Lebensdaten
1796 bis 1882
Geburtsort
Rehna (Mecklenburg)
Sterbeort
Carrolltown (Pennsylvania, USA)
Beruf/Funktion
Benediktiner ; Kolonisator ; katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116896442 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lemcke, Heinrich
  • Lemke, Heinrich
  • Lemcke, Heinrich

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Zitierweise

Lemke, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116896442.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Martin (ev.), Kaufm.;
    M Friederike N. N.

  • Leben

    Nach einer an Freuden armen Kindheit floh L. als 15jähriger aus dem Elternhaus nach|Schwerin, um seine Zukunft selber zu bestimmen. Nachdem er sich 1813 an der Vertreibung der Franzosen aus Mecklenburg beteiligt hatte, begann er in Rostock das Studium der ev. Theologie. 1820 erhielt er die Zulassung als Prediger und Pfarrer, nahm aber eine Hauslehrerstelle auf dem Herrensitz Harkensee b. Dassow an. Nach drei Jahren verließ er fluchtartig Mecklenburg. Er wanderte zu einem kath. Studienfreund nach Regensburg, „um eine Religion zu suchen“. Unter Bischof J. M. Sailers Führung wurde L. 1824 katholisch und 1826 Priester. Zunächst war er Bauernkaplan in Niederbayern, doch bestimmten ihn Sailer und der spätere Kardinal M. v. Diepenbrock 1831, Hausgeistlicher bei J. Fr. Schlosser, einem Neffen Goethes, auf Schloß Neuburg (heute Abtei) b. Heidelberg zu werden. Als ihn Clemens Brentano im Freundeskreis Schlossers in einem Gespräch über die seelsorgerliche Verlassenheit der armen deutschen Einwanderer in den USA einen „Luxuspriester“ auf dem Schloß eines Reichen genannt hatte, entschloß sich L. über Nacht, als Seelsorger nach Amerika zu gehen. 1834 kam er nach Philadelphia, bald darauf nach Loretto im pennsylvan. Urwald zu Prinz Dimitri A. Gallitzin, dem Sohn der Fürstin Amalia v. Gallitzin in Münster. Als dessen Schüler und Mitarbeiter gründete er 1838 die deutsche kath. Einwanderersiedlung Carrolltown (Pa.). Für diese gewann er 1845 auf einer Bettelreise, die ihn auch nach München führte, die Gunst Kg. Ludwigs I. v. Bayern. Dieser spendete einen größeren Geldbetrag für den Neubau einer Kirche in Carrolltown und ließ die Baupläne hierfür von F. v. Gärtner entwerfen. Auch der Münchener, von Ludwig I. gegründete und nach ihm benannte Ludwigs(Missions) verein zur Verbreitung und Erhaltung des Glaubens vor allem unter den deutschen Einwanderern in Nordamerika unterstützte ihn. Ferner überredete L. 1845 P. Bonifaz Wimmer, zu ihm zu kommen, um das erste Benediktinerkloster in den USA zu gründen, was das Jahr darauf, allerdings nicht in Carrolltown, sondern in St. Vincent (Pa.) geschah. L. wurde 1852 dort Benediktiner, verließ jedoch 1855 Hals über Kopf sein Kloster, um für Kansas den Grund zur heutigen Abtei Atchison zu legen. Nach schwerer Krankheit kehrte er 1857 nach St. Vincent zurück. 1858-61 weilte er wieder in Europa, um Hilfsgelder für Atchison zu sammeln. Danach wirkte er noch 16 Jahre als Pfarrer der deutschen Gemeinde St. Michael in Elizabeth (N. J.), wo er ein Benediktinerinnenkloster ins Leben rief, das sich zu einem blühenden Mutterhaus für Schul- und Krankenschwestern entwickeln sollte. 1877 zog sich L. nach Carrolltown zurück.

    L. war eine außerordentlich vielseitige, praktisch veranlagte, aber auch zwiespältige Persönlichkeit. Man hat ihn „einen der verdienstvollsten Priester der Vereinigten Staaten von Amerika im 19. Jh.“ genannt. In rastloser Hingabe an andere blieb er zeitlebens ein Einsamer und ein ständig Suchender.

  • Werke

    Leben u. Wirken d. Prinzen D. A. Gallitzin, 1861 (engl. 1940);
    Gesch. d. Benedictiner-Priorates zu Carrolltown, in: Ann. d. Verbreitung d. Glaubens 26, 1858, S. 360-69;
    Selbstbiogr., bearb. v. M. Forner (Ms. im Archiv St. Bonifaz, München). -
    Übers.: D. A. Gallitzin, Defence of catholic principles, 1816, dt. 1849.

  • Literatur

    P. Beckman, Kansas Monks, 1957, S. 5-43;
    St. Campbell, Chosen for Peace, 1968, S. 3-13;
    W. Mathäser, Haudegen Gottes, 1971 (kommentierte Autobiogr.);
    Wetzer-Welte VII, Sp. 1734 f.

  • Portraits

    Denkmal in Carrolltown (Pa.).

  • Autor/in

    Willibald Mathäser OSB
  • Empfohlene Zitierweise

    Mathäser OSB, Willibald, "Lemke, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 185 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116896442.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA