Lebensdaten
1874 bis 1949
Geburtsort
Weende bei Göttingen
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Volkskundler ; Kulturhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116754354 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lauffer, Otto

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Zitierweise

Lauffer, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116754354.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1827–1905), Kaufm. u. Fabr. in W., S d. Buchhändlers Friedrich Wilhelm in Leipzig u. d. Catharina Eleonore Jahns;
    M Emilie (1840–1929), T d. Pastors Friedrich Heinrich Preu;
    1898 Anna (1874–1945), T d. Baumeisters Friedrich Hirt (1837–90) u. d. Clara Fritzsche;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte und nach der Promotion mit der Untersuchung „Das Landschaftsbild Deutschlands im Zeitalter der Karolinger, Nach gleichzeitigen litterarischen Quellen, Eine germanistische Studie“, 1896 in Göttingen, war L. beim German. Nationalmuseum Nürnberg tätig. Unter anderem beteiligte er sich an der Aufstellung der neu geschaffenen volkskundlichen Sammlungen und erläuterte einige der damals erworbenen ländlichen Wohnräume in einer gründlichen Darstellung. 1902 wurde er Direktorialassistent, 1907 Direktor des Städtischen Historischen Museums in Frankfurt a. M. Es entstanden wichtige Studien zur Sachkultur Frankfurts. Zugleich entwickelte L. in Rückbesinnung auf ältere museologische Pläne – z. B. auf die Grundlagen des German. Nationalmuseums – sowie unter Berufung auf seinen Lehrer Moriz Heyne Thesen zu den institutionsspezifischen Aufgaben der Historischen Museen: Er betonte die Unterschiede zum Kunstmuseum und besonders zum Kunstgewerbemuseum und forderte für die Historischen Museen eine Gruppierung nach Gebrauchszwecken; er legte ein nach Sachbereichen (Familienaltertümer, Hausaltertümer, Staats- und Gemeindealtertümer, Rechtsaltertümer, kirchliche Altertümer, profane Kunstaltertümer, wissenschaftliche Altertümer, Kriegsaltertümer) gegliedertes Ordnungsschema vor. 1908 übernahm er die Leitung des Museums für Hamburg. Geschichte und verwirklichte seine Anschauungen in dem von Fritz Schumacher entworfenen Neubau, der 1922 eingeweiht wurde. Nachdem L. sich bereits seit Beginn seiner Tätigkeit in Hamburg am Vorlesungswesen der Oberschulbehörde beteiligt hatte, wurde ihm 1919 – neben seinem Museumsamt – eine Professur für Deutsche Altertums- und Volkskunde an der neu gegründeten Univ. Hamburg übertragen (1922/23 Rektor, 1923 planm. o. Professor). Nach der Emeritierung 1939 nahm L. bis 1945 seine Professur vertretungsweise wahr und behielt das Amt des Direktors bis 1946.

    In Forschung und Lehre bemühte L. sich um die Entwicklung einer Deutschen Altertumskunde, die er als Disziplin in den ausgreifenden Ansätzen der älteren Germanistik, z. B. bei Jacob Grimm, vorgeprägt sah. Die Konzeption dieser „Realienkunde deutscher Vergangenheit“ seit der Karolingerzeit steht in engem Zusammenhang mit L.s museologischen Zielsetzungen; sie orientierte sich an der gebrauchsmäßigen Bedeutung, an den Zwecken der Gegenstände, und schenkte der Gegenstandskultur – unabhängig von der ästhetischen Qualität der Dinge – in ihren typischen Erscheinungen Aufmerksamkeit. Methodisch aufschlußreich sind der Versuch, den Wert der einzelnen Quellengruppen für die angestrebte Sachforschung zu gewichten (in: Oberdt. Zs. f. Volkskde. 17, 1943, S. 106-31) sowie Erwägungen zum Verhältnis zwischen der gängigen Periodisierung historischer Abläufe und der Geschichte praktischer Lebensverhältnisse (Die Begriffe „Mittelalter“ und „Neuzeit“ im Verhältnis zur deutschen Altertumskunde, 1936). Der Plan eines Sachwörterbuchs der deutschen Altertumskunde, an dem L. mitwirken sollte, wurde nicht verwirklicht; doch hat L. Themen aus der Altertumskunde Einzelstudien gewidmet, wobei sich zunehmend eine Interessenverlagerung zugunsten einer stärkeren Einbeziehung von Erscheinungsformen|des Volksglaubens abzeichnete. Von der strengen Sachbezogenheit der eigenen altertumskundlichen Studien aus hat L. sich in Besprechungen kritisch mit der im Dritten Reich modischen unwissenschaftlichen Sinnbildforschung beschäftigt (in: Zs. f. Volkskde. 45, 1935 [1937], S. 179 ff., S. 324 f.; HZ 168, 1943, S. 356 ff.).

  • Werke

    Weitere W u. a. Das hist. Museum, Sein Wesen u. Wirken u. sein Unterschied v. d. Kunst- u. Kunstgewerbe-Museen, in: Museumskde. 3, 1907, S. 1-14, 78-99, 179-85, 222-45;
    Spätma. Zinnfunde aus Hamburg u. einige niederdt. Vergleichsstücke, 1913;
    Dt. Altertümer im Rahmen dt. Sitte, Eine Einführung in d. dt. Altertumswissenschaft, 1918;
    Die Erforschung d. dt. Altertümer d. MA u. d. neueren Zeiten, Fragen d. Wiss. u. d. Organisation, in: Zs. f. d. dt. Unterricht 33, 1919, S. 449-63;
    Rede üb. dt. Altertums- u. Volkskde., in: Hamburg. Univ., Reden gehalten z. Feier d. Rektorwechsels … 1922, 1923, S. 21-40;
    Der Weihnachtsbaum in Glauben u. Brauch, 1934;
    Land u. Leute in Niederdtld., 1934;
    Dorf u. Stadt in Niederdtld., 1934;
    Niederdt. Bauernleben in Glasbildern d. neueren Jhh., 1936;
    Singvögel als Hausgenossen im dt. Glauben u. Brauch, 1939;
    Frau Minne in Schrifttum u. bildender Kunst d. dt. MA, 1947;
    Farbensymbolik im dt. Volksbrauch, 1948;
    Volkskundl. Erinnerungen aus Göttingen u. d. oberen Leinetal, 1949;
    Volkswerk, in: Volkskde., Quellen u. Forschungen seit 1930, hrsg. v. W.-E. Peuckert u. O. L., 1951, S. 263-335;
    Allegorie d. Begriffe d. Zeit, d. Jahres u. d. Jahreszeiten, der Monate u. d. Tageszeiten, in: Btrr. z. sprachl. Volksüberlieferung, 1953, S. 250-59. -
    Hrsg.: Festschr. d. Hamburg. Univ. ihrem Ehrenrektor, Herrn Bgm. W. v. Melle … z. 80. Geb.tag, 1933;
    Ehrengabe d. Mus. f. Hamburg. Gesch. z. Feier seines 100-j. Bestehens, 1939. -
    Mithrsg.: Archiv f. Kulturgesch. 8-32, 1910-44;
    Zs. f. Dt.kunde, 40-44, 1926-30;
    Mitt. aus d. Mus. f. Hamburg. Gesch. 1-6, 1909-22.

  • Literatur

    Festschr. Volkskde.-Arbeit, Zielsetzung u. Gehalte, hrsg. v. E. Bargheer u. H. Freudenthal, 1934 (W-Verz., P);
    A. Kamphausen, in: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holstein. Gesch. 74/75, 1951, S. XI-XIV;
    H. Freudenthal, in: Zs. f. Volkskde. 51, 1954, S. 261-64;
    R. Schindler, Die Neugliederung d. Mus. nach d. 2. Weltkrieg, in: W. Jungraithmayr (Hrsg.), Das hist. Mus. als Aufgabe, Forschungen u. Berr. aus d. Mus. f. Hamburg. Gesch. 1946–72, 1972, S. 29-36 (krit. Auseinandersetzung mit d. museolog. Konzeption L.s);
    Kürschner, Gel.-Kal., 1950.

  • Portraits

    Phot. in: Btrr. z. dt. Volks- u. Altertumskde. 1, 1954.

  • Autor/in

    Bernward Deneke
  • Empfohlene Zitierweise

    Deneke, Bernward, "Lauffer, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 712 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116754354.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA