Lebensdaten
1731 bis 1792
Geburtsort
Stammheim bei Calw
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dichter ; Hofpfalzgraf
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116525940 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haug, Balthasar

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Zitierweise

Haug, Balthasar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116525940.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg (1694–1776), Schultheiß u. hirsau. Amtspfleger zu Stammheim, S d. Schmieds Martin u. d. Barbara N. N.;
    M Anna Maria (1694–1777), T d. Georg Weiß, Bauer u. Richter in Döffingen, u. d. Anna Maria Berner;
    Jakobina Frieder., T d. Kirchenrats, Expeditions- u. Tutelarrats Jak. Frdr. Elsäßer (1707–73) u. d. Frieder. Magdalena Golther;
    5 S, 5 T, u. a. Friedrich (s. 2).

  • Leben

    Zum Geistlichen bestimmt, durchlief H. nach dem Besuch des Stuttgarter Gymnasiums die württembergischen Klosterschulen und das Tübinger Stift, erwarb 1753 die Magisterwürde und wurde nach Abschluß seines Theologiestudiums 1757 auf die Pfarrei Niederstotzingen berufen, 1763 auf die Pfarrei Magstadt. In frühen dichterischen Versuchen behandelte er, gewandt aber altväterlich, religiöse und moralische Stoffe, Sein Hauptwerk, „Der Christ am Sabbath“ (3 Teile, Ulm 1763 f.), ist eine Sammlung frommer, lehrhafter Lieder. Für eine Ode auf Maria Theresia wurde er 1761 „gekrönter Dichter“. – Herzog Carl Eugen von Württemberg verschaffte H. 1766 eine Professur am Stuttgarter Gymnasium, rief ihn aber an seinen Ludwigsburger Hof, dessen Feste er mit dem von ihm herangezogenen Schubart durch Gedichte, Reden und Vorträge verschönen mußte. Auch zu seiner Académie des Arts und der militärischen Pflanzschule, der späteren Hohen Karlsschule, zog ihn der Herzog bei. Seit 1775 war H. dort Professor für Mythologie, deutschen Briefstil und Kunstaltertümer. Häufig hatte er Festreden zu halten und Festgedichte zu verfassen. Daneben lehrte er am Gymnasium und war seit 1776 Prediger an der Stiftskirche zu Stuttgart.

    Vielseitig interessiert, war H. auf vielen Gebieten, von der Theologie bis zur Historie, Archäologie, Philologie, Pädagogik und Kunstgeschichte, schriftstellerisch tätig. Seine Bedeutung liegt aber weder darin noch in seinen poetischen Versuchen, sondern in seiner Funktion als literarischer Mittler und Anreger. Durch seine zahlreichen Schriften und, seit 1774, die Herausgabe einer schönwissenschaftlichen Zeitung unter verschiedenen Titeln (unter anderem „Schwäbisches Magazin von gelehrten Sachen“, 1775-80, „Zustand der Wissenschaften und Künste in Schwaben“, 1780-82), zu der auch der junge Schiller Beiträge lieferte, öffnete er das Verständnis für die zeitgenössische Literatur und verbreitete deren Kenntnis. Der von England und Frankreich kommenden Aufklärung bereitete er den Boden. Dem Versuch, die Ehre der vielgeschmähten einheimischen Literatur zu retten, galt eine Reihe von Veröffentlichungen, so schon 1762 der „Zustand der schönen Wissenschaften in Schwaben“, namentlich aber „Das gelehrte Wirtemberg“ (1790), eine Zusammenstellung aller Württemberger im In- und Ausland, die auf irgendeinem Gebiet Schriften herausgegeben hatten. Mögen diese viel bespöttelten Veröffentlichungen mehr statistisch-biographische Angaben als Beiträge zur Literaturgeschichte enthalten, so hat H. damit doch den erfolgreichen Versuch unternommen, das Selbstbewußtsein Schwabens gegenüber der übrigen deutschen Literatur zu wecken und zu stärken. In seinem Bemühen um die Pflege und Reinheit der deutschen Sprache ist er neben Schubart zu stellen, mit dem ihn wie mit vielen anderen Persönlichkeiten ein reger Briefwechsel verband.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. gelehrter Gesellschaften; Hofpfalzgraf 1769.

  • Werke

    W-Verz. in: Das gel. Wirtemberg, Stuttgart 1790, S. 87-93.

  • Literatur

    ADB XI;
    A. F. Batz, Beschreibung d. Hohen Karlsschule, Stuttgart 1783, S. 104 f.;
    K. Pfaff, Gesch. d. Fürstenhauses u. Landes Wirtemberg IV, 1850, S. 453 f.;
    R. Krauß, Schwäb. Lit.gesch. I, 1897, S. 150 ff.;
    Gesch. d. humanist. Schulwesens in Württemberg, hrsg. v. d. Württ. Komm. f. Landesgesch., III, 2, T. 1, 1927 f., S. 248 ff.;
    R. Uhland, Gesch. d. Hohen Karlsschule in Stuttgart, 1953/54, S. 317-19;
    Heyd II, IV, VI, VIII.

  • Portraits

    Stich v. J. G. Sauter nach Cem. v. Schlehauf, in: Lehrgedichte üb. d. vornehmsten Gegenstände d. christl. Rel., Stuttgart 1778 (= 2. Aufl. d. Christ am Sabbath).

  • Autor/in

    Robert Uhland
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhland, Robert, "Haug, Balthasar" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 88 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116525940.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Haug: Balthasar H., wurde am 4. Juli 1731 zu Stammheim bei Calw in Württemberg geboren, unterrichtet von dem Pfarrer Riderer daselbst, dann von 1743 an im Gymnasium zu Stuttgart, in den Klöstern (niederen evangelisch-theologischen Seminarien) zu Blaubeuren (1746) und Bebenhausen (1748). Er studirte evangelische Theologie im Tübinger Stift von 1751 an, magistrirte 1753 mit Auszeichnung, bestand das theologische Examen 1756. Im J. 1757 erhielt er die Pfarrei Niederstotzingen nordöstlich von Ulm. Einen Ruf als Rector an das Gymnasium poëticum zu Regensburg 1762 schlug er aus, wurde 1763 oder 64 zum Pfarrer in Magstatt bei Stuttgart, 1766 zum Professor am Gymnasium zu Stuttgart ernannt, aber vom Herzog bis 1773 in Ludwigsburg mit Privataufträgen beschäftigt, so daß er erst 1773 sein Professorat antreten konnte. Seit 1772 bei festlichen Gelegenheiten als Redner und Examinator an der Militärakademie, späteren hohen Karlsschule, verwendet, wurde er im Januar 1776 unter Beibehaltung seiner Stelle am Gymnasium zum Professor an der Akademie ernannt, als welcher er zuerst philosophische Geschichte, Logik, schöne Wissenschaften und deutschen Stil, später Mythologie und Kunstalterthümer docirte. Im September 1776 wurde er zugleich Mittwochsprediger an der Stiftskirche. Außer diesen amtlichen Ehren wurden ihm für seine litterarische Thätigkeit mannigfache Auszeichnungen zu Theil. 1761 wurde er gekrönter Dichter zum Dank für ein Gedicht auf Maria Theresia; im gleichen Jahr Mitglied der deutschen Gesellschaft zu Helmstädt und der Gesellschaft der freien Künste zn Leipzig, 1768 Ehrenmitglied der württembergischen Académie des arts, 1769 durch den Fürsten von Fürstenberg Hof- und Pfalzgraf, 1771 Mitglied der lateinischen markgräfl. badischen, 1773 der Jenaischen deutschen Gesellschaft. H. starb nach längerer Kränklichkeit am 3. Januar 1792 zu Stuttgart. — Die literarische Thätigkeit Haug's war ebenso vielseitig als ausgedehnt; sie erstreckte sich über alle Gebiete der theologischen, philologisch-archäologischen, pädagogischen und litterarischen Disciplinen. Vor allem verdankt Schwaben auf dem Gebiete der schönen Litteratur ihm ein gutes Theil von dem Aufschwunge, den es zu den Zeiten Schubart's u. A. gemacht hat. Seine eigene Thätigkeit als Dichter und Litterator ist von ungleichem Werthe und hat sich auch den Veränderungen des Zeitgeschmacks mit einer gewissen Elasticität angeschmiegt; ein wesentlicher Fortschritt ist im Ganzen nicht zu leugnen. Mehr hat H. geleistet durch die Gründung einer schwäbischen litterarischen Zeitschrift, welche 1774 als „Gelehrte Ergözlichkeiten und Nachrichten“, 1775—80 als „Schwäbisches Magazin von gelehrten Sachen“, 1781—82 als „Zustand der Wissenschaften und Künste in Schwaben“ erschien; sie war ein Repertorium für die verschiedensten poetischen, litterarischen, statistischen etc. Arbeiten und ein Sammelplatz für die Schriftsteller Schwabens, denen es an einem solchen bis dahin gefehlt hatte; u. a. enthielt das „Magazin“ Schiller's erste Gedichte. — Von den zahlreichen übrigen Arbeiten Haug's ist besonders sein „Gelehrtes Wirtemberg“ (1790) zu erwähnen, eine zumal für ihre Zeit und als erster Versuch vortreffliche Biographie und Bibliographie der Autoren Württembergs, bis heute eine der wichtigsten Quellen für dieses Gebiet; ferner etwa seine „Amoenitates gymnasticae“, 1780—86, gesammelt 1786 unter dem Titel: „Historia litteraria gymnasii illustris Stuttgardiani"; „Die Liederdichter des wirtenbergischen Landgesangbuchs“, 1780; „Die Alterthümmer der Christen“, 1785; und, auch zur Vergleichung mit dem bedeutenden Fortschritt in seinen späteren Arbeiten, „Zustand der schönen Wissenschafften in Schwaben“, von 1762.

    • Literatur

      S. Haug's Autobiographie im Schwäb. Magazin, 1776, S. 682 ff.; dazu (Batz) Beschreibung der Hohen Karlsschule, S. 104 ff.; Haug's Gel. Wirtemberg; Meusel's Lexikon; die Gedenkschrift „Zum Gedächtniß des etc. B. Haug“, Stuttg. 1792; in Strauß, Schubart's Leben, und Wagner, Gesch.|der Hohen Karlsschule, findet sich manches über Hang. — Werke im Gel. Wirtemberg und bei Meusel. — Bildniß vor der zweiten Ausgabe (1778) von Haug's Gedicht „Der Christ am Sabbath“.

  • Autor/in

    Hermann , Fischer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Hermann, "Haug, Balthasar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 50-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116525940.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA