Lebensdaten
1898 bis 1948
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Schaffhausen
Beruf/Funktion
Violinist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116606827 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kulenkampff-Post, Alwin Georg
  • Kulenkampff, Georg
  • Kulenkampff-Post, Alwin Georg

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Zitierweise

Kulenkampff, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116606827.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann K.-Post (1866–1930), Dr. iur., Rechtsanwalt u. Notar, S d. Kaufm. Julius K. (1818-81) in B. u. d. Anna v. Post;
    M Marie-Louise (1869–1950), T d. Kaufm. Georg Dietrich Faber in B. u. d. Marie Tecklenburg;
    1) Bremen 1920 ( 1936) Ilse (* 1901), T d. Kaufm. Georg Braun u. d. Emma v. Wogau, 2) 1937 ( 1940) Christa (* 1895), T d. Rittergutsbes. Alexander Jenisch u. d. Lydia Rutenberg, 3) 1941 Hanna Hoffmann (* 1917) aus Lübeck;
    1 S aus 1).

  • Leben

    Schon früh zeigte sich K.s besondere musikalische Begabung. Geregelten Unterricht erhielt der Sechsjährige bei dem Leiter der Bremer Philharmonie, Ernst Wendel. Nachdem er mit 14 Jahren als Solist in einem Konzert der Bremer Philharmonischen Gesellschaft debütiert hatte, wurde K. nach erreichtem Einjährigen 1912 auf die Berliner Musikhochschule geschickt, wo er bei Willy Heß studierte. Bereits im Jan. 1914 wirkte er, damals noch unter dem Doppelnamen seines Vaters Kulenkampff-Post, an einem der Vortragsabende der Hochschule|mit, an denen er weiterhin solistisch und kammermusikalisch beteiligt war und außerdem als Konzertmeister des Hochschulorchesters fungierte. Mit 17 Jahren wurde K. durch Wendel als 1. Konzertmeister an die Bremer Philharmonische Gesellschaft berufen, wo er mit Unterbrechung durch Kriegsdienst bis 1919 tätig war. In der folgenden Zeit, meist wieder in Berlin lebend, trat er als Violinvirtuose hervor und wirkte außerdem als Primarius eines Streichquartetts. Am 1.4.1923 wurde er als Lehrer für Violine an die Berliner Musikhochschule engagiert (Okt. 1923 Professor-Titel für die Dauer seiner Lehrtätigkeit). Bereits im nächsten Jahr mußte er wegen seiner wachsenden Konzertverpflichtungen seine Hochschularbeit einschränken und sie 1925-31 ganz unterbrechen. Als einer der „gesuchtesten Solisten im In- und Auslande“ fand er für die ihn sehr interessierende pädagogische Arbeit nur wenig Zeit, weshalb er 1931-43 nur ein loses Vertragsverhältnis mit der Hochschule unterhielt. Er sah die Möglichkeit einer Intensivierung seiner Lehrtätigkeit in der Durchführung von Meisterkursen, wie er sie im Rahmen des Deutschen Musikinstituts für Ausländer seit 1938 abhielt. 1943 übersiedelte K. in die Schweiz und übernahm ein Jahr später als Nachfolger Carl Fleschs die Meisterklasse für Violine am Konservatorium in Luzern. Obgleich er kein ausgesprochen virtuoser Geigertyp war, strahlte sein Spiel trotz der gelegentlich distanziert anmutenden Kühle seiner Persönlichkeit eine eigene Faszination aus. Seine Verbundenheit mit der Joachim-Schule zeigte sich speziell in seiner musikalischen Einstellung, welche die nach-schöpferische Gestaltung in den Mittelpunkt der Interpretationsidee stellte, was ihn auch immer wieder zur Kammermusik führte. Trotz einer fast introvertierten Gestimmtheit huldigte K. einer romantisch expressiv betonten Spielweise, so daß ihm die objektivierte spielerische Diktion, wie sie sich in den 20er Jahren durchsetzte, zunächst fremd war. „Der sogenannte motorische, sachliche Interpretationsstil unserer Zeit zeugt nicht so sehr für eine rhythmisch und klanglich gesteigerte Qualität als für eine Phantasiedegeneration zugunsten maschineller Funktionen bei gleichzeitiger Fesselung des metrischen Ablaufs und der dynamischen Innenspannung“, heißt es in seinen „Geigerischen Betrachtungen“. Sein eigener Reifeprozeß führte ihn schließlich zu einem Interpretationsstil, dessen entscheidende Komponenten Klarheit und Durchsichtigkeit einer formbetonten Gestaltung waren, wie sie die Werke Bachs, Beethovens und Brahms' fordern, die das Kernstück seines Wirkens bildeten. Wie als Pädagoge, so forderte er auch als Interpret den „Ganz-Musiker“, „die Persönlichkeit, die nicht nur die Noten eines Werkes zu sehen und aufzufassen, sondern die auch nachzufühlen und nachzugestalten vermag, was in diesen Noten Ausdruck eines Lebens, eines fühlenden Menschen ist“.

  • Werke

    Geiger. Betrachtungen, n. hinterlassenen Aufzeichnungen bearb. u. hrsg. v. G. Meyer-Sichting, 1952 (P). - Teilnachlaß: Hannover, Hochschule f. Musik u. Theater.

  • Literatur

    H. E. Weinschenk, Künstler plaudern, 1938;
    Gespräche mit G. K., Über Interpretation, in: Das Musikleben 1, H. 7/8, 1948, S. 192 f.;
    C. Conzelmann, Erinnerungen an G. K., in: Schweizer. Musikztg. 99, 1959, S. 96-99;
    F. Farga, Geigen u. Geiger, 51960;
    F. Piersig, in: Nd.sächs. Lb. V, 1962, S. 185-94 (P);
    ders., in: Brem. Biogr. 1912–62, 1969 (L);
    J. W. Hartnack, Große Geiger unserer Zeit, 1967;
    Riemann.

  • Portraits

    Büste v. H. Faltermeier (Bremen, Foyer d. „Glocke“).

  • Autor/in

    Thomas-M. Langner
  • Empfohlene Zitierweise

    Langner, Thomas-M., "Kulenkampff, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 272-273 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116606827.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA