Lebensdaten
1829 bis 1870
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Sprachforscher
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116495502 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geiger, Elieser Lazarus Salomon
  • Geiger, Lazarus
  • Geiger, Elieser Lazarus Salomon

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Zitierweise

Geiger, Lazarus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116495502.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1600 in F. ansässiger u. d. Namen führender Fam.;
    V Salomon (1792–1878), Handelsmann, Rabbiner u. Privatgel., Vf. d. liturg. Werks „Dibre kehilloth“, S d. Michael Lazarus (1757–1823), Vorsänger d. jüd. Gemeinde in F., u. d. Rabbiner-T Rosalie Wallau;
    M Fanny (1802–87), T d. Lemle Geiger (1773–1820. B d. Michael Lazarus, s. o.), Papierhändler in F., u. d. Teiche Flörsheim;
    Schw Helene ( Veit L. Homburger, Bankier in Karlsruhe);
    Vt Ludwig (s. 2); ledig;
    N Moritz (s. 3).

  • Leben

    Nach Abbruch einer Buchhändlerlehre in Mainz (1842–44) und dem Besuch des Gymnasiums in Frankfurt/Main (1845–47) studierte G. Sprachwissenschaft und Philosophie 1847-49 an den Universitäten Bonn, Heidelberg und Marburg, war ab 1850 Privatgelehrter in Frankfurt/Main und ab 1861 daselbst Lehrer für deutsche Sprache, mathematische Geographie und Hebräisch an der israelitischen Real- und Volksschule Philanthropin. Als Mensch war er geprägt durch seinen jüdisch-orthodoxen Glauben. – G. versuchte in seinen Hauptwerken „Ursprung und Entwicklung der menschlichen Sprache und Vernunft“ (2 Bände, 1868–72, II, 21899) und „Der Ursprung der Sprache“ (1869, 21878) die psychologisch-philosophische Methode, ähnlich wie Hermann Steinthal, auf die Sprachforschung, besonders auf die Lehre von der Entstehung der Sprache, anzuwenden. Nach G. ist die Sprache, mit der gemeinsam sich die Vernunft langsam entwickelt hat, in ihren Ursprüngen nicht Schallnachahmung, sondern eine sinn- und bedeutungslose Entladung auf Grund optischer Erlebnisse; die zunächst vollkommen schwankende Bedeutung der Lautgruppen festigt sich sprachgeschichtlich bis zum Entstehen der Begriffe. Es entwickelt sich nach G.s Vorstellung das Geistige aus dem in allen Elementen der Materie enthaltenen Lebendig-|Seelischen, womit er einen hylozoistischen Monismus vertritt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Terzinen beim Fall d. Synagoge v. Frankfurt/Main, 1854;
    Umfang u. Qu. d. erfahrungsfreien Erkenntnis, 1865;
    Über dt. Schriftsprache u. Grammatik, 1870;
    Zur Entwidklungsgesch. d. Menschheit, 1871, hrsg. v. Alfred Geiger, 21878.

  • Literatur

    ADB VIII (auch f. Fam.);
    L. A. Rosenthal, L. G., 1884;
    Enc. Jud.

  • Portraits

    Lith. in: O. Caspari, Die Urgesch. d. Menschheit I, 1873, zw. S. 176 u. 177.

  • Autor/in

    Gerhard Baader
  • Empfohlene Zitierweise

    Baader, Gerhard, "Geiger, Lazarus" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 143 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116495502.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Geiger: Lazarus G., geb. am 21. Mai 1829 in Frankfurt a. M., gest. am 29. August 1870. G., der Sohn eines jüdischen Privatgelehrten, erhielt bis zum 14. Jahre seine Bildung auf der katholischen Selectenschule seiner Vaterstadt, wurde, gegen seine Neigung von den Eltern zum Kaufmannsstande bestimmt, Buchhändler, verließ aber diesen Beruf sehr bald, um sich auf dem Gymnasium zu Frankfurt zu einem gelehrten Berufe vorzubereiten, studierte in Bonn, Heidelberg, Würzburg namentlich Philosophie und Sprachwissenschaft. Von 1861 bis zu seinem Tode war er Lehrer der deutschen Sprache, mathematischen Geographie und des Hebräischen an der israelitischen Real- und Volksschule in Frankfurt. Geiger's Hauptwerke: „Ursprung und Entwickelung der menschlichen Sprache und Vernunft“, 1. Bd. 1868, 2. Bd. 1872 (herausgegeben von Alfred G.) und „Der Ursprung der Sprache“, 1869, zeichnen sich innerhalb der sprachphilosophischen Forschungen der neueren Zeit durch einen eigenthümlichen, mit Scharfsinn, philosophischer Tiefe und reicher Sprachkenntniß vertretenen Standpunkt aus: „Die Sprache ist in ihrem Anfange ein thierischer Schrei, jedoch ein solcher, der auf einen Eindruck des Gesichtssinnes an sich erfolgt“ (Urspr. u. Entw. I, 22); „Die Sprache ist Entwickelung, nicht Entartung, sie beginnt nicht mit Reichthum, Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit, sondern mit dem geringsten, unscheinbarsten Besitz. Ihr gebührt unter allen menschlichen Geistesvermögen geschichtlich der erste Rang; sie ist die Quelle der Vernunft. Aus, an und in ihr hat sich die Vernunft selbst, nach den allenthalben im Universum herrschenden Gesetzen der Causalität, langsam und naturgemäß entwickelt“ (Urspr. d. Sprache XXVIII). — Kleinere Arbeiten Geiger's enthält „Zur Entwicklungsgeschichte der Menschheit“, 1871 (herausgegeben von Alfred Geiger.)

    • Literatur

      C. Peschier, Lazarus Geiger. Sein Leben und Denken. Augsb. Allgem. Ztg. Beilage 30. Dec. und 31. Dec. 1871. — Ders. unter demselben Titel, Frankfurt 1871.

  • Autor/in

    Leskien.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leskien, August, "Geiger, Lazarus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 507-508 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116495502.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA