Lebensdaten
1483 bis 1533
Geburtsort
Rottenacker (Württemberg, Alb-Donau-Kreis)
Sterbeort
Ulm
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Reformator in Ulm
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 116777400 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Saum, Konrad
  • Som, Konrad
  • Somius, Konrad
  • mehr

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Zitierweise

Sam, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116777400.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    Stief-B Sebastian Fischer, Zunftmeister d. Schuhmacher in U.;– Ulm 1526 Elisabeth N. N., aus Bayern; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Lateinschule in Ulm und Studien in Tübingen und seit 1505 in Freiburg, wo Jakob Wimpheling und Ulrich Zasius zu seinen Lehrern gehörten, erwarb S. 1509 in Tübingen den Grad eines Lic. der Rechte und wurde 1513 auf die Stelle eines Prädikanten an der Spitalkirche in Brackenheim (b. Heilbronn) berufen. Seine frühe Hinwendung zur Reformation zeigt ein Schreiben Martin Luthers vom 1.10.1520, das S. zum Ausharren bei seinem Bekenntnis ermutigte. Unter wachsendem Druck durch die österr. Herrschaft über Württemberg (1519–34) floh S. nach Ulm. Nach Probepredigten berief ihn der Rat am 27.6.1524 zunächst für die Dauer eines Jahres als Prediger an die Barfüßerkirche, bald darauf am Münster. Rasch gewann S. durch seine bildhaften, mitunter auch drastischen Predigten großen Zulauf. Er verstrickte sich in heftige Kontroversen mit dem Dominikaner Peter Hutz (1488–1540/41), die nach Unruhen in der Stadt 1525 zu dessen Ausweisung führten.

    Seit 1526 in regem Briefwechsel mit Ulrich Zwingli (1484–1531), vertrat S. dessen Lehre in Ulm und nahm an der Berner Disputation 1528 teil, konnte jedoch einen Beitritt Ulms zur eidgenöss. Civitas Christiana, dem sog. Burgrecht, nicht erreichen. Entscheidungen in Religions- und Kirchenfragen behielt sich der Rat unter dem wesentlichen Einfluß Bernhard Besserers (1471–1542) vor. Dieser mahnte S. zur Mäßigung, nahm ihn aber auch gegen Angriffe, u. a. durch Johannes Eck, in Schutz. Seit dem Tod des letzten (kath.) Pfarrers Sebastian Löschenbrand 1526 gewann S. in Ulm an innerkirchlichem Einfluß und gab 1528 zusammen mit Michael Brodhag (um 1500–59), dem Rektor der Lateinschule, einen Katechismus („Christenliche Underweysung“) sowie 1529 ein Ulmer Gesangbuch und einen dt. Psalter heraus.

    Im Auftrag des Rats verfaßte S. 1529 ein Gutachten zu den „Schwabacher Artikeln“, deren Annahme die Voraussetzung für den Beitritt zum geplanten Schmalkald. Bund bildete; die Verhandlungen scheiterten zunächst an der Zwingli zuneigenden Stellungnahme der Reichsstadt. Auch zur Confessio Augustana legte S. Gutachten vor und ließ dabei trotz deutlich hervortretender theol. Differenzen ein Streben nach Ausgleich erkennen.

    Die Ablehnung des Augsburger Reichstagsabschieds nach Abstimmung durch die Bürgerschaft im Nov. 1530 führte zur konsequenten Durchsetzung der Reformation in Ulm. Hierzu wurden 1531 die gemäßigten Zwinglianer Martin Bucer (1491–1551), auf den v. a. die Ulmer Kirchenordnung von 1531 zurückgeht, sowie Ambrosius Blarer (1492–1564) und Johannes Oekolampad (1482–1531) berufen. S. wurde von den drei in seinem Haus wohnenden Reformatoren in ihr Vorgehen einbezogen, darunter das Examen der Geistlichen in Stadt und Land; von S. dürfte auch das am 27.9.1531 gedruckte „Handtbüchlin“, eine Agende für das kirchliche Leben, stammen. Zu seiner Unterstützung wurde im Okt. 1531 Martin Frecht (1494–1556) als „Lektor der Hl. Schrift“ gewonnen, der später S.s Nachfolge antrat. Im April 1532 reiste S. mit Besserer zu Bündnisverhandlungen nach Schweinfurt, wobei Ulm stillschweigend die Augustana akzeptierte. Bald darauf erlitt er auf der Kanzel des Ulmer Münsters einen ersten Schlaganfall.

    Nur wenige von S.s Predigten sind überliefert. Sie zeigen, wie auch seine Korrespondenz (StadtA Ulm) und seine Bibliothek (Stadtbibl. Ulm, z. T. Bayer. Staatsbibl., München), eine enge, auch die reichsstädt. Politik mitbestimmende Bindung an die Lehre Zwinglis.|

  • Auszeichnungen

    Nach S. ist eine Kapelle im südl. Chorturm des Ulmer Münsters (ehem. Sakristei) benannt.

  • Werke

    W-Verz.: B. Breitenbruch, Predigt, Traktat u. Flugschr. im Dienste d. Ulmer Ref., 1981, S. 48-63, im Anhang: Die Bibl. K. S.s, Versuch ihrer Rekonstruktion, S. 119-27.

  • Literatur

    ADB 30;
    H. E. Specker u. G. Weig, Die Einf. d. Ref. in Ulm, Ausst.kat., 1981, S. 114-95, darin bes. K. Hoffmann, K. S. (1483-1533), d. Prediger d. Rats zu Ulm, S. 233-68;
    ders., K. S. u. d. Ref. in Ulm, in: Ref.gesch. Württ.s in Portraits, hg. v. S. Heimle, 1999, S. 93-109;
    B. Appenzeller, Die Münsterprediger bis z. Übergang Ulms an Württ, 1810, 1990, S. 28-31 (W, L).

  • Autor/in

    Hans Eugen Specker
  • Empfohlene Zitierweise

    Specker, Hans Eugen, "Sam, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 403-404 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116777400.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sam: Konrad S. (mundartlich auch Saum und Som), Theologe und Reformator der Reichsstadt Ulm, wurde 1483 zu Rottenacker an der Donau südwestlich von Ulm geboren, weshalb er auch Konrad Rottenacker genannt wurde. Seine Schulbildung empfing er wohl erst in dem nahen Städtchen Munderkingen, dann mit Johann Heigerlin oder Faber von Leutkirch, dem späteren Bischof von Wien, gemeinsam in Ulm und studirte 1505 ff. in Freiburg, 1509 in Tübingen. Befreundet mit Johann Oekolampadius, fand er in der Nähe von dessen Heimath Weinsberg eine Anstellung als Prediger in Brackenheim. Hier schloß er sich frühe an die reformatorische Bewegung an und predigte die neue Lehre, so daß Luther auf ihn aufmerksam wurde und ihm am 1. October 1520 einen Aufmunterungsbrief und seine Schriften sandte (De Wette 1, 489). Ein Besuch des ehemaligen Franciscaners und eifrigen Flugschriftenschreibers Johann Eberlin von Günzburg, den S. im Herbst 1523 nur drei Stunden in seinem Hause beherbergt hatte, bot dem österreichischen Landesregiment die erwünschte Handhabe, um im Frühjahr 1524 in Brackenheim die Dienstentlassung Sam's zu erwirken. S. wandte sich nach Ulm, um dem dortigen Ruth seine Dienste anzubieten, während der Rath gleichzeitig einen Boten an S. geschickt hatte, um ihn nach Ulm zu berufen. Am 15. Juni traf S. mit seiner aus Baiern stammenden, aber ihm bis jetzt nicht rite angetrauten Gattin Elisabeth in Ulm ein. Nach drei Probepredigten wurde er mit dem Auftrag, das lautere, klare Wort Gottes zu predigen, angestellt.

    An Erfolg fehlte es S. nicht. Die ihm erst angewiesene Barfüßerkirche faßte die Zuhörermenge nicht mehr, weshalb S. bald das große Münster überlassen wurde. Nach dem Tode des letzten Münsterpfarrers bekam er auch die Leitung der Ulmer Kirche ganz in seine Hand. Sein Name wurde in ganz Oberschwaben bekannt. Der Rath von Memmingen ersuchte ihn um ein Gutachten über den Reformationsplan des dortigen Predigers Schappeler (Januar 1525). Die Bauern erwählten S. 1525 neben den gefeiertsten Gottesgelehrten zum Schiedsrichter in ihrer Sache. Im Abendmahlsstreit schloß sich S. mit seinem Freund Oekolampad eng an Zwingli an und entfremdete sich immer mehr von Luther, so daß er sich zuletzt zu gehässigem Urtheil über Luther fortreißen ließ. Die derbe Weise, mit der S. seine Abendmahlslehre gegenüber der katholischen und lutherischen Lehre vertrat, brachte ihn bald sowohl mit den Vorkämpfern des Papstthums in Süddeutschland, mit Faber und Eck, als mit Vertretern der lutherischen Lehre in Fehde. Neben Althammer in Nürnberg und Billikan in Nördlingen schrieb besonders der Reutlinger Johann Schradin heftig gegen S., der Schradin in einer|Druckschrift antwortete, dagegen Eck auf die Disputation in Bern lud, an der S. im Januar 1528 persönlich theilnahm, ohne daß Eck erschienen wäre.

    In Ulm gelang es S. nur schwer und langsam, der Sache der Reformation den Sieg zu verschaffen. Den Rath machten die politischen Rücksichten auf den Kaiser und den Schwäbischen Bund ängstlich-bedächtig, die altgläubige Minderheit hatte noch angesehene Vertreter im Rath. S. selbst stürmte mit rücksichtsloser Heftigkeit und Grobheit, die erbitterte, wo eine ruhiger schaffende Kraft die Gemüther gewonnen hätte. Erst wollte der Rath jede Aenderung der Kirchengebräuche bis zum Reichstage in Speier 1526 vermieden wissen, kaum wurde evangelischer Sacramentsgebrauch im Haus gestattet. Wol ging man nach dem Speirer Reichstag einen Schritt weiter, beschränkte die Messen, beseitigte anstößige Bilder und unbiblische Gebräuche, legte den Mönchen Schweigen auf und gestattete die Priesterehe, weshalb sich S. jetzt öffentlich mit seiner Elisabeth trauen ließ. 1528 konnte S. gemeinschaftlich mit Michael Brothag „eine christliche Unterweisung der Jungen“ (Katechismus) herausgeben, der 1529 ein Gesangbüchlein und ein deutscher Psalter folgten. Aber die Messe blieb bestehen. Denn Ulm wollte auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 vor dem Kaiser unanfechtbar dastehen und trat deshalb auch weder der Augustana noch der Tetrapolitana bei. Aber der für die Sache der Reformation ungünstige Reichstagsabschied brachte endlich der evangelischen Sache in Ulm den Sieg. Die Zünfte verweigerten mit erdrückender Mehrheit die Annahme des Abschieds. Der Abschluß des Schmalkaldischen Bundes stärkte den Muth des Rathes. Jetzt konnte S. die zeitweilige Berufung Oekolampad's, Butzer's und Blarer's nach Ulm durchsetzen, mit deren Hülfe die Reformation durchgeführt, die Geistlichen visitirt und der Kirche eine neue Ordnung in Zwinglischem Geist geschaffen werden sollte. Was S. sieben Jahre lang heftig erstritten, war jetzt erreicht, am 16. Juni 1531 fiel auch die Messe, und das ganze Reformationswerk gelang. Aber zu Sam's Schmerz mußte Ulm auf dem Tag zu Schweinfurt April 1532 für seine Betheiligung am Schmalkadischen Bund die Anerkennung der Augustana und der Apologie zugestehen. In Ulm selbst ließ die frische religiöse Begeisterung nach, der Rath freute sich, die Kirche völlig beherrschen zu können, im Volk regte sich unbändige Lebesucht, während sich im Stillen das Täuferthum stark ausbreitete. Sam's Freudigkeit sank, seine Arbeitskraft wurde in dem großen Amt rasch erschöpft. Kaum 50 Jahre alt, brach der starke Mann unter wiederholten Schlaganfällen zusammen und starb am 30. Juni 1533, ohne Nachkommen zu hinterlassen.

    Von S. sind folgende Schriften bekannt: 1) Sein obengenannter Katechismus, den er 1533 mit der Sacramentenlehre vermehrte, und der 1536 vom Rath neu herausgegeben wurde; 2) eine 1526 ohne Sam's Wissen gedruckte, aber von ihm anerkannte Predigt über das Nachtmahl, welche die Heidelberger 1569 neu drucken ließen; 3) seine drei letzten Predigten von Davids Ehebruch, Mord, Strafe und Buße (Ulm, Varnier 1534).

    • Literatur

      Grundlegend bleibt Keim's Artikel in Herzog's theol. Realencyclopädie 201, 670—681, wozu die Urkunden des Ulmer Archivs und die Sammlungen ungedruckter Briefe in Zürich und S. Gallen benützt sind. — Veesenmeyer, Nachricht von Konrad Sams Leben. 1795 (Ulmer Gymn.-Programm). —
      Versenmeyers übrige Schriften über die Ulmer Reformation. —
      Schnurrer, Erläuterungen der württb. Kirchen- und Ref.-Geschichte. 1798. —
      Schmid, Denkwürdigkeiten der württb. und schwäb. Ref.-Geschichte. Heft 2 (Ulm 1817). —
      Keim, Reformation der Reichsstadt Alm. 1851. —
      Keim, Wolfg. Rychard (theol. Jahrbücher 1853). —
      Keim, die Stellung der schwäb. Kirchen (theol.|Jahrb. 1854. 1855). —
      Ders., Amb. Blarer, 1860. —
      Seb. Fischer, Ulmer Chronik (Verhandlungen des Vereins für Ulm und Oberschwaben. N. F. 7). —
      Dobel, Memmingen in der Reformationszeit. Augsburg 1877. —
      Radlkofer, Johann Eberlin. Nördlingen 1887. — Württemb. Vierteljahrshefte 1884. S. 28 ff.

  • Autor/in

    G. Bossert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bossert, Gustav, "Sam, Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 304-306 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116777400.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA