Lebensdaten
1819 bis 1896
Geburtsort
Hamburg
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116724994 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langko, Diedrich
  • Langko, Dietrich
  • Langko, Diedrich

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Langko, Dietrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116724994.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Johann (1780–1860), Quartiersmann, S d. Quartiersmanns Hans Cord u. d. Margaretha Hedwig Kannberg;
    M Anna Cath. Friederike (1790–1862), T d. Quartiersmanns Joh. Diederich Burichter in H. u. d. Magdalena Ilsabe Lührs.

  • Leben

    L. wurde zunächst in Hamburg zum Dekorationsmaler ausgebildet. Schon frühzeitig interessierte er sich für die Landschaftsmalerei. Da er jedoch aus armen Verhältnissen stammte, konnte er sich den Unterricht bei dem Landschaftsmaler Jakob Gensler nur an Sonntagen leisten. Im Sommer 1840 ging er mit seinem Freund, dem Landschaftsmaler Wilhelm Lichtenheld (1817–91) nach München. Hier schloß er sich dem Kreis der Hamburger Künstler um Christian Morgenstern sowie dem Kreis um Carl Spitzweg und Eduard Schleichd. Ä. an, beides Gruppen, denen es um die „realistische“ Freilichtmalerei ging. Bis in die 50er Jahre waren L.s Bilder jedoch von dem zwischen „idealistischer“ und „realistischer“ Malerei schwankenden Landschaftsstil Albert Zimmermanns geprägt, in dessen „Sommerschule“ in Eberfing er zeitweise Unterrricht nahm. Entscheidend für seine malerische Entwicklung wurden Studien in der Pommersfeldener Galerie, wohin er seit 1850 wiederholt mit Schleich und Spitzweg kam. 1860 besuchte er Hamburg.

    L.s Bildmotive entstammen der Münchner Hochebene und der norddeutschen Flachlandschaft. In den 60er Jahren malte er wie Lichtenheld Mondscheinbilder sowie weite flache Landschaften, in denen sich das Abendlicht eines mehr als die Hälfte des Bildes einnehmenden Himmels in Seen oder Tümpeln spiegelt, eine Thematik, die in München vor allem Anton Zwengauer immer wieder variierte. Während solche Bilder noch weitgehend der Tradition verhaftet waren, sind die vorwiegend in Grüntönen gehaltenen Landschaften seiner Spätzeit in sehr selbständiger, pastoser Art gemalt. Schon Uhde-Bernays wies 1921 auf eine Verwandtschaft mit der Malerei des Franzosen Théodore Rousseau hin. Über eine persönliche Beziehung L.s zur Schule von Barbizon ist bis jetzt jedoch nichts bekannt. Als Vermittler muß Eduard Schleichd. Ä. angesehen werden. L. malte 1895 eine „Aussicht vom Schloßberg in Dachau“, die sich eng an ein thematisch gleiches Bild von Schleich aus den 60er Jahren anschloß (beide München, Neue Pinakothek). Die von Schleich 1869 organisierte Internationale Kunstausstellung im Münchner Glaspalast, die die franz. Malerei einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte, gab vermutlich für L. den entscheidenden Anstoß für eine Auseinandersetzung mit der „intimen Malerei“ der Franzosen, worauf datierte Bilder seit den 70er Jahren hinweisen. In C. Ebert, mit dem er 1870 eine Studienreise nach Holland unternahm, fand er einen weiteren Anhänger dieser Malerei. Im Gegensatz auch zu Schleich hat sich L. in seinen Bildern ganz von der Kompositionsweise und Farbigkeit der Niederländer des 17. Jh. befreit, die neben der Schule von Barbizon für die deutsche Landschaftsmalerei der 2. Jahrhunderthälfte anregend waren. In seinen späten Bildern mit ihren erdnahen „intimen“ Landschaftsausschnitten, in denen die Vegetation kaum|noch einen Blick auf den Himmel freigibt, findet die Materialität der Natur ihr subjektives Äquivalent in der Materialität der dick aufgetragenen, sich überlagernden Farben.

  • Werke

    See im Königsdorfer Moor in Oberbayern, 1862 (Hamburg, Kunsthalle);
    Abendlandschaft, vermutl. 1860er J. (München, Kunsthandel);
    Mühle am Wasser, 1872 (München, Neue Pinakothek);
    Waldlandschaft (ebd.);
    Blick v. Dachau auf d. Gebirge, 1895 (ebd.);
    Mühle im Walde (Kaiserslautern, Pfalzgal.).

  • Literatur

    ADB 51;
    Nekr. in: Rechenschaftsber. d. Münchner Kunstver. f. d. J. 1896, S. 77 f.;
    H. Uhde-Bernays, Münchner Landschafter d. 19. Jh., 1921, S. 82-87 (mit Abb.);
    H. Ludwig, Münchner Malerei im 19. Jh., 1978, S. 32, 94, Abb. 109;
    Kat. Ausst. Die Münchner Schule 1850-1914, München, 1979, S. 269 f. (mit Abb.);
    ThB.

  • Portraits

    Anonyme Federzeichnung (München, Stadtmus.).

  • Autor/in

    Barbara Eschenburg
  • Empfohlene Zitierweise

    Eschenburg, Barbara, "Langko, Dietrich" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 606 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116724994.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langko: Diedrich L., Landschaftsmaler, geboren am 1. Juni 1819 zu Hamburg, am 8. November 1896 in München, mußte trotz seiner großen Neigung zur Kunst vorerst bei einem Stuben- und Decorationsmaler in die Lehre und als Geselle sein Brot verdienen. Doch zeichnete er in den Freistunden nach Radirungen niederländischer Meister, nach Waterlov, Swaneveld u. A., bis er nach fünfjährigen Mühen durch die Brüder Jakob (1808, 1845) und Martin Gensler (1811, 1881), welche außer dem Genrebild sich auch mit der Landschaft beschäftigten, den ersten Unterricht im Malen erhielt. Beide hatten auch schon Süddeutschland bereist und wußten ihm von da und der Stadt an der Isar vieles zu erzählen. Vorerst mußte sich L. freilich mit den Marschgegenden Hannovers begnügen, die ihm zu seinen ersten Bildern die Motive boten und auch später noch ernstlich beschäftigten. Erst im Sommer gelang es ihm nach dem vielberühmten München zu kommen, wo eine gute Zahl seiner Landsleute, wie Karl Marr, Konrad Hoff, Lichtenheld, Bernhard Stange u. U. schon in voller Thätigkeit waren und nach dem Vorgange von Albert Zimmermann und dessen Brüdern, mit Rottmann, Eduard Schleich um die Wette im eifrigsten Schaffen sich bewährten. L., angefeuert von diesen Genossen, förderte sich rasch, so daß schon 1842 eine Landschaft im Kunstverein angekauft wurde. Der Uebergang war ihm nicht leicht geworden, es gab noch schwere Kämpfe und Entbehrungen aller Art: aber Ausdauer, Fleiß und Begeisterung, das aneifernde Vorbild so vieler Gleichstrebenden, voraus die unerschöpfliche Schönheit des Landes: das alles wirkte trotz der unglaublichen Armuth mächtig zusammen auf diese fröhliche Jugend, die im künstlerischen ehrgeizigen Schaffen die höchste Befriedigung fand. Die oberbairische Hochebene mit ihren wechselnden Beleuchtungen und überraschenden Lichteffecten, die herrlichen Buchen- und Eichenwälder an den Geländen der Würm und des Starnbergersee, noch mehr der Ausblick von dem schön gelegenen Polling und Eberfing, wo sich die jugendliche Malercolonie niedergelassen hatte (deren Geschichte immer noch ungeschrieben ist, während die „Worpsweder“ und „Dachauer“ schon eingehende Monographien gefunden haben), fesselten ihn ebenso mächtig, wie die Erinnerungen an die heimathliche Elbe, die in seinen Bildern immer wieder neue Bearbeitung fanden. Der ganze Edelsinn seines Charakters spricht aus Langko's großartig concipirten, ebenmäßig durchgedichteten Schöpfungen, mochten es Wasserflächen sein, in welchen sich der Mond spiegelt oder von der Sonne durchleuchtete Waldpartien, auch die weiten Vorebenen mit den fernen Bergen: immer klingt daraus die gleiche, ernste Ruhe, süße Melancholie und großartige Auffassung der Natur, wie in Eichendorff's Liedern. Im steten Wechsel zwischen Süd und Nord liebte L., ebenso wie E. Schleich, die Wirkung des von Wolkenschichten gebrochenen Sonnenlichts in allen möglichen Varianten darzustellen. Aehnliche Motive fanden sich überall, ebenso am lieblichen Chiemsee, wie an den trüben Moorflächen bei Königsdorf. In seiner Weise ein wahrer Poet entdeckte L. in den Isarauen, im „Englischen Garten“ und an der Thalkirchner Landstraße den verklärenden Zauber von Farben und Linien. Zur Abwechslung|malte L. auch Schneelandschaften, so einen „Wintermorgen“ (1852), eine „Waldpartie im Winter“ (1853) u. dgl. Die neuere, coloristische Richtung übte nach E. Schleich's Beispiel auf L. bedeutenden Einfluß, ohne indessen im Charakter seiner Dichtungen und in der Feinheit der Stimmung etwas zu ändern, auch wurde sein Vortrag freier und breiter. Um sich vor Einseitigkeit und Manier zu schützen, zugleich aber aus allen fortschreitenden Erfahrungen Nutzen zu ziehen und sich zu jungen, besuchte L. gerne die auswärtigen Expositionen in Paris, Brüssel und Antwerpen, wo seine Bilder längst schon ein ehrendes Gastrecht gefunden hatten. In München betheiligte er sich an allen Fragen, Controversen und Anliegen der Kunstgenossenschaft, opferte auch bereitwillig seine gute Zeit bei undankbaren Hängecommissionen und breitgezogenen Sitzungen, entzog sich keinem wahren Freunde der Kunst, der neue Einsicht brachte oder Belehrung wünschte. Die charakteristische Eigenthümlichkeit seiner Kunst besteht, wie A. Rosenberg bemerkt „in einer feinen, stimmungsvollen Beleuchtung von gebrochenem Sonnenlicht, Abendroth oder Mondschein“. Zu seinen Meisterleistungen gehört eine „Mondnacht an der Elbe“ und „An der Maas bei Dortrecht“, eine Canal-Ansicht von Schleißheim, „Sonnenuntergang im Moorland“, eine Abendlandschaft aus dem altbairischen Haspelmoor, darunter auch zwei Bilder in der Neuen Pinakothek: „Partie bei München“ und ein „Waldende“. — Sein klarer Charakter und das neidlose Anerkennen wahrer Verdienste gewannen dem edlen, einfachen Mann ebenso viele aufrichtige Freunde und Verehrer wie seine adäquate Kunst. Den schönen Lebensabend des immer thätigen Künstlers trübte eine Verdüsterung des Augenlichts, welches er durch eine glückliche Operation wieder erhielt. Dann zog er sich, tactvoll wie immer, mit eigenen Schöpfungen aus der Oeffentlichkeit zurück und endete nach kurzer Krankheit. Den ganzen Erwerb seines Lebens stiftete er zur Münchener Künstlergenossenschaft. Ein Theil seiner Studien, Skizzen, Zeichnungen und Bilder wurde im Januar 1898 im Münchener Kunstverein ausgeboten, am ersten Tage schon war alles ausverkauft und in feste Hand gebracht.

    • Literatur

      Vgl. A. Rosenberg, Die Münchener Malerschule, 1887, S. 75; dagegen fehlt der Name in Rosenberg, Gesch. d. modernen Kunst, 1889, und auch in der zweiten Auflage (1894) dieses sonst so vortrefflichen Werkes. — Fr. von Bötticher, 1895. I, 809 ff. —
      Singer, 1896. II, 443 (8 Zeilen!) —
      Nekrolog in Nr. 311 d. Allg. Ztg. v. 10. Nov. 1896. —
      Kunstvereinsbericht f. 1896, S. 77 ff. — Bettelheim, Jahrbuch 1897. I, 53.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Langko, Dietrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 589-590 unter Langko, Diedrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116724994.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA