Lebensdaten
1850 bis 1936
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Semmering (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Maschinenbauer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116536039 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Riedler, Alois
  • Riedler, A.

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Zitierweise

Riedler, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116536039.html [13.11.2018].

CC0

  • Leben

    R. studierte 1866-71 Maschinenbau an der TH Graz, war dann zwei Jahre Assistent an der Dt. TH Brünn und wurde 1873 Assistent, 1875 Maschinenkonstrukteur an der TH Wien. 1883 ao. Professor an der TH München, folgte er ein Jahr später einem Ruf als o. Professor für Maschinenbau an die TH Aachen. R. trat seither für eine stärker praxisbezogene Ausrichtung des Maschinenbaustudiums ein. 1888 wurde er an die TH Charlottenburg berufen, wo er ein privates Konstruktionsbüro an der Hochschule einrichten konnte. Er stand in scharfem Gegensatz zu Franz Reuleaux (1829–1905), einem herausragenden Vertreter der Maschinentheorie und der Kinematik. Im Laufe der mehrjährigen Auseinandersetzungen an der Hochschule wurde R. zum Exponenten der „Technikerbewegung“, die vor einer Übermathematisierung der Ingenieurwissenschaften warnte. 1893 reiste er im Auftrag des preuß. Kultusministeriums und des VDI mit einem Stab von Mitarbeitern zur Weltausstellung nach Chicago. Nach seiner Rückkehr legte er einen ausführlichen Bericht „Über amerik. technische Lehrstätten“ vor, die er insgesamt als tauglicher beurteilte als die entsprechenden dt. Einrichtungen. Der Bericht wurde lebhaft debattiert und beeinflußte in der Folgezeit auch die preuß. Bildungspolitik. R. gründete 1896 in Charlottenburg das erste dt. Maschinenlaboratorium. Vorangegangen waren die „Aachener Beschlüsse“ des VDI über die „Ingenieurlaboratorien und die Gestaltung des Unterrichts an den Technischen Hochschulen“, die unter maßgeblicher Mitwirkung R.s gefaßt worden waren. In den folgenden Jahren wurden an allen dt. Technischen Hochschulen technische Laboratorien eingerichtet und das Studium praxisbezogener ausgerichtet. Gleichzeitig forderte R. aber auch, daß die Technischen Hochschulen wie die Universitäten „höchste wissenschaftliche Ziele“ verfolgen sollten. In seiner Denkschrift „Unsere Hochschulen und die Anforderungen des 20. Jh.“ (1898) forderte er daher, den Technischen Hochschulen das Promotionsrecht einzuräumen, und erklärte die Gleichberechtigung von Hochschule und Universität zu einer „Lebensfrage der gesamten dt. Technik“. Mit diesen Forderungen erzeugte R. heftige Auseinandersetzungen, in denen er von Adolf Slaby (1849–1913) und Karl v. Bach (1847–1931) wesentlich unterstützt wurde. Wilhelm II. verkündete auf der „Hundertjahrfeier“ der TH Charlottenburg|1899 (bezogen auf die Gründung der „Bauakademie“ 1799) die Gleichstellung von Universitäten und Technischen Hochschulen und verlieh letzteren als preuß. König das Promotionsrecht. Im selben Jahr zum Rektor gewählt, sah sich R. auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Seine Bemühungen um eine „Akademie der technischen Wissenschaften“ scheiterten indes trotz ksl. Unterstützung. 1907 trat R. nochmals mit der Gründung des „Instituts für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugtechnik“ an der TH Charlottenburg hervor, des ersten seiner Art in Deutschland. Danach zog er sich zunehmend aus der Hochschulpolitik zurück; die voranschreitende Spezialisierung der technischen Disziplinen vertrug sich nicht mehr mit dem „System Riedler“. Die fachbezogenen Arbeiten R.s behandeln u. a. schnellaufende Pumpen („Riedlers Schnelläufer“), Kompressoren und Dampfturbinen. Außerdem verfocht er die Einführung einer strikt an den technischen Erfordernissen orientierten Methode des Maschinenzeichnens. 1921 emeritiert, verbrachte R. seine letzten Lebensjahre in Wien.|

  • Auszeichnungen

    Grashof-Denkmünze d. VDI (1897); Dr. Ing. E. h.; Dr. techn. h. c; Geh. Reg.rat.

  • Werke

    u. a. Indicator-Versuche an Pumpen u. Wasserhaltungsmaschinen, 1881;
    Die Kraftversorgung v. Paris durch Druckluft, 1889;
    Das Maschinenzeichnen, 1896, 21913, Neudr. 1923;
    Schnellbetrieb, Erhöhung d. Geschwindigkeit u. Wirtschaftlichkeit d. Maschinenbetriebe, 1899;
    Über d. geschichtl. u. zukünftige Bedeutung d. Technik, 1900;
    Groß-Gasmaschinen, 1905;
    Dieselmotoren, 1914;
    Emil Rathenau u. d. Werden d. Großwirtschaft, 1916;
    Hg.:
    Chronik d. Kgl. Techn. Hochschule zu Berlin 1799-1899, 1899.

  • Literatur

    O. Kammerer, in: FF 12, 1936, S. 458 f.;
    C. Matschoß, in: Rdsch. techn. Arbeit, 1936, Nr. 46, S. 5;
    P. Rieppel, in: VDI-Zs. 80, 1936, S. 1517-19 (P);
    Elektrotechnik u. Maschinenbau 54, 1936, S. 604;
    O. Kammerer, R. als Lehrer u. Ing., 1938;
    G. Grüner, Die Entwicklung d. höheren techn. Fachschulen im dt. Sprachgebiet, 1967, S. 132;
    V. Hunecke, Der „Kampf ums Dasein“ u. d. Reform d. techn. Erziehung im Denken A. R.s, in: R. Rürup (Hg.), Wiss. u. Ges., I, 1979, S. 301-14 (mit unvollst. W-Verz.);
    K.-H. Ludwig u. W. König (Hg.), Technik, Ing. u. Ges., Gesch. d. VDI 1856-1981, 1981, S. 145 ff., 149 ff.;
    K.-H. Manegold, in: Berlin. Lb., Techniker, 1990, S. 293-307 (P);
    ÖBL;
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Claus Priesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesner, Claus, "Riedler, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 576-577 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116536039.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA