Lebensdaten
1804 bis 1874
Geburtsort
Tautendorf bei Stadtroda (Thüringen)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Historiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116591307 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Egg, Woldemar (Pseudonym)
  • Gersdorf, Karl Gotthelf
  • Gersdorf, Ernst Gotthelf
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Zitierweise

Gersdorf, Ernst Gotthelf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116591307.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Gotthelf (* 1763), Lic.theol., Pfarrer in T., S d. Rektors Joh. Gg. In Reichenbach/Vogtland;
    M Concordia Wilh. (* 1776), T d. Rektors Joh. Gottfr. Rüdel in Triptis.

  • Leben

    Bereits während des Theologiestudiums an der Universität Leipzig überwogen bei G. die bibliographisch-literarischen Neigungen. Sie führten ihn an die Königliche Bibliothek in Dresden, wo er Schüler F. A. Eberts und 1826 Sekretär wurde. Hier verknüpfte er seine bibliothekarische Tätigkeit mit historisch-hilfswissenschaftlichen Studien. Als nach dem Tode Ch. D. Becks eine Reorganisation der Universitätsbibliothek Leipzig nötig wurde, übernahm G. 1833 als erster fachlich vorgebildeter Oberbibliothekar deren Leitung. Wesentlich trug er zur Entwicklung der alten Bibliotheca Paulina zur wissenschaftlichen Großbibliothek bei und brachte auch in Leipzig die im 18. Jahrhundert von Göttingen ausgegangenen Grundsätze einer der Forschung und Lehre dienenden Gebrauchsbibliothek zur Geltung. Durch den Erwerb großer Privatsammlungen wuchs der Bestand rasch, die Haushaltsmittel wurden im Laufe seiner Amtszeit vervielfacht; die Benutzungsmöglichkeiten wurden erweitert, der Bibliothek 1835 im Augusteum, 1846 im umgebauten Paulinum erweiterte Räume verschafft. Nach Eberts Tode war G. die anerkannte Autorität im sächsischen Bibliothekswesen. Die große Aufgabe der Erschließung der Bestände durch einen Systematischen Katalog konnte der vielseitig tätige G. nicht mehr bewältigen und mußte sie dem Philosophieprofessor G. Hartenstein überlassen. Um so bedeutender war seine wissenschaftlich-publizistische Leistung als Herausgeber der 106 Bände einer kritisch annotierten Literaturzeitschrift und einer Auswahl der lateinischen Kirchenväter, als Numismatiker, vor allem aber als Historiker. Seit 1837 Vorsitzender der gottschedischen Deutschen Gesellschaft in Leipzig, die sich damals landeskundlichen Fragen widmete, trat er mit Quelleneditionen zur sächsischen Geschichte des Mittelalters hervor. Mit den Urkundenbüchern des Stiftes und der Stadt Meißen begann er 1864 den Codex diplomaticus Saxoniae Regiae. Indem er im Anschluß an G. Waitz sich der neueren historischen Methode bediente, wollte er die sächsische Geschichte vom allgemeinen Räsonnement auf die Tatsachen zurückführen und hob dabei die Bedeutung der Urkunden als sozial- und kulturgeschichtliche Quellen hervor.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Hofrat.

  • Werke

    Bibl. patrum ecclesiasticorum Latinorum selecta, Bd. 1-13, 1838-47;
    Chron. terrae Misnensis sive Buchense, 1839;
    UB d. Hochstifts Meißen, 3 Bde., 1864-67 (= Cod. Diplomaticus Saxoniae, 2. Haupt-T., Bd. 1-3);
    UB d. Stadt Meißen u. ihrer Klöster, 1873 (= dass., Bd. 4);
    Die Rektoren d. Univ. Leipzig nebst summar. Übersicht d. Inscriptionen v. J. d. Gründung b. z. Gegenw., 1869;
    Aufsätze z. T. unter Ps. - Hrsg.: Rep. d. gesammten dt. Lit. (ab 1843: Leipziger Rep. d. dt. u. ausländ. Lit.), 106 Bde., 1834-60;
    Bll. f. Münzfreunde, 1865-70.

  • Literatur

    ADB IX;
    Erinnerungsbll. an … E. G. G. …,1874 (mit Gedenkreden v. G. Baur u. L. Krehl);
    J. Petzholdt, in: Neuer Anz. f. Bibliogr. und Bibl.-wiss., 1874, S. 55-58;
    E. E. Struve, Dr. E. G. G., in: Neues Lausitz. Mgz. 51, 1874, S. 279 f.;
    K. Bader, Lex. dt. Bibliothekare, 1925, S. 73 f.

  • Portraits

    Gem. v. F. G. Schlick (Leipzig, Univ.bibl.).

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Gersdorf, Ernst Gotthelf" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 317 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116591307.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gersdorf: Karl Gotthelf G., geb. am 2. Nov. 1804 in Tautendorf (Herzogthum Altenburg), in Leipzig am 5. Jan. 1874. Er wurde auf dem Gymnasium zu Altenburg vorgebildet zu akademischen Studien und widmete sich dann in Leipzig der Theologie. Aber die litterarische Neigung überwog dieses Fachstudium und erhielt weitere Nahrung, nachdem er 1826 die Stelle eines|Secretärs an der königlichen Bibliothek in Dresden erhalten hatte. Im Anschlusse an die früheren Studien veröffentlichte er 1828 die „Epistola critica ad Heinichen de Eusebii historiae ecclesiasticae codice Dresdensi“ und fügte in den J. 1838—47 die „Bibliotheca patrum ecclesiasticorum latinorum selecta“ in 13 Bänden hinzu, eine handliche Ausgabe nach einer neuen Recognition des Textes, welche jetzt durch die Sammlung der Wiener Akademie übertroffen ist. 1833 wurde er als Oberbibliothekar an der Universitäts-Bibliothek in Leipzig angestellt und damit der Anstoß gegeben, solche Stellungen nicht mehr als Nebenamt eines lehrenden Professors im Interesse der Sammlungen zu betrachten. Die alte Pauliner Bibliothek bedurfte der unermüdeten Sorge, damit die vorhandenen Schätze geordnet und ergänzt wurden; er hat namentlich für die Katalogisirung zweckmäßige Einrichtungen getroffen. Aber er fand auch Zeit zu anderen Beschäftigungen. Schon 1837 trat er als Beisitzer in die Kreisdirection für die Angelegenheiten der Presse und blieb in dieser Stellung bis 1850. Fast zu gleicher Zeit übernahm er die Leitung der deutschen Gesellschaft und widmete sich derselben mit solchem Eifer, daß er fast allein in den regelmäßigen Versammlungen die wissenschaftlichen Vorträge hielt und durch Mannigfaltigkeit der Gegenstände die Mitglieder zu fesseln wußte. In den Mittheilungen hat er das „Chronicon terrae Misnensis s. Buchense“ 1839 gegeben und 30 Jahre später die „Rectoren der Universität Leipzig nebst summarischer Uebersicht der Inscriptionen vom Jahre der Gründung bis zur Gegenwart“ geliefert, als eine Gratulationsschrift für den Minister v. Falkenstein. Schon 1847 war von ihm erschienen „die Universität Leipzig im ersten Jahrhundert ihres Bestehens“. Er war der geeignete Mann zur Herausgabe des „Codex diplomaticus Saxoniae Regiae“, die er im Auftrage der Staatsregierung 1863 begann und bis 1873 vier stattliche Bände vollendete. An diese mühevolle Arbeit konnte er erst kommen, nachdem er 1860 das Repertorium der Litteratur mit dem 106. Bande hatte aufhören lassen, eine Zeitschrift, die er sofort nach seiner Uebersiedelung nach Leipzig 1834 anfing und mit großer Umsicht fast 30 Jahre lang fortführte. Von den akademischen Sammlungen war ihm auch das Münzcabinet anvertraut, für das er eifrig sorgte; seine Bekanntschaft mit der Numismatik zeigen auch die „Blätter für Münzfreunde“ (1865—70), sechs Jahrgänge. Seine Bestrebungen haben auch Anerkennung gefunden; der Herzog von Altenburg verlieh ihm den Titel als Hofrath, der König von Sachsen als Geheimer Hofrath. Auch an Auszeichnung durch Orden hat es ihm nicht gefehlt. G. war ein freundlicher und gefälliger Mann, der überall gern mit seinem viel seitigen Wissen aushalf und die Bücherschätze, welche er verwaltete, zur Disposition stellte.

  • Autor/in

    Eckstein.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eckstein, Friedrich August, "Gersdorf, Ernst Gotthelf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 55-56 unter Gersdorf, Karl Gotthelf [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116591307.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA