Lebensdaten
1792 bis 1868
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116641762 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rothschild, Jakob Mayer (bis 1817)
  • Rothschild, Jakob (bis 1817)
  • Rothschild, James Freiherr von
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Zitierweise

Rothschild, James Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116641762.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Mayer Amschel (s. 1);
    M Gutle Schnapper;
    B Amschel Mayer (s. 2), Salomon Mayer (s. 3), Nathan Mayer (s. 4), Carl Mayer (s. 5);
    Betty (1805–86), T d. Salomon Mayer Rothschild (1774–1855, s. 3) u. d. Caroline Stern (1782–1854);
    4 S Mayer Alphonse (1827–1905), Gustave Samuel James (1829–1911), Salomon James (1835–1864), Edmond James (1845–1934), 1 T Charlotte (1825–99).

  • Leben

    R. erhielt im Unterschied zu seinen älteren Brüdern neben der traditionellen jüd. Bildung bei einem Hauslehrer auch eine Ausbildung in modernen Fächern wie Fremdsprachen und Literatur. 1811 ging er als Agent seines Bruders Nathan nach Paris und arbeitete von dort aus mit bei der Organisation des Goldschmuggels nach England und der Geldversorgung der Armee Wellingtons. 1814 ließ er sich endgültig in Paris nieder und eröffnete 1817 die Bank „De Rothschild Freres“. Mit seinen Brüdern durch Partnerschaftsverträge verbunden, hielt er als jüngster bis 1818 nur einen geringen Anteil am Rothschildschen Gesamtkapital, bekam dann den gleichen Anteil wie seine älteren Brüder und übernahm nach dem Tod Nathans 1836 die Führung des Bankenverbundes.

    R. stand in enger Beziehung zu den franz. Regierungen und nahm seit 1823 eine führende Stellung unter den franz. Bankiers ein, als er die Finanzierung der militärischen Intervention Frankreichs in Spanien durchführen konnte. Den Höhepunkt seines Einflusses erreichte er nach der Julirevolution 1830, als er eng mit der Regierung Kg. Louis Philippes zusammenarbeitete und an einer Vielzahl von Staatsanleihen führend beteiligt war, so z. B. an den ersten Anleihen für das neugegründete Belgien. In Frankreich investierte er in den Bau der ersten Eisenbahnlinien des Landes. Ihm gehörte u. a. die franz. Nordbahn, die Paris mit der Nordseeküste verband; er ließ den aufwendig gestalteten Gare du Nord (1861–65) in Paris planen. Nach der Revolution 1848 verlor R. an Einfluß, v. a. auf die Regierung Napoleons III., und mußte sich auch der Konkurrenz der ersten, von den Gebrüdern Pereire 1852 gegründeten Aktienbank, der „Grédit Mobilier“. erwehren. In einer sich auf ganz Europa ausdehnenden Auseinandersetzung konnten jedoch R. und die Rothschildbanken ihre führende Stellung gegen die starke Konkurrenz der Gebrüder Pereire behaupten.

    Zusammen mit seiner Frau Betty unterhielt R. in seinem Wohnsitz in der Pariser Rue Lafitte einen berühmten Salon, in dem sich Politiker, Bankiers, Unternehmer, Künstler und Journalisten trafen, und der vielfachen literarischen Niederschlag fand (z. B. bei H. Balzac, H. Heine, L. Börne). Die gesellschaftlich führende Stellung, die R. in Frankreich erringen konnte, spiegelt v. a. das mit großer Pracht ausgestattete Jagdschloß Ferneres südwestlich von Paris wider, das R. 1854-56 von James Paxton errichten ließ und in dem er auch Napoleon III. empfing. Der jüngste Sohn Mayer Amschels verkörpert am stärksten den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie aus dem Frankfurter Ghetto. Er wurde der führende Bankier Frankreichs, gewann v. a. unter Kg. Louis Philippe immensen politischen Einfluß und besaß bei seinem Tod|wahrscheinlich weltweit das größte Privatvermögen.|

  • Auszeichnungen

    österr. Gen.konsul.

  • Literatur

    A. Mühlstein, J. de R., 1981;
    Die Rothschilds, Eine europ. Fam., hg. v. G. Heuberger, 1994, bes. S. 65-69 (P);
    K. Bowie, Die Rothschilds, d. Eisenbahn u. d. städtebaul. Entwicklung v. Paris im 19. Jh., ebd., S. 89-100.

  • Portraits

    Ölgem., um 1824 (Privatbes., Frankreich);
    Ölgem. v. M. D. Oppenheim, 1836 (N M Rothschild & Sons, London);
    Lith. v. K. Raunheim, um 1850 (Bibl. nat. de France);
    Ölgem. v. H. Flandrin, 1863 (Privatbes., Frankreich).

  • Autor/in

    Fritz Backhaus
  • Empfohlene Zitierweise

    Backhaus, Fritz, "Rothschild, James Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 135-136 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116641762.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA