Lebensdaten
1868 bis 1936
Geburtsort
Westheim (Kreis Büren, Westfalen)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Warenhausmanager
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11686494X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schöndorff, Hermann

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Zitierweise

Schöndorff, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11686494X.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V D. ( 1874), Pferdehändler in W.;
    M Bernhardine Cohn;
    B Albert (* 1870, Marie Gros, 1942 v. Amsterdam nach Auschwitz deportiert), Gen.dir., Vorstandsmitgl. d. Gebr. Schöndorff A.-G., Holzbearbeitungsfabrik u. Waggonbauanstalt, Düsseldorf, 1912-17 Stadtverordneter in Düsseldorf (Lib. Partei), 1919 Mitgründer d. Arbeiterbauver. „Freiheit“ ebd., 1942 v. Amsterdam n. Auschwitz deportiert (s. Rhdb.; Wenzel); – Düsseldorf 1890/91 Lina Sostheim. aus Lippstadt, zuletzt in New York; 1. S Robert (1894–1946, Käte Hamlet, seit 1939 Kate Sheldon, 1899–1990, aus Magdeburg, zuletzt in Toronto, s. Qu), aus Düsseldorf, Warenhauskaufmann, Vorstandsmitgl. d. Rudolph Karstadt AG, Hamburg, emigrierte n. Toronto (Kanada) (s. Rhdb.; Wenzel), 1 T Anna ( Dr. Simi Schwarz, in New York).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Westheim und Dortmund und einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann war S. in mehreren westfäl. Einzelhandelsgeschäften tätig. 1890 gründet er mit seinem Bruder Albert die Firma „Gebr. Schöndorff, Düsseldorf, die Bettgestelle und Betten, später auch Ladeneinrichtungen herstellte; S. gliederte auch eine Eisenbahnwaggonfabrik an. Seit 1910 mit dem westfäl. Warenhausunternehmen „Theodor Althoff KG“ in Dülmen in Beziehung und Mitglied in dessen finanziellem Beirat, errichtete er 1912 das Althoff-Haus in Essen, das größte westdt. „Provinzialwarenhaus“ mit 10 000 m2 Verkaufsfläche. Er regte die Ausdehnung des Unternehmens nach Mitteldeutschland an, die während des 1. Weltkrieges das Unternehmen an den Rand des Konkurses brachte. 1920 initiierte S. die Einbringung der Firma in die gerade gegründete „Rudolph Karstadt AG“, wo er Vorstandsmitglied war (Finanz- u. Bauressort). Hier trieb er die horizontale und vertikale Expansion von Karstadt voran und schaltete die Unternehmensgründer Karstadt und Althoff sowie dessen Schwiegersohn Friedrich Schmitz im Vorstand aus; seit Mitte der 1920er Jahre übte er die Funktion des Generaldirektors aus. Er gliederte weitere Filialen und Produktionsbetriebe an und konzipierte 1926 nach dem Vorbild der amerik. Einheitspreiskette „Woolworth“ die „Einheitspreis AG“ (Epa), die Artikel des täglichen Bedarfs verkaufte und 1932 bereits 32 Filialen besaß. 1929 nahm Karstadt das von S. und Philipp Schaefer (1885–1952) entworfene Haus am Hermannplatz in Berlin-Neukölln in Betrieb, mit 37 000 m2 Verkaufsfläche das größte und modernste Warenhaus Europas. Im selben jähr übernahm Karstadt auf Betreiben S.s das Berliner Warenhausunternehmen „Lindemann und Co. KG“ durch Aktientausch. Die dabei vereinbarte Kursgarantie sowie die massive Expansion von Karstadt in der 2. Hälfte der 1920er Jahre, nahezu ausschließlich mit Fremdkapital finanziert, führte in der sich anbahnenden Weltwirtschaftskrise zum finanziellen Ruin der Vorstandsmitglieder Karstadt, Althoff und S., der daraufhin 1931 aus dem Vorstand ausschied. 1931-33 war S. für andere Einheitspreisgesellschaften tätig, so für die tschechoslowak. „Jepa“ und die franz. „Uniprix“ und „Prix Unique“. S. emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im April 1933 in die Schweiz, seine ebenfalls von Philipp Schaefer erbaute Villa in der Berliner Auguste-Viktoria-Straße dient heute als israel. Botschaft. 1935 erkrankte S. an Lymphdrüsenkrebs.

    Der Expansionsdrang S.s, seine Erwerbung von Grundstücken und Gebäuden in besten Innenstadtlagen, die in der Krise nicht verkauft und in den 1930er Jahren nicht bebaut werden konnten und somit die Immobilisierung des Unternehmenskapitals bewirkten, ermöglichten nach dem 2. Weltkrieg der Karstadt AG, ihren Wiederaufbau und Ausbau auch an solchen Plätzen voranzutreiben, an denen sie bislang nicht mit Geschäftshäusern vertreten gewesen war.

  • Auszeichnungen

    preuß. KR.

  • Literatur

    Karstadt-Magazin, Jub.ausg. 1881-1981, 2, 1981 S. 39;
    R. Lenz, Karstadt, Ein dt. Warenhauskonzern|1920-1950, 1995, S. 71-147 (L, P);
    K. Englert u. J. Tietz (Hg.), Botschaften in Berlin, 2003, S. 258-60;
    Rhdb.;
    Wenzel;
    E. G. LuwunLhal, Juden in Preußen, 1981, S. 203;
    BHdE I; |

  • Quellen

    Qu Mitt. v. Kate Sheldon (im Bes. v. R. Lenz).

  • Autor/in

    Rudolf Lenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenz, Rudolf, "Schöndorff, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 402-403 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11686494X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA