Lebensdaten
1840 bis 1917
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Augenarzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116849878 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leber, Theodor
  • Leber, Th.
  • Leber, Theodor Karl Gustav

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Zitierweise

Leber, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116849878.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1806–84), Gymnasiallehrer in K. u. H., Prof. am Polytechnikum in K., S d. Metzgermeisters Joh. Adam in Durlach u. d. Catharine Dorothea Steinmetz;
    M Apollonia (1814–43), T d. Dr. phil. Fritz Wüstenfeld (1791–1833), Kaufm. in Hann. Münden u. H., u. d. Friederike Mays;
    B Eduard (1841–1910), Großkaufm. in New York, Karl (1843–1909), Großkaufm. in Antwerpen: - 1) Göttingen 1872 Alida (1840–80, Cousine), T d. Ferdinand Wüstenfeld (1808–99). Bibliothekar in Göttingen, Orientalist (s. ADB 55), u. d. Bertha Lambrecht, 2) ebd. 1882 Ottilie (1849–1916), T d. Otto Mejer (1818–93), Prof. d. Staats- u. Kirchenrechts, Präs. d. Landeskonsistoriums in Hannover (s. ADB 52), u. d. Julie Joseph; Schwägerin Magda Mejer ( Wolrad Wolff, * 1842, Oberhofprediger in Schwerin); kinderlos.

  • Leben

    L. studierte 1857-62 Medizin in Heidelberg, war ein Jahr lang Assistent bei dem Heidelberger Ophthalmologen Hermann Knapp, ging dann jedoch, seiner Neigung zu grundlegender wissenschaftlicher Forschung folgend, zu Karl Ludwig, dem führenden deutschen Experimentalphysiologen, nach Wien. Hier klärte er die Blutversorgung des Auges, dies bereits mit dem Ziel, Einsicht in die Entstehung der intraokularen Drucksteigerung beim Glaukom („grüner Star“) zu gewinnen. Da die Physiologie keine materielle Existenz bieten konnte, bildete sich L. bei Richard Liebreich in Paris und Albrecht v. Graefe in Berlin zum Augenarzt aus. Er wurde 1869 in Berlin Privatdozent, 1871 in Göttingen Extraordinarius und Klinikchef, 1873 Ordinarius. 1890-1910 stand er der Universitäts-Augenklinik Heidelberg vor.

    Experimentalphysiologische und mikroskopisch-anatomische Methoden mit der klinischen Beobachtung kombinierend, hat L. u. a. das Glaukom, die Netzhautleiden sowie die Infektions- und Entzündungsvorgänge am Auge erforscht. Seine Infektions- und Entzündungsstudien (1879–90) haben allgemeinmedizinische Bedeutung: auf Julius Cohnheims Experimenten über die Leukozyten-Wanderung aufbauend, konnte er nachweisen, daß diese Abwehrzellen durch chemische Reize zum Entzündungsherd hingezogen werden (Chemotaxis). Er ging den verborgenen Wegen nach, auf denen die intraokulare Flüssigkeit, das im Ziliar-Körper aus dem Blut abgesonderte Kammerwasser, das Auge wieder verläßt, und deren Verlegung durch Steigerung des Augen-Innendruckes, das Glaukom, hervorruft. L.s Erkenntnis, daß die Ablösung der Netzhaut von der Wand des Augapfels durch Zug von innen, aus dem krankhaft veränderten Glaskörper, ausgelöst zu werden pflegt, bildet die Grundlage für die moderne, von Jules Gonin in Lausanne ca. 1920-30 begründete chirurgische Behandlung dieses sonst rettungslos zur Erblindung führenden Leidens. Eine erbliche Form von Sehnervenschwund bei jungen Männern ist als L.sche Opticus-Atrophie (Leber's disease) in die medizinische Terminologie eingegangen. Eine Reihe verschieden aussehender Netzhautkrankheiten faßte er zur Gruppe der tapeto-retinalen Degenerationen zusammen. Obwohl der Naturwissenschaftler L. von sich sagte (1896), ein ganz richtiger Augenarzt sei er im Grunde nie geworden, widmete er sich jedem einzelnen Patienten seines Krankenhauses; in der Privatpraxis sah er eine unliebsame Ablenkung von seiner eigentlichen Arbeit.|

  • Auszeichnungen

    Graefe-Medaille (1896).

  • Werke

    u. a. Ueber hereditäre u. congenital-angelegte Sehnervenleiden, in: Graefes Archiv f. Ophthalmol. 17/2, 1871, S. 249-91;
    Neue Unterss. üb. d. Flüssigkeitswechsel d. Auges, ebd. 64, 1906, S. 1-127;
    Die Entstehung d. Entzündung u. d. Wirkung d. entzündung-erregenden Schädlichkeiten, Nach vorzugsweise am Auge angestellten Unterss., 1891;
    Die Circulations- u. Ernährungsverhältnisse d. Auges, in: Hdb. d. ges. Augenheilkde., begr. v. A. Graefe u. Th. Saemisch, 1876, 21903;
    Die Krankheiten d. Netzhaut, 2 Bde., in: Hbd. d. ges. Augenheilkde., 21915/16;
    Zahlr. Aufsätze, bes. in Graefes Archiv f. Ophthalmol.;
    Autobiogr. Äußerungen in s. „Antwort-Rede“ b. d. Verleihung d. Graefe-Medaille, in: Ber. d. 25. Verslg. d. Ophthalmol. Ges. Heidelberg 1896, 1897, S. 22-31.

  • Literatur

    O. Eversbusch, in: Münchener med. Wschr. 57/1, 1910, S. 416 f.;
    E. v. Hippel, in: Klin. Mbll. f. Augenheilkde. 58, 1917, S. 548-66 (W-Verz., P);
    J. Hirschberg, in: Gesch. d. Augenheilkde. 8, Hdb. d. ges. Augenheilkde., 21918, § 1107, S. 52-60 (W-Verz., P);
    S. Duke-Elder, System of Ophthalmology 10, Diseases of the retina, 1967, S. 574 f. (P);
    K. Reichle, Th. K. G. L., Diss. Heidelberg 1973 (W-Verz., L, P; ungedr.)
    ;
    H.-J. Lauer, Die Begründung d. Lehre vom intraokularen Flüssigkeitswechsel durch Th. L. vor 100 J., in: Klin. Mbll. f. Augenheilkde. 164, 1974, S. 570 f.;
    W. Jaeger, Th. L.s Elternhaus, ebd. 168, 1976, S. 595-98;
    F. W. Stocker u. K. Reichle, Th. L. and the endothelium of the Cornea, in: Amer. Journal of Ophthalmol. 78, 1974, S. 893-96 (P);
    A. J. Pinckers, L.s congenital amaurosis as coneeived by Leber, in: Ophthalmologica 179, 1979, S. 48-51.

  • Portraits

    Phot., Abb. in: Bildnisse Göttinger Professoren aus 2 Jhh., hrsg. v. M. Voit, 1937.

  • Autor/in

    Huldrych M. Koelbing
  • Empfohlene Zitierweise

    Koelbing, Huldrych M., "Leber, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 19 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116849878.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA