Lebensdaten
1744 bis 1823
Geburtsort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116507497 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Christ, Joseph Anton

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Zitierweise

Christ, Joseph Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116507497.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Frdr. ( 1783), passauischer Kanzlist;
    M Anna Kath.;
    1) um 1766 Isabella Maria Peixoto de Costa (1742–84) aus Lissabon, 2) Riga 1786 Cath. Barbara (1762/3-1795), geschiedene Blank, geb. Michelsohn (luth.), 3) Leipzig 1796 Joh. Amalia Carol. (1763-1844), T des preußischen Soldaten Christopher Schröder (luth.);
    9 K aus 1) u. a. Ant. (ca. 1772 bis 1778), Maria Anna ( Schausp. Mende), Caroline ( 1792), Margarethe, alle Schauspieler, 3 K aus 2) u. a. Friderica Antoinette Josephine (1788–1833, Schauspieler Andr. Dan. Schirmer), Schauspielerin bei der Seconda'schen Ges. u. 1819 bis 1833 bei der kgl. Hofbühne in Dresden (s. ADB IV unter Jos. Ant. Christ u. ADB XXXI unter Schirmer), Constantina Henriette Doroth. (1790-1853, Dresden 1821 Schauspieler Joh. Gottfr. Bergmann);
    1 S aus 3).

  • Leben

    Christ wurde in einem Jesuitenkloster erzogen, entfloh aber und nahm in einem österreichischen Husarenregiment am Siebenjährigen Krieg teil. 1765 betrat er bei der Ilgenerschen Truppe in Salzburg unter dem Namen Suitangi zum ersten Mal die Bühne. 1772 ging er als jugendlicher Liebhaber und Tänzer nach Prag. Seine wechselvolle Theaterlaufbahn führte ihn 1773 zu Döbbelin nach Braunschweig, Magdeburg, Leipzig und Berlin; 1778 zu Friedrich Ludwig Schröder nach Hamburg; 1779 zur Bondinischen Truppe nach Leipzig; 1783 nach Petersburg und anschließend 1784-88 nach Riga zu Mayer und Koch, wo er von den Liebhaber- und Chevalierrollen allmählich ins Fach der komischen und edlen Väter überwechselte. Ab 1790 gehörte er dem Nationaltheater in Mainz an. 1793 ging er zur Franz von Seconda'schen Gesellschaft nach Prag, der er nach Dresden und Leipzig folgte. - Christ verstand es, mit den scheinbar einfachsten äußeren Mitteln, mit einer bei aller Wandlungsfähigkeit sparsamen Gestik und Mimik, überzeugende Charaktere auf die Bühne zu stellen - vom Riccaut de la Marlinière, Marinelli und dem Präsidenten in „Kabale und Liebe“ bis zum Vater Moor, Polonius und Kriegsrat Dallner in Ifflands „Dienstpflicht“.

  • Werke

    Schauspielerleben im 18. Jh., Erinnerungen v. J. A. Ch., Zum ersten Male veröff. v. R. Schirmer, 1912 (zahlr. P).

  • Literatur

    ADB IV;
    D. Reimers, Gesch. d. Rigaer Dt. Theaters 1782-1822, Diss. Freiburg i. Br. 1942;
    F. J. v. Rehden-Esbeck, Dt. Bühnen-Lex. I, 1879, S. 92 f.;
    Eisenberg (auch f. T Friederike);
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    Medaillon, radiert v. Rosenberg, in: Theater-Kal. a. d. J. 1779 v. Reichard;
    Kupf. v. P. W. Schwarz, in: Taschenb. f. d. Schaubühne a. d. J. 1796 v. Reichard, Gotha, Nürnberg 1795.

  • Autor/in

    Margot Berthold
  • Empfohlene Zitierweise

    Berthold, Margot, "Christ, Joseph Anton" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 217 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116507497.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Christ: Joseph Anton Ch., bedeutender Schauspieler, geb. 1744 zu Wien, sollte in einem Jesuiteninstitut erzogen werden, entfloh aber um als Husar einen Theil des siebenjährigen Krieges mitzumachen. Nach seiner Verheirathung mit Isabella Maria Peixoto de Costa aus Lissabon (geb. 1742) trat er 1765 unter dem Namen Puitangi zur Ilgner'schen Schauspielertruppe, wurde 1773 Mitglied der Döbbelin'schen Gesellschaft und zeichnete sich bei dieser als Chevalier, wie auch in jugendlichen Helden- und Liebhaberrollen rühmlich aus. Schröder berief ihn 1778 nach Hamburg, wo er am 22. April in Lenzens „Hofmeister“ zum ersten Male auftrat. Anstandsrollen und Glücksritter gab er nach F. L. W. Meyer's Mittheilungen meisterhaft, dagegen erschien er im eigentlichen Trauerspiel in heftigen Charakterrollen minder wahr, woran ebensowol sein österreichischer Dialekt, wie auch seine Gedächtnißschwäche, die ihm stets anhaftete, die Schuld trugen. Von Hamburg wandte sich Ch. 1779 nach Leipzig zur Bondini'schen Gesellschaft und debutirte hier als Hauptmann Absolut in den „Nebenbuhlern“. Seit 1783 Mitglied des Petersburger deutschen Theaters, begann er im folgenden Jahr bei den Directoren Meyer und Koch in Riga ein mehrjähriges Engagement mit seiner hervorragendsten Leistung, dem Riccaut de la Marlinière. Bereits in Hamburg hatte Ch. am 27. Oct. 1778 eines seiner talentvollen Kinder, Namens Anton, durch den Tod verloren, jetzt traf ihn in Riga ein doppelter Verlust, indem ihm erst seine Gattin (debutirte 1765) und bald darauf seine elfjährige Tochter starb. Als Amtsrath Poll in „Das Blatt hat sich gewendet“ betrat Ch. zum ersten Mal das Mainzer Nationaltheater, dem er bis 1793 angehörte, in welchem Jahr er zur Franz Seconda'schen Gesellschaft nach Prag und von dort und mit ihr nach Dresden und Leipzig reiste. Bis zu seiner Pensionirung (1817) ununterbrochen Mitglied genannter Gesellschaft starb Ch. 1824 zu Dresden, nachdem er neun Jahre vorher am 14. Sept. 1815 als Kriegsrath Dallner in Iffland's „Dienstpflicht“ sein 50jähriges Jubiläum gefeiert hatte. Von seinen Kindern, die sämmtlich der Bühne angehörten, aber zumeist früh starben, hat nur seine Tochter Friederike einen dauernden Platz in der Theatergeschichte sich errungen. Von ihrem Vater für die Bühne ausgebildet, gehörte sie lange Zeit dem Seconda'schen Schauspielerverband und nach der Gründung des Dresdener Hoftheaters diesem an. Seit 1808 mit dem Schauspieler Schirmer verheirathet, starb sie 1833 zu Dresden. Sie wird als eine der besten Darstellerinnen in muntern und sentimentalen jugendlichen Rollen, die sie später mit Anstandsdamen und Müttern vertauschte, bezeichnet. Ch. gehört unzweifelhaft zu den besten Vertretern der deutschen Schauspielkunst. Edle Einfachheit, strengste Einhaltung des Natürlichen waren seinen Darstellungen eigen, er copirte nichts Aeußerliches, er schuf aus dem Inneren heraus und so sehr er auch auf der Bühne zu Hause war, nirgends verließ er sich auf die Routine, sondern durchdrang den darzustellenden Charakter mit geistiger Schärfe. Von eminenter Wandlungsfähigkeit, spielte er die verschiedensten Rollen und war in jeder ein Anderer, so daß ein zeitgenössischer Kritiker treffend von ihm sagte: Sein Gesicht, sein Körper ist alles, was er will. Aussicht auf den lärmenden Beifall der Menge verleitete ihn nie sich auf Kosten des Ganzen oder seiner Rolle zu überheben. Sein Aeußeres entsprach seinem Beruf, dagegen war seine Stimme ein wenig monoton, sein Gedächtniß — wie bereits angedeutet — trotz allen Fleißes treulos. Riccaut de la Marlinière, Marinelli, Präsident (Cabale u. Liebe), Stahl (Hausfreunde), Dallner (Dienstpflicht), Krustjew (Graf Benjowsky), Walker (Porträt der Mutter), Werdam (Erinnerung), Philipp (Carlos), Wellenberger (Advocaten), Graf (Puls), Polonius (Hamlet) zählten zu seinen besten Leistungen.

    • Literatur

      Außer einer in den Daten sehr ungenauen Biographie Z. Funk's im 2. Bd. des Allg. Theater-Lex. vgl. zur Kritik seines Spiels namentlich J. G. Rhode's Allg. Theaterztg. (Berlin 1800) 1. Bd. u. Streifereyen im Gebiet der Dramaturgie (Lpz. 1790). Eine Abschiedsrede von ihm findet man im Theater-Journal für Deutschland St. VIII. S. 12f., sein Porträt im Reichhard'schen Theaterkalender für 1779 u. 1796.

  • Autor/in

    Joseph Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Christ, Joseph Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 143-144 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116507497.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA