Lebensdaten
1859 bis 1901
Geburtsort
Mühlhausen (Thüringen)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Journalist ; Redakteur ; sozialdemokratischer Politiker
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 116888970 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schoenlank, Bruno

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Zitierweise

Schoenlank, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116888970.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (1830–1920), aus Wronke (Prov. Posen), Rel.lehrer, Kantor u. Vorbeter d. jüd. Gde. in Landsberg/Warthe, seit 1855 in M., 1861-1910 in Sondershausen (s. L);
    M Pauline Braun (1839–86); 5 jüngere Geschw bzw. Halb-Geschw;
    1889 Auguste (Gustel) Klebing (1865–1948), aus Sömmerda b. Erfurt, T e. Kaufmanns;
    3 S Reinhold (* 1890), Bruno (s. 2), Helmuth (* 1893), 1 T Clara-Hildegard (* 1897).

  • Leben

    S. wuchs als erstes von sechs Kindern seit 1861 in Sondershausen auf und verließ das dortige Gymnasium als primus omnium. 1878-82 studierte er Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie in Berlin, Leipzig, Kiel und Halle/Saale, wo er 1882 mit einer psychologischen Arbeit über den Philosophen und Mediziner David Hartley (1705–57) und den Sozialreformer Joseph Priestley (1733–1804) summa cum laude bei Julius Hermann v. Kirchmann (1802–84) promoviert wurde. S. entschied sich für die journalistische Laufbahn, trat aber immer wieder mit eigenständigen nationalökonomischen und sozialhistorischen Schriften sowie zahlreichen wissenschaftlichen Aufsätzen hervor, die wesentlich von Friedrich Engels' Schrift über „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ inspiriert waren. Seit 1883 Mitglied der SPD, arbeitete er 1884/85 bei der „Süddt. Post“ des Verlegers Louis Viereck (1851–1922) sowie bei weiteren sozialdemokratischen Blättern und als Korrespondent für den in Zürich unter Karl Kautsky (1854–1938) erscheinenden „Sozialdemokrat“. 1885 zog er nach Nürnberg, wo er eine Anstellung bei der „Fränk. Tagespost“ fand. S. wurde mehrfach wegen „Pressvergehens“ verurteilt und als sozialdemokratischer Versammlungsredner dauerhaft polizeilich überwacht. Dem wirtschaftlichen Ruin infolge seines unsteten Lebensstils, des ungeklärten Nebeneinander von wissenschaftlichen, politischen und publizistischen Ambitionen sowie des mangelnden Auskommens als freier Journalist entging er durch die Heirat mit einer Kaufmannstochter und dem vorübergehenden Rückzug von jedem politischen Engagement. 1889 betätigte er sich als korrespondierender Mitarbeiter für die freisinnig orientierte „Berliner Volkszeitung“ und zog 1890 – ermuntert durch Franz Mehring (1846–1919) – nach Berlin, wo er sich wieder als sozialdemokratischer Journalist und Agitator betätigte. Als Mitredakteur des „Socialpolitischen Centralblatts“ fand S. endlich eine feste Anstellung, wechselte jedoch schon 1892 als Stellvertreter Wilhelm Liebknechts (1826–1900) zum SPD-Zentralorgan „Vorwärts“. Ein Jahr später zog er als Abgeordneter für den Wahlkreis Breslau-West in den Reichstag ein. Als Mitglied der Programmkommission und Kommentator des Erfurter Programms stieß er in den Führungskreis der SPD vor. In den Richtungskämpfen der Partei wechselte er mehrfach seine Position, was ihn als ideologisch unzuverlässig erscheinen ließ. Unbestritten war jedoch seine Leistung, die „Leipziger Volkszeitung“ nach dem „Vorwärts“ zur angesehensten und auflagenstärksten sozialdemokratischen Zeitung gemacht zu haben. Als deren Chefredakteur seit Okt. 1894 formte er aus einem Parteiblatt eine moderne meinungsbildende Tageszeitung, die auf Aktualität, Recherche, politische Meinungsvielfalt und literarische Qualität setzte. S., der als „Reformator“ der Parteipresse und „Begründer der sozialdemokratischen Tagespresse“ (Gustav Jaeckh) gilt, starb nach längerem Leiden an einer Nervenkrankheit.

  • Werke

    Hartley u. Priestley, die Begründer des Associa-tionismus in England, Diss. Halle 1882;
    Die Hausind, im Kr. Sonneberg, 1884;
    Die wirtschaftl. Krisen u. d. Sozialreform, 1886;
    Zur Lage d. arbeitenden Klasse in Bayern, Eine Volkswirtschaftl. Skizze, 1887;
    Die Fürther Quecksilber-Spiegelbelegen u. ihre Arbeiter, 1888;
    Soc. Kämpfe vor dreihundert J., 1895;
    Grundsätze u. Forderungen d. Sozialdemokratie, Erll. z. Erfurter Progr., 1892 (mit Karl Kautsky);
    zahlr. Aufss.

  • Literatur

    Paul Mayer, B. S. 1859-1901, Reformer d. soz.demokrat. Tagespresse, 1972 (darin: Tageb., Briefausschnitte [1897-1901] u. Nachruf v. Gustav Jaeckh aus: Sozialist. Mhh., 1901, S. 989 f.);
    Sozialdemokraten in Thür., Die Fam. Schoenlank, Flyer z. Ausst. d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Thür. (P zu Moritz, S. sen. u. jun.);
    BJ VI, Tl.;
    Biogr. Lex. Sozialismus (P);
    Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
    Lex. Sozialist. Lit. (W, P); – Nachlaßsplitter:
    Archiv d. soz. Dem. in d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn;
    zu Moritz:
    R. David, Gesch. d. Synagogengde. Sondershausen, 1926;
    Gesch. d. Juden in Mühlhausen, 1998.

  • Autor/in

    Karsten Rudolph
  • Empfohlene Zitierweise

    Rudolph, Karsten, "Schoenlank, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 417-418 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116888970.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA