Lebensdaten
1833 bis 1912
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Generalleutnant ; Chef des Militärkabinetts
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116391707 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hahnke, Karl Wilhelm Gustav Bernhard Ferdinand von
  • Hahnke, Wilhelm von
  • Hahnke, Karl Wilhelm Gustav Bernhard Ferdinand von
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hahnke, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116391707.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (preuß. Adel 1836, 1793-1861), Dir. d. Kadettenhauses Kulm, zuletzt Oberst im Kriegsmin. u. Vorsteher d. Geh. Kriegskanzlei, S d. Bäckermeisters Joh. Chrstn. in Marienwerder u. d. Anna Louise Pflugk;
    M Angelique (1808–73), T d. Gustav v. d. Lancken, auf Neukladow, u. d. Karoline Brandt v. Lindau;
    - Berlin 1865 Josephine (1842–1911), T d. Frdr. v. Bülow (1789–1853), preuß. Geh. Legationsrat, u. d. Ida v. Carlawitz; Schwäger Otto v. B. (1827–1901), preuß. Gesandter (s. NDB II*), Adolf v. B. (1837–1907), preuß. Gen. d. Kav. u. Gen.-Adj.;
    7 S, 2 T, u. a. Wilhelm (1867–1931, Schwieger-S d. Gen. Alfr. Gf. v. Schlieffen, 1913), preuß. Gen.-Major u. Oberquartiermeister d. 11. Armee, Oskar (1872–1926), Dr. rer. pol., Oberst a. D., Mitgl. d. Reichswirtsch.rats. Vorstandsmitgl. d. Reichslandbunds, Adolf (1873–1936), Reg.-Präs., Kurator d. Univ. u. TH Bsreslau.

  • Leben

    Als H. 1888 kurz nach der Regierungsübernahme Wilhelms II. zum Chef des Militärkabinetts ernannt wurde, hatte er eine Karriere hinter sich, die ihn seit dem Diensteintritt 1851 auf üblichem Wege über den Kompanieführer von 1864 und Stabsoffizier von 1866 und 1870/71 (Major im Generalstab) bis zum Generalleutnant geführt hatte. Obschon der Generalstabschef Graf Waldersee bereits 1889 seinen Sturz betrieb, vermochte sich H. zu behaupten, da Wilhelm II. sich mit ihm „eingearbeitet“ hatte und ihn auch während der parlamentarischen und publizistischen Angriffe 1895/96 (Kölnische Zeitung) im Zusammenhang mit der Militärstrafprozeßreform deckte. Erst 1901 ist H., wohl vornehmlich aus Altersgründen, durch Dietrich Graf von Hülsen-Haeseler ersetzt worden. Er wurde nunmehr noch zum Oberstkommandierenden in den Marken und in Berlin (bis 1909), zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit (1903) und zum preußischen Generalfeldmarschall (1905) ernannt. – Der Beziehungskreis, das Ausmaß und die Auswirkungen der H.schen Kabinettspolitik sind kaum in Umrissen bekannt. – Waldersee als Generalstabschef hat ihn zweifellos unterschätzt, wenn er in ihm nur den „kreuzbraven und ehrenwerten Mann“ zu sehen meinte, dem es „an Fähigkeiten gebreche“. Beim Sturz Bismarcks und bei der Abdrängung Waldersees nach Hamburg (Januar 1891) hat H. bereits aktiv mitgewirkt. In der Folgezeit vermied er möglichst Konflikte mit dem zurückhaltenderen Generalstabschef Graf Schlieffen. Dagegen häuften sich während H.s Amtszeit die Übergriffe des Militärkabinetts in das Ressort des Kriegsministers, aber auch in andere Ressorts. In dem Kampf um die Reform der Militärstrafprozeßordnung beeinflußte er den Kaiser im Sinne eines ultrakonservativen Standpunktes: „Die Armee müsse immer ein abgesonderter Körper bleiben, in den niemand mit kritischen Augen hineinsehen dürfe“ (zu Reichskanzler Hohenlohe, 2.11.95). Reformanhänger wie die Generäle von Schlichting, von Blume und von Spatz wurden im Frühjahr 1896 verabschiedet. Der Sturz des preußischen Kriegsministers Walter Bronsart von Schellendorf im Sommer 1896 wurde auch in der Öffentlichkeit als Sieg der Kabinettschefs angesehen. In erster Linie war es ein Erfolg des „Militärlucanus“, wie der „Kladderadatsch“ H. in Anspielung auf den nicht minder unbeliebten Chef des Zivilkabinetts F. K. H. von Lucanus apostrophiert hatte. Übereilte Entschlüsse des Monarchen vermochte H. mitunter zu korrigieren, so im Fall des genannten ehemaligen Kriegsministers Bronsart von Schellendorf (6.-20.1.1897). In nichtmilitärischen Fragen ist Wilhelm II. von H. kaum je mit Weitblick beraten oder rückhaltlos aufgeklärt worden; lediglich unter dem Eindruck der Tagesereignisse hat er dem Kaiser mitunter kritisch gegenübergestanden. Die Personalpolitik des Militärkabinetts im engeren Sinne ist von H. formal und sachlich, nach dem Urteil mehrerer militärischer Kritiker, überwiegend nicht glücklich geführt worden. Eine Mitwirkung H.s an der Berufung des jüngeren Moltke zum „Adlatus“ (= Generalquartiermeister) Schlieffens (1904) ist dagegen nicht nachweisbar. Die Personalpolitik litt freilich auch vor 1901 unter der Unausgeglichenheit und dem Neuerungsbedürfnis des Monarchen. Andererseits räumte dessen Arbeitsscheu dem Bürogeneral H. eine einflußreiche Position unter den nichtverantwortlichen Ratgebern ein, die H. im Sinne seiner Richtung zu nutzen verstanden hat. Mit H. als erstem Berater hat sich Wilhelm II. nach und nach daran gewöhnt, den Oberbefehl über die preußische Armee in wesentlichen Teilen zu delegieren und die Armeeführung als eine vornehmlich repräsentative Aufgabe zu verstehen. Der konfliktlose de-facto-Verzicht im 1. Weltkrieg auf Rechte und Pflichten als „Oberbefehlshaber“ ist zu einem Teil während der Kabinettszeit H.s psychologisch und strukturell vorbereitet worden.

  • Literatur

    Denkwürdigkeiten d. GFM A. Gf. v. Waldersee, hrsg. v. H. O. Meisner, Bd. 2 u. 3, 1922;
    R. Schmidt-Bückeburg, Das Mil.kab. d. preuß. Könige u. dt. Kaiser, 1933, S. 185 ff.;
    BJ 18 (Tl. 1912, L).|

  • Quellen

    Qu.: Geh. Staatsarchiv Berlin, Rep. 92 (Nach laß Wilh. v. Hahnke [S]). Der schriftl. Niederschlag v. H.s dienstl. Tätigkeit ist mit d. Heeresarchiv Potsdam 1945 verbrannt. Der Verbleib d. persönl. Nachlasses ist unbekannt.

  • Autor/in

    Gerd Heinrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinrich, Gerd, "Hahnke, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 514-515 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116391707.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA