Lebensdaten
1814 bis 1894
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Kommunalpolitiker ; Entomologe ; Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116439270 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Felder, Cajetan Freiherr von
  • Felder, C.
  • Felder, Cajetan von
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Zitierweise

Felder, Cajetan Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116439270.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias Gg. F. (1780–1826), Protokollist d. nd.österr. Landrechte, S d. Schuhmachers Josef in W., aus Siggen/Schwaben zugewandert;
    M Antonia (1788–1822), T d. Gutsinsp. Anton Zerza aus Mähren;
    Wien 1841 Josefine (1814–79), T d. Stadtphysikus Sowa in Wischau/Mähren;
    2 S (1 früh †), 1 T, u. a. Rudolf (1842–71), Mitarb. s. V.

  • Leben

    Der Frühverwaiste erwarb sich schon während seiner Wiener Studienzeit wie auch später auf weiten, zunächst meist zu Fuß und mit wenig Geld unternommenen Reisen Weltkenntnis, die durch die Beherrschung von mehr als einem Dutzend Sprachen ergänzt wurde und ihm im Verein mit scharfem Verstand und unermüdlichem Arbeitseifer einen raschen Aufstieg aus eigener Kraft ermöglichte. 1841 Dr. jur. und Advokaturskonzipient in Wien, unterrichtete F. ab 1845 auch an der Diplomatenschule Theresianum. 1848 brachte die Ernennung zum Advokaten und die Wahl in den Gemeinderat, aus dem er sich nach dessen Entmachtung 1850 zurückzog. 1861 wieder gewählt und Vizebürgermeister, leitete er die Geschicke der Stadt als Bürgermeister seit 1868. Aus Protest gegen unsaubere Machenschaften in der von ihm geführten liberalen „Mittelpartei“ trat er 1878 zurück. Dem niederösterreichischen Landtag seit 1861 angehörend, war er ab 1869 Landmarschall-Stellvertreter, 1880-84 Landmarschall. Rein politischer Betätigung abgeneigt, reorganisierte F. Verwaltung und Finanzwesen und gab den Beamten eine neue Dienstpragmatik. Er verfaßte auch die Gemeindestatuten von Waidhofen an der Ybbs und Wiener Neustadt. 1870 vollzog er die erste Ziviltrauung in Wien. Drei Aufgaben hatte sich F. vor allem gesetzt, die er auch mit Zähigkeit und zum Teil gegen Widerstand in der eigenen Partei durchführte: Den Bau der 1. Wiener Hochquellen-Wasserleitung 1870–73, für die er entsprechend den Anregungen von E. Sueß die Zufuhr von Hochgebirgswasser durchsetzte, die Donauregulierung 1870–75, für die er den Durchstich unter Heranführung des Stromes an die Stadt erfolgreich verfocht, und die Auflassung des Exerzierplatzes in der Josefstadt 1868, dessen zu einem der repräsentativsten Teile Wiens ausgestaltetes Gelände unter anderem auch das neue Rathaus (Grundsteinlegung 1873) aufnahm.

    Wissenschaftliches Ansehen erlangte F. durch seine viele Neubeschreibungen enthaltenden lepidopterolischen Arbeiten, die er zum Teil gemeinsam mit seinem frühverstorbenen Sohn Rudolf verfaßte, wobei er sich vielfach auf seine eigene Sammlung, damals wohl die umfangreichste Privatsammlung der Welt an Schmetterlingen und Käfern, stützen konnte. – Im Andenken der Nachwelt bald durch die volkstümlichere Gestalt seines Gegners und späteren Amtsnachfolgers K. Lueger verdrängt, bleibt F. dennoch eine der verdienstvollsten und eigenwilligsten Persönlichkeiten in der langen Reihe der Wiener Bürgermeister.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien, Ehrenmitgl. mehrerer entomolog. Ges.

  • Werke

    W u. a. Hdb. d. seit 1840 erflossenen auf d. gerichtl. Verfahren sich beziehenden Declaratorien u. d. einschlägigen Gefällsgesetze f. sämmtl. nicht ungar. Provinzen, 1846;
    Lepidopterol. Fragmente, in: Wiener Entomol. Mschr. 3, 1859, 4, 1860 (mit Rudolf Felder);
    Die Gemeindeverwaltung d. Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien in d. J. 1867-70, 1871, 21872;
    desgl. 1871-73, 1874;
    desgl. 1874-76, 1878;
    Lepidoptera, in: Reise d. österr. Fregatte „Novara“ um d. Erde, Zool. T., II, Abt. 2, 1864-75 Rhopalocera mit Rudolf Felder, v. d. Heterocera ersch. nur d. Tafeln ohne Text [mit A. Rogenhofer]);
    vgl. CSP 2, 7, 12;
    Meine Jugendzeit, hrsg. v. K. Glossy, in: Österr. Rdsch. 1, 1904/05;
    Aus den Memoiren e. Wiener Bürgermeisters, hrsg. v. dems., 1925 (Teilveröff. aus F.s umfangreichem Ms. im Wiener Stadtarchiv).

  • Literatur

    ADB 48;
    Fremden-Bl. v. 19.9.1874, 6.7.1890, 30.11.1894 (Abendbl.);
    Neues Wiener Tagbl. v. 30.11.1894 Abendausg. (= Neues Wiener Abendbl.), 27.11. u. 4.12.1904;
    J. Hann, in: Alm. Ak. Wien 45, 1895, S. 272-75 (entomol. W, P);
    K. Glossy, in: NÖB IV, S. 206-24 (L, P);
    I. Neuwirth, Dr. C. F., phil. Diss. Wien 1942 (L, ungedr.);
    M. Nemetz, Die Bürgerm. Wiens u. d. städt. Einrichtungen in d. 2. Hälfte d. 19. Jh., phil. Diss. Wien 1948 (L, ungedr.);
    Botanik u. Zool. in Österreich in d. J. 1850-1900, 1901 (entomol. W, P);
    Kosch, Kath. Dtld. (P);
    ÖBL (L).Zu S Rudolf: Verhh. d. zool.-botan. Ges. in Wien 22, 1872, S. 41-50;
    ÖBL.

  • Portraits

    Ölgem. v. H. Canon, 1874 (Wien, Rathaus);
    Marmorbüste v. K. Kundmann (ebd.);
    Gedenkmünze v. A. Scharft, 1877, vgl. Numismat. Zs. 13, 1881, S. 397.

  • Autor/in

    Helmut Dolezal
  • Empfohlene Zitierweise

    Dolezal, Helmut, "Felder, Cajetan Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 67 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116439270.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Felder: Cajetan Freiherr von F., hervorragender Jurist und Entomologe, wurde geboren am 19. September 1814 in Wien. Nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt absolvirt hatte, bezog er die Universität daselbst. Obgleich ihn seine große Liebe zur Natur zum Studium der Naturwissenschaften hinzog, widmete er sich doch dem Wunsch seines Vaters folgend dem Studium der Rechtswissenschaft. Nach seiner Promotion 1841 habilitirte er sich als Privatdocent für Völkerrecht und Statistik, 1848 wurde er zum Hof- und Gerichtsadvocaten ernannt; l868 zum Bürgermeister von Wien erwählt; 1869 zum lebenslänglichen Mitglieds in das Herrenhaus berufen; 1878 in den Freiherrnstand erhoben; 1880 zum Landmarschall von Niederösterreich ernannt. In seinen Mußestunden widmete sich F. mit großem Eifer naturwissenschaftlichen Forschungen und zog ihn namentlich die Entomologie an. Er durchforschte nicht nur sein Heimathland, sondern unternahm auch mehrere naturwissenschaftliche Reisen in die Polargegenden und die Tropen. So bildete er sich allmählich zu einem der kenntnißreichsten Lepidopterologen aus. Gemeinsam mit seinem Sohn Rudolf veröffentlichte er zahlreiche kleinere entomologische Arbeiten in den Verhandlungen der zool.-bot. Gesellschaft in Wien und in anderen Zeitschriften. Seine bedeutendste Arbeit ist die Bearbeitung des lepidopterologischen Theiles des Werkes: „Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde“ (Wien 1864—75). Nachdem F. durch ein Augenübel gezwungen war, in den Ruhestand zu treten, starb er am 30. November 1894.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Felder, Cajetan Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 510-511 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116439270.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA