Lebensdaten
1771 bis 1831
Geburtsort
Jena
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Radierer ; Kunstschriftsteller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116665505 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roux, Jacob Wilhelm Christian
  • Roux, Jacob
  • Roux, Jacob Wilhelm Christian

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Roux, Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116665505.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus hugenott. Fam.;
    V Heinrich Friedrich (1728–91), franz. Sprach- u. Fechtmeister an d. Univ. J., S d. François (1674–1750, 1] Clara Maria Paulßen, 1689–1727. Gr-Tante-m d. Georg Melchior Kraus, 1737–1806, Maler u. Zeichner in Weimar, s. NDB XII), aus Grenoble. Fechtmeister u. franz. Sprachmeister an d. Univ. J., 1711 sachsen-weimar. Sekr., Vf. d. ersten dt.-franz. Wb.Dict. François-Allemand/Allemand-François“, 1744, 181810 (s. L), u. d. Eleonora Christina Andreae ( 1752), aus Rudolstadt;
    M Johanna Magdalena (1741–1821), T d. Johann Friedrich Bittermann, Schuhmacherhandwerksobermeister aus J., u. d. Johanna Maria Sonneschmidt;
    Ur-Gv Louis, kgl. Advokat in Grenoble;
    7 B u. a. Johann Adolph Karl (1766–1838), Fechtmeister an d. Univ. Erlangen, Vf. zahlr. Werke z. Fechtkunst, Johann Wilhelm (1777–1846), hzgl. Hoffechtmeister in J. u. Gotha, später Gymn.prof. f. Math. in Meiningen;
    2 Schw;
    1) Jena 1801 Pauline Johanna Georgia (1772–1823), T d. Ernst Wilhelm Emmanuel Heyligenstädt (1739–88), Landschaftskassierer in J., u. d. Henriette Wilhelmina Krause; Schwägerin Sybilla Christina Krause ( Johann Anselm Feuerbach, V d. Johann Paul Anselm Feuerbach, 1775–1833, Jurist, s. NDB V, u. d. Anselm, 1798–1851. Archäol.), 2) Heidelberg 1825 Charlotte Mariana Wilhelmina (1793–1862), T d. Eberhard Ludwig Wippermann, ghzgl. bad. Stallmeister aus H., u. d. Mariana Susanna Sandherr;
    1 S aus 1), 2 T aus 1), 2 S aus 2), u. a. Carl (1826–94, Alice, 1865, T d. Ludwig Kachel, 1791–1878, Graveur, Münzrat in Karlsruhe, GHR, s. NDB X), Maler, Gal.dir. in Mannheim (s. ADB 53; Bad. Biogrr. V), 1 T aus 2);
    N Johann Friedrich Wilhelm Theodor (1806–80), Maler, Pionier d. Photogr. in Kassel, Wilhelm (1817–97), Fechtmeister an d. Univ. J.;
    Gr-N Wilhelm (s. 2).

  • Leben

    Als Student der Mathematik 1791 an der Univ. Jena immatrikuliert, studierte R. neben naturwissenschaftlichen Fächern Anatomie und erhielt ersten Zeichenunterricht bei Christian Immanuel Gotthilf Oehme (1759–1832). Zwischen 1797 und 1803 fertigte er einen Großteil der Vorlagen für Justus Christian Loders (1753–1832) „Tabulae anatomicae“, die seine Reputation als einem der führenden anatomischen Zeichner der Zeit begründeten und ihm die nähere Bekanntschaft mit Goethe und Friedrich Justin Bertuch (1747–1822) eintrugen. Nach Studienaufenthalten in Dresden (1798, 1800, 1801, 1802 sowie 1807) und Unterweisungen durch den Landschaftsmaler Johann Christian Klengel (1751–1824) avancierte er in Jena und Weimar zum meistbeschäftigten Porträtisten und Landschaftsradierer. 1806 zum Dr. phil. promoviert, erhielt R. 1813 eine feste Anstellung als Zeichenlehrer an der dortigen Universität und unternahm im seihen Jahr über Nürnberg und München eine mehrmonatige Schweizreise. Während eines einjährigen Aufenthalts in Heidelberg (1816/17) bot sich ihm Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit der Boisseréeschen Gemäldesammlung und zu Begegnungen mit Hegel und Johann Heinrich Voß (1751–1826). Eine Rheinreise bis Bonn fand ihren künstlerischen Niederschlag im radierten Zyklus „Malerische Ansichten des Rheins“ (1820), der zu den Hauptwerken der Rheinromantik zu rechnen ist. Wieder nach Jena zurückgekehrt, versicherte sich Goethe 1817 R.s künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeit bei seinen entoptischen Farbenversuchen, vermittelte ihm 1818 eine Stelle als Zeichenlehrer der Prinzessinnen Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach und plante, ihn mit der Direktion einer neu zu gründenden Zeichenschule in Jena zu betrauen. R. trat indes eine eigens für ihn eingerichtete ao. Professur für anatomische Zeichenkunst an der Univ. Heidelberg an, wo sich ihm ein weites Betätigungsfeld als Wissenschaftsillustrator, Porträtist und Publizist eröffnete. Bestärkt durch Zusammentreffen mit Sir Humphry Davy (1778–1829) und Jöns Jacob Berzelius (1779–1848), entwickelte er ein wachshaltiges Bindemittel für eine weitgehend alterungsresistente Malerei (Die Farben, H. 1, 1824. H. 2, 1828), die er in der Schrift des Pharmazeuten Philip Lorenz Geiger (1785–1836) „Chemische Untersuchung|Alt-Aegypt. und Alt-Röm. Farben“ (1826) historisch zu fundieren suchte. Zuletzt galt seine Aufmerksamkeit wieder Fragen der physikalischen Farbenlehre, die er in Anlehnung an Goethe und in deutlicher Opposition zu Newton formulierte (Die Farben, H. 3, 1829).

