wieder in Bielefeld, ohne weitere Stellung, blieb aber Vertrauensmann des Berliner Hofes, beriet Kaiser Wilhelm in sozialen und pädagogischen Fragen und verwendete sich 1901 für Th. Möllers Ernennung zum Handelsminister. Er selber war 1891 für die Nachfolge Goßlers im Kultusministerium erwogen worden. Persönlich war H. besonders um die Erhaltung des Humanistischen Gymnasiums, um die wirtschaftlich-soziale Hebung des Lehrerstandes und um den Arbeitsfrieden in der Industrie bemüht.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Staatsrats (1890), WGR (1903), Mitgl. d. Herrenhauses (1904).

  • Werke

    De vi ac natura Graecorum oraculorum, praecipue belli Peloponnesiaci aetate, Diss. Berlin 1850;
    Philipp d. Großmütige, 1878;
    Der Große Kurfürst auf d. Sparrenburg, 1900.

  • Literatur

    Kaiser Wilhelm II., Aus m. Leben, 1927, S. 23-29 (P);
    F. Flaskamp, G. H., ein westfäl. Schulmann, in: Westfäl. Zs. 112, 1962;
    BJ XII (W, L).

  • Portraits

    in: Bielefelder General-Anz. v. 30. u. 31.12.1907;
    Marmorbüste auf s. 1909 v. d. ehem. Zöglingen gestifteten Grabmal zu Bielefeld.

  • Autor/in

    Franz Flaskamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Flaskamp, Franz, "Hinzpeter, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 198 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116899263.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA