Lebensdaten
um 1490 bis 1531
Beruf/Funktion
Förderer der Reformation
Konfession
katholisch,zwinglianisch
Normdaten
GND: 136449123 | OGND | VIAF: 80790461
Namensvarianten
  • Geroldseck, Diebold III. Herr von
  • Geroldseck, Diebold Herr von
  • Geroldseck, Diebold III. Herr von
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Zitierweise

Geroldseck, Diebold Herr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136449123.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Gangolf;
    M Kunigunde Gfn. v. Montfort;
    B Gangolf II ( 1549, s. Einl.);
    4 Schw geistl. Standes;
    N. N.

  • Leben

    G. war 1503 noch minderjährig; er legte um 1505 das Gelübde im Kloster Einsiedeln ab. Der betagte Abt Konrad von Hohenrechberg setzte ihn 1513 als einzigen Konventualen des Stifts zum Pfleger ein. Als solcher förderte er den Wiederaufbau der 1509 durch Brand geschädigten Kirche und der Klostergebäude, doch scheint er in der Verwaltung keine glückliche Hand gehabt zu haben. 1518 erreichte er von Papst Leo X. eine Bulle, durch die die bisher nur befristete Exemption des Klosters zu einer dauernden wurde. Am 14.4.1516 übertrug er das Amt des Leutpriesters in Einsiedeln an Ulrich Zwingli und nach dessen Weggang 1518 an Leo Jud. G., an humanistischer Wissenschaft und Literatur interessiert, aber mit nur mittelmäßiger Bildung, schloß sich der Lehre Zwinglis an, mit dem er auch nach dessen Weggang nach Zürich in freundschaftlichen Beziehungen stand. Er besetzte die Einsiedler Kollaturpfarreien mit Anhängern des neuen Glaubens und dürfte auch an der Asylgewährung für Ulrich von Hutten auf der Ufenau beteiligt gewesen sein. 1525 legte er das Amt eines Pflegers nieder und begab sich zu seinen Brüdern, um sie im Kampf um die Erhaltung von Sulz am Neckar gegen Ulrich von Württemberg zu unterstützen. Anfangs 1527 nahm er im Einsiedlerhof in Zürich Wohnsitz. Da er sich weiterhin als Konventuale betrachtete, den neuen Abt nicht anerkannte und die Gefälle des Klosters beanspruchte, kam es zu einem langwierigen Rechtshandel zwischen dem Lande Schwyz als dem Schirmort des Klosters und Zürich. In einem Vergleich mußte G. 1529 auf Güter und Einkünfte des Klosters und das Wohnrecht im Einsiedlerhof gegen eine lebenslängliche Rente verzichten, doch wurde er weiterhin als Konventuale anerkannt. In der Folge verheiratete er sich. Man weiß über seine Tätigkeit nichts Bestimmtes. Er fiel an der Seite Zwinglis in der Schlacht bei Kappel.

  • Literatur

    ADB IX;
    Joh. Bapt. Müller, D. v. G., in: Mitt. d. Hist. Ver. d. Kt. Schwyz 7, 1890;
    O. Ringholz, Gesch. d. Benediktinerstifts Einsiedeln, 1904, S. 580 ff., 634 ff.;
    R. Henggeler, Profeßbuch … v. Einsiedeln, 1933, S. 261;
    L. v. Muralt, Trachtung im Geroldseckhandel, in: H. Zwingli, Sämtl. Werke VI, 1, 1961, S. 509-17;
    HBLS.

  • Autor/in

    Paul Kläui
  • Empfohlene Zitierweise

    Kläui, Paul, "Geroldseck, Diebold Herr von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 317 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136449123.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Geroldseck. Das uralte Haus G. (Hohengeroldseck), welches die Kastenvogtei über die Klöster Schuttern und Ettenheimmünster ausübte und 1259 das Augustinerkloster in Lahr gründete, war das mächtigste der Ortenau, sein Gebiet erstreckte sich vom Rhein über den Schwarzwald bis Schwaben. Durch glückliche Heirathen und in Fehden erweiterte es seine Macht und trennte sich in die Veldenzer und Lahrer Linie. Späterhin verarmt, erlosch es im Mannsstamme 1634 im Freiherrn Jacob; seiner Erbtochter, welche Friedrich V. von Baden-Durlach heirathete, entrissen die kaiserlichen Truppen alle Allodien, die Lehen fielen an Oesterreich und das Straßburger Bisthum heim, die Herrschaft Geroldseck verlieh der Kaiser seinem Obersten von Cronberg — lange stritten nun Baden, Cronberg, Nassau und Leyen um den Besitz von Geroldseck, 1692 besetzte Baden nach dem Aussterben des Cronberg'schen Hauses das Land, wurde aber 1697 von den Oesterreichern wieder herausgetrieben und die lutherische Lehre vernichtet; der Kaiser verlieh Geroldseck dem Hause von der Leyen trotz aller badischen Proteste, 1815 kam es unter österreichische Oberhoheit und wurde durch den Frankfurter Vertrag vom 10. Juli 1819 gegen einen Theil des Amtes Wertheim endlich an Baden ausgetauscht. — Diebold III. v. G., Bruder Gangolfs II., Administrator des Klosters Einsiedeln, ein Freund der Reformation, bot Luther September 1519 ein Asyl an, nahm den flüchtigen Hutten 1523 in Uffnau gastlich auf, veranlaßte seinen regierenden Bruder der Reformation mit seinen Gebieten beizutreten und rettete durch seine und der Schweizer Fürsprache ihn vor einem Kriege, den Sundgau, Elsaß, Breisgau, Schwarzwald und der kaiserliche Landvogt in diesen Landen ihm 1520 zugedacht hatten. Zuletzt ließ Diebold sich in Zürich nieder, schloß mit Zwingli enge Freundschaft und fiel mit ihm in der Schlacht von Kappel am 11. Octbr. 1531.

    • Literatur

      Vierordt, Geschichte der evangelischen Kirche in dem Großherzogthum Baden, Bd. 1. Karlsruhe 1847. Diplomatische Geschichte des Hauses Geroldseck wie auch derer Reichsherrschaften Hohengeroldseck, Lahr und Mahlberg in Schwaben. Frankfurt und Leipzig 1766. Mone, Quellensammlung der|badischen Landesgeschichte, 3 Bde., Karlsruhe 1848—63. Bader, Landesgeschichte, Freiburg 1834.

  • Autor/in

    Kleinschmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kleinschmidt, Arthur, "Geroldseck, Diebold Herr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 43-44 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136449123.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA