• Genealogie

    V Franz, Gutsbes.;
    M Johanna Klar; ledig.

  • Leben

    Nach dem naturwissenschaftlichen Studium in Berlin (1824/25 unter H. Lichtenstein) und anschließend in Breslau (Promotion 1830 mit dem Thema „De avibus ab Aristotele commemoratis“) ging G. hier in den Schuldienst. 1843 verzog er nach Berlin und lebte ohne festes Einkommen zum Teil von geringen Zuwendungen durch das Zoologische Museum. Literarisch ertragreich waren schon die Breslauer Anfangsjahre, als er 1825 und 1826 die Vögel des Riesengebirges erforschte. Hier gelang ihm der erste Sommernachweis von Anthus spinoletta, Turdus torquatus und Eudromias morinellus. Bisweilen unklare Formulierungen und zweifelhafte Nachrichten des jungen Forschers schadeten seiner sonstigen Glaubwürdigkeit nicht. Eine „Wirbeltierfauna von Schlesien“ (1833) und der mit Unterstützung H. Lichtensteins zustandegekommene 1. Teil (Landvögel) eines „Vollständigen Handbuches der Naturgeschichte der Vögel Europas“ (1834) fanden Beifall. Von G.s weiterer Entwicklung wurde viel erwartet, zumal er sich mit wegweisenden, seinen Zeitgenossen noch fremden Gedanken hervorwagte. Aus Neigung zu theoretischen Erwägungen und zur Aufstellung allgemein gültiger Thesen behandelte er unter anderem Fragen der Zweckmäßigkeit im Tierleben, ohne jedoch zu voller Klarheit vorzudringen. Auch griff er Vorstellungen von P. S. Pallas auf über das Wesen der Arten und ihrer Rassen und bekannte sich zum Bestehen geographischer Abänderungen, die er sich als klimatische Modifikation und individuellen Vorgang dachte. Er sah hier für die Systematik wesentliche Tatsachen richtig, blieb aber aus Mangel an überzeugenden Belegen den Beweis für seine Hypothesen schuldig. G.s Schicksal, als Vorläufer in Ansätzen steckenzubleiben, zeigen nicht weniger die Berliner Jahre. Mitarbeit und Hilfe in der Schriftleitung am „Journal für Ornithologie“ füllten ihn offenbar nicht aus. Sich verzettelnd, setzte er sich für die Reform des staatlich gehandhabten spärlichen Vogelschutzes ein. In Fach- und Tageszeitungen und Broschüren erscheinende, von wirtschaftlichen Gesichtspunkten gelenkte und daher widerspruchsvoll und unfruchtbar bleibende Forderungen aus seiner Feder bildeten zwar lange volkstümlichen Lesestoff, erfuhren dagegen von sachkundiger, vor allem forstlicher Seite scharfe Ablehnung. Ein vom Preußischen Landwirtschafts-Ministerium gewährtes dreijähriges Stipendium zur Ausarbeitung eines Schutzgesetzes zeitigte zudem kein greifbares Ergebnis. Es ist daher Überschätzung, G. als einen der ersten Schrittmacher auf dem Wege zur heutigen Form der Schutzmaßnahmen zu preisen. Ein günstigeres Urteil erheischt G.s Wirksamkeit im Lichte der rein ornithologischen Forschung. Im klassischen Zeitalter der Naturbeschreibung stand er in durchaus positiver Verbindung mit J. F. Naumann und lieferte für dessen „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ seit 1824 reichliches Material. Gegen Ch. L. Brehms Artenspaltung zog er jedoch in richtiger Einsicht seit 1827 in der „Isis“ zu Felde und gehörte zu dessen heftigsten Widersachern. – Mitglied der Leopoldina (1830).

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Weißbindigen Kreuzschnabel, Loxia taenioptera als eigene Art, in: Isis 20, 1827, S. 411-21;
    Über d. auf d. Hochgebirge d. Sudeten lebenden Säugethiere u. während d. Sommers daselbst vorkommenden|Vögel …, ebd., S. 566-609;
    Zur Synonymie d. seltenen Dt. Walddrosseln, ebd. 21, 1828, S. 1037-46;
    Einige Erfahrungen üb. d. Variieren d. Vögel, ebd. 22, 1829;
    Über d. Farben d. Eier d. Vögel, Ein teleolog. Versuch, in: Verhh. d. Ges. Naturforsch. Freunde in Berlin 1, 1829, S. 332-47;
    Das Abändern d. Vögel durch Einfluß d. Klimas, 1833.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. Michelsen, in: Hamms Agronom. Ztg., 1863, Nr. 37;
    ders., in: Aus d. Heimat, 1864, S. 177-82, 193-200;
    E. Uhlenhuth, in: Landwirtsch. Intelligenzbl., 1864, Nr. 3;
    P. Kollibay, Die Vögel d. Preuß. Prov. Schlesien, 1906, bes. S. 8-10 (P);
    E. Stresemann, Die Entwicklung d. Ornithol., 1951;
    P. Thomsen u. ders., J. F. Naumann, d. Altmeister d. dt. Vogelkde., 1957;
    CSP.

  • Autor/in

    Ludwig Gebhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Gebhardt, Ludwig, "Gloger, Constantin" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 463 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116666978.html#ndbcontent

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  • Leben

    Gloger: Constantin Wilhelm Lambert G., sorgfältiger Beobachter und Schriftsteller auf dem Gebiet der Zoologie, geb. in Kasischka in Oberschlesien, auf dem Gut seines Vaters, starb in Berlin 1859. Vorgebildet durch Privatunterricht und dann durch das Gymnasium in dem unfern gelegenen Neisse, bezog G. 1821 mit einem Zeugniß ersten Grades entlassen, die Universitäten Breslau und Berlin, um unter Gravenhorst's, Otto's, Steffens', Lichtenstein's Leitung Naturwissenschaften und vorzugsweise Zoologie zu studiren, ohne seine Neigung für die alten Sprachen ganz zurück zu drängen. Er verlebte die größere Hälfte seiner Jahre in Breslau, wo er dann auch den anregenden Umgang von Nees von Esenbeck genoß, und wol durch ihn und Steffens der naturphilosophischen Richtung zugewendet wurde, die in einer beabsichtigten, aber nicht ausgeführten Systematik des Thierreichs zu voller Geltung kommen sollte. In Uebereinstimmung mit seiner Vorliebe für die Jagd und die Beobachtung der Säugethiere und Vögel in der freien Natur, die ihn schon auf dem Gymnasium in seinen Freistunden beschäftigten, legte er sich ganz auf das Studium dieser beiden Thierclassen, erwarb sich 1830 durch seine Dissertation „De avibus ab Aristotele commemoratis“ in Breslau den Doctorgrad, lernte gründlich die Naturverhältnisse des Riesengebirges wie der übrigen Provinz kennen, legte seine Wahrnehmungen über die Lebensweise und Verbreitung der betreffenden Thiere namentlich in den obersten Regionen des Gebirges in mehreren theils in der Isis und Froriep's Notizen, theils in den Acta Leopoldina veröffentlichten Abhandlungen nieder, und faßte dann die ganze schlesische Wirbelthierfauna in einem von sehr schätzbaren Bemerkungen begleiteten Verzeichniß zusammen. Hiedurch hat sich G. ein dauerndes Verdienst um die Thierkunde dieser Provinz erworben. Dabei blieb aber G. nicht stehen: er dehnte seine Studien auch über die gesammte europäische Vogelfauna aus, wobei ihm die mit größter Liberalität gewährte Benutzung des Berliner Museums die wesentlichsten Dienste leistete, doch ist von diesem „Handbuch der Naturgeschichte der Vögel Europa's“, welches mit großem Beifall aufgenommen wurde, leider nur der erste, die Landvögel enthaltende Theil erschienen. Als entschiedener Gegner der Auflösung allgemein angenommener Arten in eine Anzahl neuer, wie sie Brehm eingeführt wissen|wollte, suchte G. die Abänderungen im Größenverhältniß einzelner Theile und Färbung, durch welche jener sich dazu berechtigt glaubte, aus climatischen und localen oder anderen Einflüssen zu erklären; genaueste Beobachtung der Lebensweise und eingehendste Studien der geographischen Verbreitung der Vögel waren für G. die Hauptaufgabe. Doch fand er, was zu bedauern ist, keinen seinen Neigungen entsprechenden dauernden Wirkungskreis. Eine Zeit lang hatte er die Stelle eines Collaborators am Mathias-Gymnasium in Breslau inne, aber auch diese gab er auf und zog sich, nachdem er 1842 noch von einem „gemeinnützigen Hand- und Hülfsbuch der Naturgeschichte“ den ersten Band herausgegeben, als Privatmann nach Berlin zurück, wo er gegen ein Jahrgeld für das Berliner Museum schlesische Naturproducte herbeischaffte, vermuthlich auch in diesen Sammlungen hülfreich arbeitete. Aus dieser letzten Lebensperiode stammen die beiden kleinen Abhandlungen über den Vogelschutz und den Schutz nützlicher Thiere, deren wiederholte Auflagen den Beweis liefern, daß sie ein durchaus zeitgemäßes Bedürfniß befriedigten.

    • Literatur

      Vgl. Hoffmann's Monatschrift von und für Schlesien 2. Bd. S. 610 und Nowack, Schles. Schriftstellerlexikon 4. Heft.

  • Autor/in

    Grube.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grube, Eduard, "Gloger, Constantin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 240-241 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116666978.html#adbcontent

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