    R.s kunsthistorische Bedeutung gründet auf der interdisziplinären Ausrichtung seines Lebenswerks, das sich erst unter wissenschaftshistorischer Perspektive hinreichend erschließt. Unter seinen Schülern gewann die Malerin Louise Seidler (1786–1866) die größte Bekanntheit.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. im Ver. f. Künstler u. Kunstfreunde Nürnberg (1817).

  • Werke

    Weitere W Malerische Ansichten aus d. Gegend d. Univ.-Stadt Jena, 1806;
    Ill. zu:
    J. B. Siebold, Historia systematis salivalis, 1797;
    A. J. G. C. Batsch, Der geöffnete Blumengarten, 1796-98;
    F. Tiedemann, Icones cerebri simiarum, 1821;
    ders., Tabulae arteriarum corporis humani, 1822-24;
    ders., Tabulae nervorum uteri. 1822;
    Porträts:
    Johann Paul Anselm Feuerbach, um 1800;
    Christoph Martin Wieland, 1803;
    Caroline Jagemann, 1803;
    Maria Henriette Caroline Herder, um 1805;
    Maria Pawlowna u. Carl Friedrich v. Sachsen-Weimar-Eisenach, 1808;
    Lorenz Oken, um 1815;
    Maria u. Augusta v. Sachsen-Weimar-Eisenach, 1818;
    Anton Friedrich Justus Thibaut, 1820;
    Leopold Gmelin, 1822;
    Friedrich Creuzer, um 1822;
    Amalie u. Anselm Feuerbach, 1824;
    Sigismund v. Reitzenstein, um 1825;
    Johann Heinrich u. Ernestine Voß, 1826;
    W-Verz.:
    Heinstein, Idylle (s. L).

  • Literatur

    ADB 29;
    Goethe, Die Schrr. z. Naturwiss. (Leopoldina Ausg.), Bd. 5 A, Zur Farbenlehre, bearb. v. H. Ziche, 1995, S. 153-56;
    P. Heinstein. J. W. C. R., Rezeptionsgesch., Beziehungen z. Kreis d. Weimarer Klassik, in: B. Hellmann: „Wie zwey Enden e. gr. Stadt“, 1999, S. 63-96 u. 162-64;
    ders., Hic gaudet mors …, Der wiss. Blick im Werk d. Künstlers J. W. C. R., in: C. L. Fuchs u. S. Himmelheher, Biedermeier in Heidelberg, 1999, S. 89-103;
    ders., Idylle, Abbild u. Sektion. J. W. C. R., W-Verz., Diss. Weimar (in Vorbereitung);
    A. Pohlmann, Widersprüche im Material, Licht u. Stoff b. Goethe, Runge u. R., in: Licht u. Dunkel, 2001, S. 32-37;
    S. Kaufmann (Bearb.), Goethes Malerin, Die Erinnerungen d. Louise Seidler, 2003, S. 36, 324, 428;
    K. Regenspurger u. P. Heinstein. Justus Christian Loders Tabulae anatomicae, in: Med. hist. Journal, 38, 2003, S. 245-84;
    ThB;
    Pogg. II;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. II;
    G. v. Wilpert, Goethe-Lex., 1998, S. 909;
    T. Brachert, Lex. hist. Maltechniken, 2001;
    zu François:
    NDB XII*;
    K. Schröder, Biogr. u. bibliogr. Lex. d. Fremdsprachenlehrer IV, 1995.

  • Portraits

    Selbstporträt im Kreis d. Fam., 1803, Bleistiftzeichnung, Stammbuchbl. (Privatbes.).

  • Autor/in

    Patrick Heinstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinstein, Patrick, "Roux, Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 148-149 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116665505.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Roux: Jacob Wilhelm Christian R., Maler, der Enkel des Verfassers des ersten französisch-deutschen Wörterbuches, des Emigranten François R., ist 1775 zu Jena geboren, wo er sich schon früh dem Studium der Kunst widmete, soweit die kleinen Verhältnisse seiner Vaterstadt dies zuließen. Mühsam errang er sich durch Porträtzeichnen die Mittel, seine Studien in Dresden fortzusetzen, wo sich der treffliche Landschaftsmaler Klengel seiner annahm und ihn besonders im Radiren unterrichtete. Aufträge, welche er für den Hof in Weimar ausführte, brachten R. auch mit Goethe in Berührung, dem er bei den Studien zur Farbenlehre sich behülflich zeigte. Von Goethe wurde er dem Großherzog Karl von Baden empfohlen, der ihn mit der Absicht in sein Land berief, unter seiner Leitung eine Kunstschule zu errichten. Der während der Verhandlungen 1818 eingetretene Tod dieses Fürsten ließ den Plan nicht zur Ausführung gelangen. R. erhielt nun eine Stelle mit dem Titel Doctor und Professor an der Universität Heidelberg, wo er die studirende Jugend in der Kunst unterrichtete. Aus jener Zeit stammt eine große Anzahl meist in Pastell gemalter Porträts, darunter auch eines des ihm befreundeten Joh. Heinrich Voß; ebenso Landschaftsbilder aus der malerischen Umgebung Heidelbergs. Besonders hervorzuheben sind sodann seine Zeichnungen zu Tiedemann's Werk über die Pulsadern, die damals unerreicht dastanden; überhaupt beschäftigten ihn damals vielfach anatomische Zeichnungen.

    Ueber dieser reichen Thätigkeit vertiefte sich R. in Studien über die Technik der Malerei der Alten und veröffentlichte mehrere Hefte darüber, welche Zeugniß von dem großen Verständniß ablegen, womit er diesen Gegenstand erfaßte. Die auch von Goethe anerkennend besprochenen Abhandlungen sind: „Die Farben. Ein Versuch über Technik alter und neuer Malerei v. Jac. Roux.“ Heidelberg 1824; dess. „Beitrag zur Vervollkommnung der Technik in mehreren Zweigen der Malerei“, Heft 2, Hdlbg. 1828, und dess. „Entdeckungen aus dem Gebiete der physikalischen Farbenlehre“, Heft 3, Heidelb. 1829. Die praktischen|Versuche der Herstellung einer Technik, bei welcher Wachs als Bindemittel an Stelle des Oels tritt, nahmen Roux's letzte Lebensjahre mehr als alles Andere in Anspruch und schienen gerade zum gewünschten Resultate zu führen, als ihn 1831 ein rascher Tod ereilte, ohne daß sichere Aufzeichnungen von seiner Hand oder hinterlassene Materialien die nöthige Klarheit gegeben hätten, um später die Fortsetzung dieser Studien zu ermöglichen. Dies neue Verfahren, welches den Farben eine intensivere und dabei doch zartere Leuchtkraft und größere Dauerhaftigkeit und Unveränderlichkeit geben sollte (Nagler macht hierfür besonders sieben Gemälde Roux's, Köpfe nach Tizian, ein Porträt des Kirchenrath Paulus und eine „Magdalene im Walde“ namhaft), ist nachmals von Kniriem und Fernbach als enkaustische Wachsmalerei wieder aufgenommen worden und hat sich in den berühmten großen Gemäldecyclen von K. Rottmann's Bildern aus Griechenland (in der neuen Pinakothek zu München) und Fr. Preller's Odysseelandschaften (im Museum zu Weimar) als ganz vorzügliche Technik bewährt.

    Unter Roux's Bildnissen, deren viele noch im Besitze von Familien in Heidelberg sind, ragt eines hervor, ein reizendes Kinderköpfchen in Pastell, die damals siebenjährige Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, jetzige Kaiserin von Deutschland, wovon das Original sich im Schlosse zu Potsdam und eine Copie seiner Hand im Besitze der Großherzogin Luise von Baden befindet. Von ihm radirte Blätter, meist Landschaften, macht Nagler 123 namhaft. J. R. ist der Vater des Thier- und Landschaftsmalers Karl R., z. Z. Directors der groß-herzoglichen Gemäldegalerie in Mannheim.

    • Literatur

      Quellen: Goethe's Werke, gr. 80 Ausg. in 6 Bdn., IV, 793; V, 467; VI. 227. — Dess. Kunst und Alterthum VI, 2. Heft, 1828, S. 402 f. —
      Nagler's allgem. Künstlerlexicon XIII, 496—500. —
      Prof. A. Feuerbach, Nekrolog im Kunstblatt 1831. Nr. 69, 70. —
      Tiedemann, Abbildungen über Verlauf der Pulsadern des menschl. Körpers. Karlsruhe 1821, Imp. fol. —
      Malerische Ansichten des Rheins, der Mosel etc. 72 Blätter gez. v. Fries, Kuntz, Rottmann, Roux u. Teller, mit erl. Text. Hdlbg., b. Engelmann. —
      Ansichten von Jena in den Octobertagen 1806. Jena 1809, kl. 40. —
      Malerische Ansichten von Jena mit Text von Prof. Schütz, qu. fol. — Schreiber, Handbuch für Reisende am Rhein. Prachtausgabe in gr. 40.

      K. Roux und Dr.

  • Autor/in

    Nieser.
  • Empfohlene Zitierweise

    Roux, Karl; Rieser, Dr., "Roux, Jacob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 409-410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116665505.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA