Lebensdaten
1838 bis 1877
Geburtsort
Bad Cannstatt
Sterbeort
Bad Cannstatt
Beruf/Funktion
Chirurg ; Professor der Chirurgie in Prag
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116659319 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heine, Karl Wilhelm Ritter von
  • Heine, Karl (bis 1864)
  • Heine, Karl Wilhelm (bis 1864)
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Zitierweise

Heine, Karl Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116659319.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob (s. 2);
    Groß-Ov Joh. Georg (s. 3);
    Ov Bernhard (s. 1); ledig.

  • Leben

    H. studierte in Tübingen und Würzburg Medizin und promovierte 1861 in Tübingen. Es folgten Studienreisen zunächst nach Prag, Wien und Berlin, später nach Paris und England, dessen Chirurgie damals hervorragende Vertreter besaß. Im deutsch-dänischen Krieg von 1864 war er in preußischen Feldspitälern tätig, und aus den Kriegserfahrungen ist auch seine erste bedeutende Arbeit hervorgegangen, in der er unter anderem die Kennzeichnung der Frakturstelle und -form auf dem Gipsverband mit Bleistift oder Tinte vorschlug, ein Verfahren, das sich bis heute bewährt hat. Im Frühjahr 1865 erhielt er eine Assistentenstelle bei Otto Weber an der Chirurgischen Klinik in Heidelberg und konnte sich hier bereits im Herbst habilitieren. Nach Webers frühzeitigem Tod übernahm er die kommissarische Leitung der Klinik, wurde 1868 zum außerordentlichen Professor ernannt und folgte 1869 dem Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Chirurgie an der neugegründeten Universität Innsbruck. Hier hat er eine rege Tätigkeit als Universitätslehrer entfaltet und sich um den Aufbau der Klinik und der Fakultät außerordentliche Verdienste erworben. 1873 wurde er daher mit der Errichtung der 2. Chirurgischen Klinik an der Universität Prag betraut, die er in kurzer Zeit zu einer blühenden Ausbildungsstätte machte. Doch nur 4 Jahre später erkrankte er an einer Diphtherie, deren Nachwirkungen seinem Leben bei einem Besuch in Cannstatt ein frühes Ende setzten. Unter seinen wissenschaftlichen Leistungen sind seine Forschungen über den Hospitalbrand erwähnenswert, den er – damals in der vorbakteriellen Ära – freilich noch mit der Wunddiphtherie in Zusammenhang brachte. Auch der Geschwulstchirurgie galt sein Interesse, und seine Resektionsmethoden bei Kehlkopfkrebs stellten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kehlkopfchirurgie dar. Daneben hat er sich um die operative Behandlung der Pseudarthrosen bemüht. So hat H., gemessen an der kurzen Lebensspanne, die ihm gegeben war, verdienstvollen Anteil an dem Aufschwung der deutschen Chirurgie in jenen Jahrzehnten, und das Ansehen, das er unter seinen Fachkollegen genoß, dürfte am deutlichsten durch die freundschaftliche Verbindung mit Billroth gekennzeichnet sein.

  • Werke

    u. a. Die Schußverletzungen d. unteren Extremitäten, Nach eigenen Erfahrungen im letzten schlesw.-holstein. Feldzuge, in: Archiv f. klin. Chir. 7, 1866, S. 229 ff. (auch als Monogr. ersch.);
    Resection d. Kehlkopfes bei Laryngo-Stenose, ebd. 19, 1876, S. 514-26;
    Über operative Behandlung d. Pseudarthrosen, ebd. 22, 1878, S. 472-95;
    Der Hospitalbrand (Gangraena diphtheritica) Wund-Diphtheritis, in: F. v. Pitha u. Th. Billroth, Hdb. d. allg. u. speciellen Chirurgie I, 2. Abt., 1874, S. 187-385.

  • Literatur

    Th. Billroth, in: Archiv f. klin. Chirurgie 22, 1878, S. 243-52 (W);
    A. Lücke, in: Dt. Zs. f. Chirurgie 9, 1878, S. 376-80 (W);
    E. Küster, Gesch. d. neueren Dt. Chirurgie, in: Neue Dt. Chirurgie 15, 1915, S. 85;
    M. Willkomm-Schneider, in: Archiv f. Gesch. d. Med. 20, 1928, S. 99 f.; s. a. L z. Gesamtart.

  • Portraits

    Marmorbüste (Prag, Univ., Chirurg. Klinik).

  • Literatur

    zum Gesamtart.: ADB XI;
    F. Helfreich, Gesch. d. Chir., in: Th. Puschmann, M. Neuburger u. J. Pagel, Hdb. d. Gesch. d. Med. III, 1905;
    L. Ewer, Gesch. d. Orthopädie, ebd.;
    B. Valentin, Gesch. d. Orthopädie, 1961;
    Callisen 28 (W);
    BLÄ.

  • Autor/in

    Markwart Michler
  • Empfohlene Zitierweise

    Michler, Markwart, "Heine, Karl Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 285 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116659319.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heine: Karl Wilhelm, Ritter von H., Professor der Chirurgie in Prag, war geboren am 26. April 1838 zu Cannstatt am Neckar, wo sein Vater, der Geheime Hofrath Dr. Jacob v. H. (s. diesen), der Neffe Johann Georg's H. (s. diesen) und der Vetter Bernhard's H. (s. diesen) das von ihm begründete berühmte orthopädische Institut leitete. H. gehört also recht einer Orthopäden- und Chirurgenfamilie an. Nachdem H. das Gymnasium in Stuttgart durchgemacht, wendete er sich, noch nicht ganz 18 Jahre alt, dem Berufe des Vaters folgend, dem Studium der Medicin zu, und zwar zuerst 2 Jahre in Tübingen, dann 3 Jahre in Würzburg, und wurde im Sommer 1861 in Tübingen zum Dr. med. promovirt. Er trat darauf eine wissenschaftliche Reise nach größeren Universitäten, wie Prag, Wien und Berlin an, kehrte auf kurze Zeit 1862 nach Stuttgart zurück, um sein Staats-Examen abzulegen, und ging dann wieder für 1½ Jahre auf Reisen in's Ausland, indem er seine Studien bis zum April 1863 zu Paris und dann in London, Edinburg, Glasgow und Dublin fortsetzte, wobei ihm sein großes Talent für fremde Sprachen sehr zu Statten kam. Besonders zogen ihn die großen englischen Chirurgen und Hospitäler an, über die er einige Erfahrungen (1864) veröffentlichte. — Nachdem er kurze Zeit in der Heimath geweilt, bot er in dem Ausgangs des Winters 1864 ausgebrochenen deutsch-dänischen Kriege der preußischen Militär-Medicinal-Verwaltung freiwillig seine Dienste an und gelang es ihm, mit der Leitung einer Abtheilung in den preußischen Feldspitälern zu Flensburg und später, nach dem Uebergange nach Alsen, auch anderer Spitäler im Sundewitt, in unmittelbarer Nähe des Kampfplatzes, betraut zu werden. Eine Frucht der im Kriege gemachten Erfahrungen und Studien war seine erste größere Arbeit „Die Schußverletzungen der unteren Extremitäten“, welche 1866|erschien. — Nachdem H. den Winter 1864—65 in Berlin zugebracht und namentlich v. Langenbeck's und v. Graefe's Kliniken besucht und bei Virchow experimentellen und histologischen Studien obgelegen hatte, bot sich ihm im Frühjahr 1865 eine Gelegenheit zu seiner weiteren Ausbildung in der Chirurgie, indem er von Prof. Dr. Otto Weber die Stelle eines Assistenten in der von diesem erst vor Kurzem übernommenen chirurgischen Klinik zu Heidelberg erhielt. H. konnte in keine bessere Schule kommen, als die O. Weber's, der zu den gebildetsten, vielseitigsten, anregendsten Chirurgen seiner Zeit gehörte und durch das von ihm gegebene Beispiel einer unverwüstlichen Arbeitskraft überaus anregend auf seine Umgebung einwirkte. Er veranlaßte H. sich schon im Herbst 1865 als Privatdocent zu habilitiren und übertrug ihm einige chirurgische Vorlesungen. Als dann Weber selbst im Juni 1867 von einem frühzeitigen und unerwarteten Tode dahingerafft wurde, übernahm H. die provisorische Leitung der Klinik und die Vorlesungen über Chirurgie bis Ostern 1868, wo der auch bereits verstorbene Simon, als Weber's Nachfolger, sein klinisches Lehramt antrat. H. wurde darauf im Mai 1868 zum außerordentlichen Professor ernannt und von Simon mit den Vorlesungen über allgemeine Chirurgie und der Leitung der ambulanten Klinik betraut. — Bereits 1869 erhielt H. einen Ruf als ordentlicher Professor der chirurgischen Klinik an die neugegründete medicinische Facultät der Universität zu Innsbruck. Er widmete sich daselbst einer rastlosen, auf die Entwickelung und Hebung der Facultät gerichteten Thätigkeit; keine Nebenrücksicht auf Praxis oder andere sociale Verhältnisse hinderte ihn, bloß seinem Berufe als Universitäts-Lehrer und seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu leben. Hier entstand seine ausgezeichnete Arbeit über den „Hospitalbrand“.— Nach dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges benutzte H. die Universitäts-Ferien des Jahres 1870, um auch in diesem zweiten Kriege freiwillig seine Thätigkeit den Verwundeten zu widmen. Er leitete einen würtembergischen Sanitätszug und stand längere Zeit einem in Nancy in der dortigen kaiserlichen Tabaks-Manufactur errichteten Spitale vor. Als er nach Ablauf der Ferien genöthigt war, auf seinen Lehrstuhl zurückzukehren, führte er selbst die schwersten seiner Verwundeten und Operirten mittelst eines Sanitätszuges in deutsche Hospitäler über. — Die außerordentliche Energie, welche H. unter schwierigen Verhältnissen in Innsbruck entwickelt hatte, bestimmte die österreichische Regierung 1873, ihm die Errichtung einer zweiten chirurgischen Klinik in Prag zu übertragen. Auch dieser größeren Aufgabe unterzog sich H. mit gewohnter Umsicht und Beharrlichkeit, so daß bald eine für Lehr- und Lernzwecke gleich geeignete Musteranstalt geschaffen war. Heine's Erscheinen in Prag bildete überhaupt einen Wendepunkt für die Chirurgie an der dortigen Hochschule. Mit der Einführung der antiseptischen Wundbehandlung besserten sich die operativen Erfolge, die auch er Anfangs in Folge ungünstiger sanitärer Verhältnisse gehabt hatte, fortdauernd, mit der von ihm daselbst zuerst ausgeübten Ovariotomie hatte er das Glück, fünf Heilungen hintereinander zu erzielen. Aber auch in nationaler Beziehung hat er für die Prager Universität und für die böhmischen Aerzte viel geleistet. Er bildete mit mehreren Collegen den festen Kern für die deutsche Partei unter den Professoren der medicinischen Facultät und unter den deutschen Aerzten Prags. Einstimmig wurde er von dem Verein deutscher Aerzte zum Präsidenten gewählt; unter seinem Vorsitz blühte der Verein sichtlich auf und hob sich das Ansehen desselben und des ärztlichen Standes überhaupt; auch erwarb er sich durch Anregung der Wasserversorgungsfrage ein großes Verdienst um die Verbesserung der sanitären Verhältnisse Prags. — In der Vollkraft des Lebens und Schaffens aber wurde er von den Folgen der Diphtherie, an der er auch seinen Lehrer und Freund O. Weber hatte sterben sehen, dahingerafft. Er war in Prag Ende Juli 1877|ertrankt, hatte sich aber wieder so weit erholt, daß er, wenn auch abgespannt und matt, am 8. August der Jubiläumsfeier der Universität Tübingen beiwohnen konnte. Im väterlichen Hause zu Cannstatt angelangt, wurde er bald bettlägerig und verstarb, nach mehrwöchentlichem Krankenlager, am 9. Sept. 1877, an einer, wie es scheint, nicht völlig aufgeklärten Krankheit. — Zu erwähnen ist noch, daß H., der, außer anderen (preußischen und würtembergischen) Orden für seine Thätigkeit in den Kriegen von 1864 und 1870—71, für den erstgenannten Krieg auch den österreichischen Orden der eisernen Krone III. Classe erhalten hatte, nachdem er österreichischer Staatsbürger geworden, nach den Statuten dieses Ordens, in den Adelstand erhoben wurde.

    H. hat nicht nur an dem großen Aufschwunge, den die deutsche Chirurgie in der Neuzeit genommen, seinen entschiedenen Antheil, sondern er hat auch als Lehrer durch Wort und Beispiel und als fruchtbarer Schriftsteller nicht wenig dazu beigetragen, die neuen Lehren in weitere Kreise zu tragen. Bei seinem rastlosen Streben und seiner unermüdlichen Arbeitskraft wäre noch Vieles von ihm zur Förderung der Chirurgie zu erwarten gewesen, hätte nicht der unerbittliche Tod dem hochbegabten Manne ein frühzeitiges Ende bereitet. Sein Andenken ist an der Stätte seiner Wirksamkeit, in dem nach seinen Angaben erbauten Operationssaale, durch die als Zeichen der Liebe und Verehrung von Schülern und Collegen am 17. März 1878 bewirkte Aufstellung seiner Marmorbüste verewigt worden. Die von seinem Freunde und Collegen Professor Dr. Edwin Klebs bei dieser Gelegenheit gesprochenen Worte der Anerkennung und Dankbarkeit gaben der Versammlung ein lebendiges Bild von dem Wesen und Wirken des Verewigten. Ein anderes Andenken an denselben ist von seinem Vater gestiftet worden, indem dieser die von dem Sohne hinterlassene, namentlich aus dessen beiden Feldzügen herstammende Sammlung anatomischer Präparate der medicinischen Facultät in Prag geschenkt hat. Nach einem Beschluß der letzteren sollte diese Sammlung unter dem Namen „Heinestiftung“ eine gesonderte Aufstellung erhalten.

    • Literatur

      Vgl. Th. Billroth im Archiv für klinische Chirurgie, Bd. 22. 1878. S. 243. — K. Weil in (Prager) Vierteljahrsschrift für die prakt. Heilkunde, Bd. 137. 1878. IV. Miscellen, S. 3. —
      Lücke in Deutsche Zeitschrift für Chirurgie, Bd. 9. 1878. S. 378. — E. Klebs, Zur Erinnerung an Karl von Heine weiland Prof. d. Chirurgie in Prag. Worte gesprochen bei der Enthüllungsfeier von Heine's Marmor-Bildniß u. s. w. Prag 1878. 4.

  • Autor/in

    E. Gurlt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gurlt, Ernst, "Heine, Karl Ritter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 357-359 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116659319.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA