Lebensdaten
1860 bis 1935
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Dichter ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116568437 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ertl, Emil Adolf Viktor
  • Ertl, Emil
  • Ertl, Emil Adolf Viktor

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Zitierweise

Ertl, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116568437.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1830–62). Seidenfabrikant, S des Bandfabrikanten Leopold (1792–1850);
    M Barbara (1836–1908), T des Seidenzeugfabrikanten Franz Reichert (1805–81); Stiefvater Frdr. Rr. v. Stach (1830–1906), Architekt, Baurat, Mitbegründer u. Dir. der Union-Baugesellschaft, Mitbegründer des Ing.- u. Architektenvereins, am Ausbau der Wiener Ringstraße hervorragend beteiligt (s. ThB);
    B Moritz Rr. v. E. (1859–1934), Sektionschef im k. k. österr. Ackerbauministerium;
    Schloß Weyer b. Graz 1886 Maria Hornbostel (1862–1927, ev. A. B.) aus Seidenweberfamilie;
    1 S, 2 T, u. a. Herbert (1888–1958), Dr. iur., Regierungsrat, leitender Sekr. der Wiener Handelskammer, Dramatiker u. Schriftst., Unesco-Preisträger mit dem Schauspiel „Bertha v. Suttner“ (1949) (s. Österreicher der Gegenwart, 1951).

  • Leben

    E. verdankte seine Charakterbildung nächst seiner Mutter deren Vater sowie seinem Stiefvater. Nach dem Abitur 1879 bezog er 1880 die Wiener Universität als Hörer der Rechte, sattelte aber nach kunstgeschichtlichen Bildungsreisen nach Paris, London und Venedig, 1882, und der Staatsprüfung, 1883, auf Philosophie und Geschichte um und promovierte 1886 in Wien mit einer Dissertation, die die Unmöglichkeit, eine Sittenlehre auf dem Grunde positivistisch-utilitaristischer Philosophie aufzubauen, nachwies. Im August 1886 trat er als Volontär und Leiter der technischen Bibliothek des Grazer Johanneums in den Landesdienst. 1889 an der Bibliothek der TH Graz in den Staatsdienst übernommen, wurde er in rascher Vorrückung deren Direktor und wirkte als solcher bis zu seiner Pensionierung (1922). 1927 übersiedelte er nach Wien.

    Das Dichtertum E.s nimmt seinen Ausgang von der Erkenntnis, daß das Wissen nicht zum Glück verhelfen könne, daß allein die Kunst Ideen gestalte, und von der Ablehnung des l'art pour l'art. Die Überwindung der Extreme seines jugendlichen Schaffens – Schwelgen in tiefsinniger romantischer Märchenseligkeit und in naturalistischen Bahnen, herbe Zeitkritik und Mitleidsethik – im Sinne einer reifen Synthese verdankte er seiner Freundschaft mit P. Rosegger. Nun erwachten in ihm gesunder Realismus und gütiger Humor, für den ihm Cervantes, J. Paul, Dickens und G. Keller Vorbild wurden. An dieser Weltschau hielt E. auch in seinem Altersschaffen fest, nur breitete sich darüber noch ein Goldglanz der Weisheit und Liebenswürdigkeit. Das „Nachdenkliche Bilderbuch“ (1. F. 1911, 2. F. 1913), „Der hänferne Strick“ (1924), „Teufelchen Kupido“ (1925) und „Die Maturafeier“ (1927) lassen diese Entwicklung am besten erkennen. E.s Romanwerk gipfelt in dem 4bändigen Roman-Zyklus „Ein Volk an der Arbeit“. Nationale Geltung auf Grund der größeren Leistung und des tieferen Verantwortungsbewußtseins, „Wegwacht“ an den Grenzen des deutschen Sprach- und Kulturraums, ein Völkerbund nach dem Vorbild Österreich-Ungarns und die Visionen der einen durch Vergeistigung alles Wirkens, durch Synthese von Individualismus und Sozialismus, durch Integration der Arbeit aller Nationen befriedeten Welt sind die Schwerpunkte des prophetischen Gedankengutes, das er auch in seiner Rede über die „Ziele des Rates für geistige Arbeit“ (1919) umriß. Mit diesem sehr eigenwüchsigen Generationenroman schrieb E., an Zola, Galsworthy und Th. Mann anknüpfend, den Roman des österreichischen Bürgertums. – 1910 Regierungsrat, 1922 Hofrat, Vizepräsident des Steiermärkischen Kunstvereins, Ehrenbürger von Wien und Graz.

  • Werke

    Weitere W Märchen u. Erzz. (in Sammelausgg.): Abdêwa, 1884; Liebesmärchen, 1886, 31920;
    Opfer d. Zeit, 1895, 21905;
    Miss Grant u. a. Novellen, 1896;
    Mistral, 1901;
    Feuertaufe, 1905;
    Gesprengte Ketten, 1909;
    Das Lächeln Ginevras, 1915;
    Der Berg d. Läuterung, 1922;
    Gesch. aus m. Jugend, 1927 (Lizenzausg. 1948);
    Meisternovellen, eingel. u. hrsg. v. H. Wastian, 1930;
    Lebensfrühling, Erinnerungen a. d. lieben alten Wien m. Jugend, 1932;
    Menschenschicksale, Gesch. a. d. alten Österreich, Ausw. u. Einl. v. H. Ertl, = Österr. Erzähler III, 1948;
    Romane: Ein Volk a. d. Arbeit, Hundert J. Dt.-Österreich (Sammeltitel ab III);
    I. Die Leute v. blauen Guguckshaus, 1906, II. Freiheit, die ich meine, 1909, III. Auf d. Wegwacht, 1911, IV. Im Haus z. Seidenbaum, 1926;
    Der Neuhäuselhof, 1913;
    Der Antlaßstein, 1917;
    Karthago, Kampf u. Untergang, 1924;
    Das Lattacherkind, 1929;
    Gedichte: Symphonie, Gedichte in Vers u. Prosa, Mit e. Vorwort v. J. Papesch, 1935 (P);
    – Literar. Selbstporträt, in: Das literar. Dt.-Österreich, 10. Jg., H. 8, 1910; Peter Rosegger, wie ich ihn kannte u. liebte, 1923. – Wiss. Einteilung d. Kat. d. Bibl. d. TH in Graz, 1897.

  • Literatur

    P. Rosegger, Ein guter Kamerad, E. E. z. 50. Geburtstag, in: Heimgarten 34, 1910;
    P. Stifter, E. E. z. 75. Geburtstag, ebd. 59, 1935;
    A. Walheim, E. E., Sein Leben u. s. Werke, 1912 (P);
    E. E., Zum 70. Geburtstag, Eine Festschr., 1930;
    W. J. Greiner, E. E., Versuch e. zusammenfassenden Studie üb. s. Leben u. s. Werke, Diss. Wien 1930 (ungedr.);
    E. Seemann, E. E. als Novellist, Diss. Wien 1937 (ungedr.);
    E. Sendziak, E. E.s, Seidenweberromane, Diss. Wien 1938 (ungedr.);
    E. Ladich, Die Auffassung d. Gesch. Österreichs in d. Romanen E. E.s, Diss. Wien 1949 (ungedr.);
    ÖBL;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    Ölbild v. A. v. Schrötter sowie Lichtbilder a. d. J. 1883 u. 1910, Abb. b. Walheim (s. L);
    Reliefbild v. A. Weinkopf (am Geburtshaus d. Dichters, Wien VII, Zieglergasse 33).

  • Autor/in

    Wilhelm Bietak
  • Empfohlene Zitierweise

    Bietak, Wilhelm, "Ertl, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 633 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116568437.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA