Lebensdaten
1887 bis 1954
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Bayreuth
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dramatiker ; Librettist ; Redakteur
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116753099 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lauckner, Wilhelm Rudolf (eigentlich)
  • Lauckner, Rolf
  • Lauckner, Wilhelm Rudolf (eigentlich)
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Zitierweise

Lauckner, Rolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116753099.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1845–89), Ing., Stadtbaurat (Wasserbau) in K., S d. Kaufm. Gottlieb u. d. Johanna Sahlbeck;
    M Clara (1861–1924), Schriftstellerin, T d. Bgm. Julius Schulz in Bartenstein (Ostpr.) u. d. Maria Holle (beide aus Memel);
    Stief-V Hermann Sudermann ( 1928), Schriftsteller;
    - 1913 Elfriede Thum (Ps. Erich Thum, 1886–1952), Bühnenbildnerin, Malerin.

  • Leben

    Nach dem frühen Unfalltod des Vaters heiratete L.s Mutter Hermann Sudermann. Damit begann L.s Leben als „Sudermanns Stiefsohn“. Nach dem Abitur an der Dreikönigsschule in Dresden (1906) studierte er in Lausanne, Genf, München, Kiel und Königsberg Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft auf Wunsch des Stiefvaters, der ihn großzügig unterstützte und ihm auch Reisen nach England, Frankreich, Italien und in den Balkan bis in die Türkei ermöglichte. 1911 legte er das juristische Referendarexamen ab. Im Anschluß an ein kurzes Referendariat in Labiau ging er nach Würzburg und wurde dort 1912 zum Dr. iur. et rer. pol. promoviert. L. wandte sich daraufhin dem Schriftstellerberuf zu. Im selben Jahr erschienen seine „Frühen Gedichte“. Seit 1912 war er in Stuttgart als Dramaturg und als Redakteur bei der Zeitschrift „Über Land und Meer“ tätig, bis diese 1923 ihr Erscheinen einstellte. Er hielt sich danach als freier Schriftsteller in Wien auf und siedelte 1925 endgültig nach Berlin über. L. schloß in den folgenden Jahren Freundschaft mit Ferdinand Bruckner, Paul Fechter, Julius Levin|und Frank Thiess und wurde mit den Brückemalern Pechstein, Heckel, Otto Mueller sowie mit dem Schriftsteller Heinrich Lautensack bekannt. Seine frühen, zum Teil expressionistischen Dramen erlebten große Bühnenerfolge: „Christa die Tante“ (1918), „Predigt in Litauen“ (1919), „Wahnschaffe“ (1920), „Schrei aus der Straße“ (1922). „Der Sturz des Apostels Paulus“ (1917) wurde von Max Reinhardt 1919 am Deutschen Theater in Berlin mit Alexander Moissi und Helene Thimig uraufgeführt. Die erste Periode im dramatischen Werk L.s schloß mit der Komödie „Die Entkleidung des Antonio Carossa“ (1925) ab. L. entwickelte in seinen expressionistischen Stücken keine Konflikte in streng klassischer Dramaturgie, er reihte vielmehr Szenen locker aneinander und legte das Schwergewicht auf die Psychologie, so daß die Dramen nicht programmatisch wirken. Komik und Ironie nehmen dem ernsten Spiel häufig die Schwere. Schon früh beschäftigten L. Versuche, Sprache und Musik zu verbinden. 1917/18 entstand das Opernlibretto „Frau im Stein“ (Ariadnestoff), das James Simon vertonte. Später folgten eigene melodramatische Textbücher und Bearbeitungen von Opernlibretti („Nadja“ 1929, vertont von Eduard Künneke; Tschaikowskys „Pique Dame“ 1923, C. M. v. Webers „Euryanthe“ 1923). Musikalische Gestaltungsmittel (Rhythmus, Melodik) prägten weitgehend L.s lyrisch-dramatischen Stil. Suchte er für die Oper eine Gleichwertigkeit von Text und Musik, so strebte er für den Film eine Ebenbürtigkeit von Sprache und Bild an. Diesem neuen Medium wandte sich L. in seiner zweiten Schaffensperiode besonders zu. Er schrieb mehrere Drehbücher und achtete auf deren genaue Verfilmung. Außer den Filmen entstanden in den 30er Jahren zwei seiner wichtigsten Dramen: „Der Hakim weiß es“ (1936), eine der wenigen deutschen Komödien jener Zeit, und „Bernhard von Weimar“ (1930). Die Bevorzugung von national-historischen Stoffen zur Darstellung von Zeitfragen weist bereits auf L.s dritte Schaffensperiode hin. Hatte er auf den 1. Weltkrieg nach anfänglicher Begeisterung mit den Gedichten „Wir Sturm und Klage“ (1916) unmittelbar reagiert, so vergegenwärtigte er jetzt seine nationalistischen Vorstellungen in Annäherung an die klassische Dramenform mit Themen aus der Geschichte („Herkus Monte und der Ritter Hirzhals“, 1937, ein Drama um den Untergang der Preußen, „Der vergebliche Kaiser“, 1940, ein Werk über Maria Theresia, „Caesar und Cicero“, 1947). Die letzten Werke L.s, das Drama „Hiob“ (1948/49) und die Gedichte „Schauen, Schaffen, Sinnen“ (1950), stehen bewußt abseits von literarischen Strömungen. L. suchte nun seine weltanschaulich-politischen Ideen mit humanistischen, ethischen und religiösen Wertvorstellungen zu verbinden und aus dem Abstand vom Tagesgeschehen zur Deutung aktueller Probleme beizutragen.

  • Werke

    Weitere W Ges. Werke, 6 Bde., 1952 f.;
    Ausgew. Bühnendichtungen, 1963 (mit e. Nachwort v. G. Goebel, P). - Filmdrehbücher: Das Leben f. d. Staat, 1936;
    Eine kleine Nachtmusik, 1939;
    Preuß. Liebesgesch., 1939;
    Bismarck, 1940. -
    Der Weg z. expressiven Schauspielkunst, in: Das junge Dtld. 1/3, 1918, S. 75-78;
    G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgaben dt. Dichtung, 1967. Nachlaß: Gütersloh, Fam.bes.

  • Literatur

    F. Engel, R. L. u. seine besten Bühnenwerke, 1922;
    M. R. Möbius, Der dramat. Begriff, Elemente d. Dramatik, in: Die Neue Lit. 39, 1938 (mit Ahnentafel u. W-Verz. v. E. Metelmann);
    P. Fechter, Menschen auf meinen Wegen, Begegnungen gestern u. heute, 1955, S. 181-207;
    ders., Das europ. Drama III, 1958, S. 160-68;
    F. Thiess, Verbrannte Erde, 1963, S. 520 f. u. 535;
    ders., Freiheit bis Mitternacht, 1965, S. 23 f. u. ö.;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. dt. Lit., 1972, II, 2, S. 399;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936–70.

  • Portraits

    Lith. v. E. Thum, ca. 1915, Originale verschollen;
    Phot., 1938 u. 1952, im Nachlaß.

  • Autor/in

    Gisela Henze-Fliedner
  • Empfohlene Zitierweise

    Henze-Fliedner, Gisela, "Lauckner, Rolf" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 698-699 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116753099.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA