Lebensdaten
1837 bis 1920
Geburtsort
Erlangen
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Milchfachmann
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116603445 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fleischmann, Gustav Friedrich Wilhelm
  • Fleischmann, Wilhelm
  • Fleischmann, Gustav Friedrich Wilhelm

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Zitierweise

Fleischmann, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116603445.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Frdr. Ludw. (1806–86), Dr. med., Medizinalrat in Dillingen, S d. Chrstn. Wilh. (s. Gen. 1) u. d. Frieder. Philippina Penzenkuffer;
    M Caroline (1811–87), T d. Kaufm. Joh. Simon Jerem. Wagner;
    Vt Albert s. (1);
    Nürnberg 1864 Anna (* 1841), T d. Adolf v. Harleß (1806–79), Oberkonsistorialpräs. in Nürnberg (s. ADB X; Schärl);
    1 S, 3 T.

  • Leben

    F. studierte Mathematik und Physik in Würzburg, Erlangen und München. 1862/63 arbeitete er in Liebigs Laboratorium in München und wurde 1865 Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Memmingen. 1861 promovierte er in Tübingen (Physik). 1867-76 war er Direktor der Gewerbe- und Handelsschule in Lindau/Bodensee. Schon während dieser Zeit interessierte er sich stark für die Allgäuer Milchwirtschaft; zusammen mit Baron von Gise gründete und leitete er die Allgäuer Alpenversuchsstationen Rothenfels und Seifenmoos. 1876 wurde er zum Leiter der Versuchsstation und höheren Lehranstalt für das Molkereiwesen auf dem Gut des Grafen von Schlieffen in Raden bei Lalendorf (Mecklenburg) berufen. Seit 1886 leitete er als Ordinarius für Landwirtschaft und Direktor des landwirtschaftlichen Institutes in Königsberg auch die Versuchsstation und Lehranstalt für Molkereiwesen in Kleinhof-Tapiau. Er gründete an der Universität ein Laboratorium für Chemie und Bakteriologie der Milch. 1896 übernahm er die Leitung des landwirtschaftlichen Universitätsinstituts in Göttingen. – F. gehörte zu den ersten, die die eminente Bedeutung exakter wissenschaftlicher Forschung für Rindviehzucht und Milchwirtschaft erkannten und diese Erkenntnis mit allen Mitteln in die Tat umzusetzen trachteten. Als Vertreter der theoretischen Landwirtschaft und Agrikulturchemie beschäftigte er sich, neben agrarpolitischen und agrarhistorischen Studien (seit 1900), vorwiegend mit der Chemie und Physik der Milch und verfaßte hierüber zahlreiche Schriften, von denen einige, so vor allem sein Hauptwerk, das Lehrbuch der Milchwirtschaft (1893, 61920), in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

    Es ist sein Verdienst, die bei der Verwertung und Bearbeitung der Milch sich abspielenden Vorgänge wissenschaftlich begründet und durch Ausarbeitung neuer Untersuchungsmethoden zur Aufklärung des Wesens der Milch und ihrer Zusammensetzung einen wesentlichen Beitrag geleistet zu haben. Viele seiner grundlegenden Untersuchungsergebnisse zeigen ihre Auswirkung noch heute in der modernen Milchwirtschaft, wie beispielsweise die F.sche Formel zur Berechnung der Trockenmasse der Milch aus ihrem spezifischen Gewicht und dem Fettgehalt noch allgemeine Anwendung findet. F. galt schon zu seinen Lebzeiten als Begründer der Milchwirtschaftswissenschaft.

  • Werke

    Weitere W Chemie u. Ackerbau, 1869;
    Stud. üb. d. Milch, in: Landw. Versuchs-Stationen 14, 1871, S. 194;
    Btrr. z. Physik d. Milch, ebd. 17, 1874, S. 251;
    Über Milchzentrifugen, ebd. 26, 1881, S. 167;
    Zur Prüfung d. Milch nach d. optischen Methoden, in: Milchztg. 2, 1873, S. 441;
    Milchwirtschaftl. Hilfstafeln, ebd. 5, 1875/76, S. 1823;
    Das Dicklegen d. Milch durch Lab, ebd. 7, 1878;
    Die Bezahlung d. Milch nach Fettgehalt, ebd. 14, 1885, S. 785;
    Über d. neuesten auf e. Fortschritt in d. Herstellung v. Butter abzielenden Bestrebungen,|ebd. 19, 1890, S. 601;
    Über Joghurt, ebd. 38, 1909;
    Das Molkereiwesen, 1875 (franz. Paris 1884);
    Die Bereitung v. Backsteinkäsen aus Zentrifugenmagermilch, 1884, 31916 (schwed. Linköping 1885);
    Btrr. z. Kenntnis d. Wesens d. Milch, in: Journal f. Landwirtsch. 33, 1885;
    Die Beziehungen zw. d. spezif. Gewicht u. d. prozent. Gehalt an Fett u. Trockenmasse d. Kuhmilch, ebd. 62, 1914, S. 159.

  • Literatur

    B. Martiny, Gesch. d. Rahmgewinnung, 2 Bde., 1909-15;
    R. A. Eichloff, in: Milchwirtsch. Zbl. 49, 1920, S. 31;
    G. Wiegner, Zu W. F.s Gedächtnis, in: Die Landwirtsch. Versuchs-Stationen 97, 1921, S. 261 (W-Verz.);
    ders., Aus W. F.s Göttinger Zeit, in: Süddt. Molkereiztg. Kempten, Festschr. 1931;
    O. Rahn u. P. F. Sharp, Physik d. Milchwirtsch., 1928;
    W. Winkler, Hdb. d. Milchwirtsch., 3 Bde., 1930-36;
    K. Nagalhard, Männer um Martiny, 1936;
    H. Weigmann, Benno Martiny, 1936;
    K. Teichert, Das weiße Blut, 1937;
    A. Schuler, W. F., Der Begründer d. Milchwirtschaftswiss., Seine Lebenserinnerungen u. s. Lebenswerk, 1942 (W);
    K. Lindner, W. F., in: Gesch. d. Allgäuer Milchwirtsch., 1955 (P).

  • Autor/in

    Ernst Brandl
  • Empfohlene Zitierweise

    Brandl, Ernst, "Fleischmann, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 235-236 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116603445.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA