Lebensdaten
1723 bis 1778
Geburtsort
Coburg
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Professor der Theologie in Halle
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116895284 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gruner, Johann Friedrich
  • Gruner, Friedrich
  • Gruner, Johann Friedrich

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Gruner, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116895284.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Frdr. (1688–1756), Dr. iur., sachsen-coburg. Konsistorialpräs. u. Geh. Hofrat, Vf. d. „Opuscula ad illustrandam historiam Germaniae“, S d. Joh. Gg. (1663–1732), Coburg. Rat u. Kammer-Assessor (S d. Gg. Frdr., 1629–66, Buchhändler in Coburg), u. d. Sabine Marie Eichhorn;
    M Euphrosyne Marie (1705–56), T d. Joh. Frdr. Facius, Kammerrat u. Rentmstr. in C.;
    B Ernst Frdr. (1725–87), coburg. Rat, Bgm. v. C., Joh. Gerhard (1734–90), coburg. GR u. Kammerpräs., hist. Schriftst. (s. ADB X) (s. W);
    - 1) Römhild 1750 Sophia (1726–58), Tochter d. Johann Peter Grötzner (1687–1755), Rat u. Amtmann in Römhild, u. d. Sophia Elisabetha Güttich (1693–1778), 2) Halle/S. 1767 Christiane Sophie (1738–86), T d. Joh. Gg. Francke (1697–1755), Dr. iur., Assessor d. Schöppenstuhls u. Oberbornmeister in H., u. d. Luise Sophie Dreyßig (beide aus Pfännergeschl.); viele K, u. a. (aus 2) Carl Frdr. Gerh. (* 1768), Großkaufm., Ratsbaumstr. in Leipzig, Ferdinand (1769–1852), Großkaufm. u. Bankier ebd., Wilhelm (1771–1849), Hofapotheker, Oberbergkommissar u. Medizinalrat in Hannover, veröff. mineralog. Arbb. u. beschäftigte sich früh mit Unterss. üb. d. ehem. Wirkung d. galvan. Stromes (s. Pogg. I; Ferchl);
    N Joh. Ernst v. G. (1757-1822), Coburg. WGR, 1804 Dir. d. Landesregierung, 1806 Kanzler u. Chef d. Justizkollegiums, 1808 Min., auch Konsistorialpräs., Joh. Gottfried (1763-n. 1827), coburg. Geh. Reg. rat u. Reg. dir., Joh. Caspar Lebrecht Facius (1748–1809), Coburg. Wirkl. Hof- u. Kammerrat, Joh. Frdr. Facius (1750–1825), Prof. am Coburger Gymnasium, Altphilol. (s. ADB VI);
    E Carl Otto (1799–1666), Kaufm., Stadtrat in Leipzig, Ferdinand (1810–58), auf Breitenfeld, Großkaufm. in Leipzig;
    Ur-E Carl Robert (1834–1901, Luise Thekla Demiani), Großkaufm. in Leipzig, GKR, Mitgl. d. sächs. 1. Kammer, Anna ( Otto Robert Georgi, 1918, Oberbgm. v. Leipzig, s. NDB VI).

  • Leben

    G. studierte 1742-45 zuerst in Jena, dann in Leipzig. 1745 begann er als Magister der Philosophie mit Vorlesungen innerhalb der Philosophischen Fakultät, wesentlich beeinflußt von Christian Wolffs Empirismus. 1747 wurde er Professor der lateinischen Sprache und der Römischen Altertümer am akademischen Gymnasium in Coburg. Später betätigte er sich als Professor der Beredsamkeit und als Inspektor der Alumnen an dieser Anstalt. Auf Betreiben seines Landsmannes Johann Salomo Semler, mit dem er in wesentlichen theologischen Anliegen zusammenstimmte, wurde er 1764 als ordentlicher Professor der Theologie an die Universität Halle berufen. 1766 empfing er die Doktorwürde der Theologie und lehrte dort bis zu seinem Tod.

    G. erwies sich als ein einflußreicher, biblisch bestimmter Dogmatiker, der eigenständig blieb. Bei allem rationalistischen Gepräge seiner wissenschaftlichen Diktion setzte er sich durch seinen theologischen und unmittelbaren religiösen Tiefgang von den Aufklärern ab. Eindrucksvoll für seine Zeit hat er die sogenannte Wahrheit der natürlichen Religion als eine Fiktion der neueren Metaphysiker nachgewiesen. Was sie meinten, aus der bloßen Vernunft geschöpft zu haben, sei in Wirklichkeit aus Grundelementen der geschichtlich offenbarten christlichen Verkündigung zusammengefügt worden.

    Jedoch forderte G. eine Reinigung der christlichen Botschaft von einer schwerfälligen, in Jahrhunderten zusammengewachsenen kirchlich-dogmatischen Überfremdung. Zum Schaden der „apostolischen Einfachheit und Reinheit“, die G. seiner Zeit wiedergewinnen möchte, habe sich in der alten Kirche im theologischen Denken der Platonismus und später noch der Aristotelismus eingenistet, von denen sich auch die Reformation nicht völlig zu befreien vermocht habe. Sie seien zu einer der Quellen ständiger dogmatischer Streitigkeiten und Zertrennungen innerhalb der Christenheit geworden. So forderte G. die Abwendung von der platonisierenden, allegorisierenden und spekulierenden zur „grammatikalisch-historischen“ Interpretation der Schrift. An der Trinitäts- und Logoslehre versuchte G. diese Forderung zu exemplifizieren Er selbst verstand diese Lehren als einen an den Schriftaussagen entstandenen Versuch, den inneren Lebensprozeß der Gottheit zur Darstellung zu bringen, ohne diese Mysterien rationalisieren zu wollen. Durch eine Neuinterpretation der Aussagen über die Person Christi und der Rechtfertigung wollte er als biblischer Dogmatiker die altlutherischen Lehrüberzeugungen aufrechterhalten und mit neuer religiöser Überzeugungskraft erfüllen.

  • Werke

    W u. a. Prakt. Einl. in d. Rel. d. Hl. Schr., Halle 1773;
    Institutum theol. dogmat. libri III, ebd. 1777. - Bibliogr. b. Jöcher-Adelung II;
    Meusel, Verstorb. Schriftst. IV, S. 419 ff. - Zu B Joh. Gerhard: Hist.-statist. Beschreibung d. Fürstenthums Coburg sachsen-saalfeld. Antheils, Coburg 1783.

  • Literatur

    W. Gass, Gesch. d. prot. Dogmatik IV, 1867, S. 226 ff.;
    A. Ritschl, Die christl. Lehre v. d. Rechtfertigung u. Versöhnung I, 31889, S. 414 ff.;
    W. Glawe, Die Hellenisierung d. Christentums…, 1912;
    K. Aner, Die Theol. d. Lessingzeit, 1929;
    Hirsch IV.

  • Autor/in

    Erich Beyreuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Beyreuther, Erich, "Gruner, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 226-227 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116895284.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA