Lebensdaten
1802 bis 1857
Geburtsort
Gut Wendlinghausen (Lippe)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Statistiker ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 116374276 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reden, Friedrich Wilhelm Otto Ludwig Freiherr von
  • Reden, Friedrich Freiherr von
  • Reden, Friedrich Wilhelm Otto Ludwig Freiherr von

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Zitierweise

Reden, Friedrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116374276.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Klaus v. R. (1774-1840), hann. Oberstlt., S d. Klaus Friedrich (1736–91);
    M Philippine Auguste Amalie (1775–1841), T d. Adolph Frhr. v. Knigge (1752–1796), Schriftst. (s. NDB XII);
    Stettin 1841 Helene Loziczky de Baya (1815–97);
    2 S Friedrich (1842–89), Gutsbes., Alexander (1845–1909, österr. Frhr. 1894), auf Bennigsen, k. k. Vizepräs. d. Statthalterei f. Tirol u. Vorarlberg, 1 T Helene (1849–1917, Feodor Tilgner, 1887, preuß. Eisenbahnverkehrskontrolleur); Verwandter Friedrich Wilhelm Gf. v. R. (s. 1).

  • Leben

    R. studierte nach dem Schulbesuch in Detmold und Lemgo seit 1820 Rechts- und Kameralwissenschaften in Göttingen (1823 Dr. iur.) und trat 1824 in den hann. Staatsdienst ein (Amtsauditor bzw. Amtsassessor, 1831 Hilfsreferent im hann. Handelsmin.). Seit 1832 Mitglied der Ersten Kammer der Hann. Ständeversammlung und seit 1833 stellvertretender Generalsekretär und Redakteur der öffentlichen Mitteilungen über die Kammerverhandlungen, stellte R. 1833 dort den Antrag, Verhandlungen mit Preußen zwecks Aufnahme Hannovers in den Zollverein zu beginnen. 1834 war er Mitbegründer des Hann. Gewerbevereins, dessen Generalsekretär er bis 1840 blieb. Aus Protest gegen die Aufhebung der hann. Verfassung durch Kg. Ernst August schied R. 1837 aus dem Staatsdienst aus. Die berufliche Unterbrechung nutzte er zu schriftstellerischer Tätigkeit und Reisen durch Deutschland und Europa. 1841-43 war R. Direktor der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft, 1843 trat er als Referent für industrielle und Handelsangelegenheiten in das preuß. Ministerium des Äußeren ein. In dieser Funktion war er 1844 Mitorganisator der Dt. Gewerbeausstellung in Berlin, der bedeutendsten dieser Art. R. hatte 1846 maßgeblichen Anteil an der Gründung des „Vereins für dt. Statistik“, dessen Vereinsorgan er bis zu dessen Einstellung 1848 leitete. 1848 wurde er für den hann. Harzbezirk in die Frankfurter Nationalversammlung entsandt. Dort engagierte sich R., der sich der gemäßigt-linken Fraktion „Westendhall“ anschloß, v. a. im Volkswirtschaftlichen Ausschuß (Berichterstatter f. d. dt. Gewerbegesetzgebung im Plenum). 1849 wurde er auch in die Zweite Hann. Kammer gewählt, doch nahm er dieses Mandat nur kurze Zeit wahr. Nach der Ablehnung der Kaiserkrone durch Kg. Friedrich Wilhelm IV setzte sich R. weiterhin für die Durchsetzung der Reichsverfassung ein und initiierte entsprechende Anträge. Aufgrund dieses Engagements wurde er als preuß. Regierungsrat auf Wartegeld gesetzt. Den Rest seines Lebens widmete er sich der schriftstellerischen Tätigkeit, seit 1854 in Wien. 1857 nahm er teil am Internat. Kongreß für Statistik in Wien.

    R. war ein Pionier auf dem Gebiet der Statistik und ein Wegbereiter der modernen Finanzstatistik (Allg. Vgl. Finanzstatistik, 4 Bde., 1851–56). Sein Werk, das sich durch hohe Genauigkeit und Zuverlässigkeit auszeichnet, beschränkte sich nicht nur auf den dt. Sprachraum, sondern enthielt auch Material über andere europ. Staaten. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die Wirtschaftsstatistik, wobei insbesondere der Entwicklung des Eisenbahnwesens sein Interesse galt (Die Eisenbahnen Dtld.s, 1843–47; Die Eisenbahnen Frankreichs, 1846). R. war ein engagierter Vorkämpfer der wirtschaftlichen und politischen Einigung Deutschlands.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1856).

  • Werke

    Weitere W Der Getreide- u. Mehlhandel Dtld.s, 1838;
    Der Leinwand- u. Garnhandel Norddtld.s, 1839;
    Kulturstatistik d. Ksr. Rußland, 1843;
    Allg. vgl. Handels- u. Gewerbe-Geogr. u. Statistik, 1844;
    Dt. Eisenbahn- u. Dampfschiff-Buch, 1845;
    Vgl. Kulturstatistik d. Großmächte Europas, 1846;
    Die Staaten d. Stromgebietes d. La Plata, 1852;
    Frankreichs Staatshaushalt u. Wehrkraft unter d. letzten vier Reg.formen, 1853;
    Erwerbs- u. Verkehrsstatistik d. Kgr. Preußen, 3 Bde., 1853-54;
    Dtld. u. d. übrige Europa, 1854.

  • Literatur

    ADB 27;
    H. Niebuhr, Die hann. Abgeordneten in d. NV 1848/49, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen 76, 1911, S. 136-54;
    W. Rothert, Allg. hann. Biogr. II, 1914;
    P. Wentzcke u. W. Klötzer (Hg.), Ideale u. Irrtümer d. ersten dt. Parl., 1959, S. 237-47, 296;
    Wurzbach;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    R. Koch (Hg.), Die Frankfurter NV 1848/49, 1989 (P);
    Biogr. Hdb. Frankfurter NV. |

  • Quellen

    Qu F. Wigard (Hg.), Stenograph. Ber. über d. Verhh. d. dt. constituierenden NV; W. Fiedler (Hg.), Die erste dt. NV 1848/49, Hs. Selbstzeugnisse ihrer Mitgll., 1980; W. Conze u. W. Zorn (Hg.), Die Protokolle d. Volkswirtschaftl. Ausschusses d. dt. NV 1848/49, 1992.

  • Autor/in

    Jens Menge
  • Empfohlene Zitierweise

    Menge, Jens, "Reden, Friedrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 241-242 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116374276.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Reden: Friedrich Wilhelm Otto Ludwig Freiherr v. R., Statistiker, Sohn des königlich hannoverschen Oberstlieutenants a. D. Klaus Friedrich Wilhelm Karl v. R., Erbherrn auf Hameln, Esbeck und Bennigsen (geb. am 7. November 1774, am 6. Juni 1840 in Hameln) und der Freiin Philippine Auguste Amalie v. Knigge (geboren 1775, 1841), einzigen Tochter des 1796 verstorbenen Schriftstellers Freiherrn v. Knigge (s. A. D. B. XVI, 288), wurde am 11. Februar 1804 auf dem Familiengute Wendlinghausen in Lippe-Detmold geboren. Er besuchte die Schule in Detmold, dann bis Michaelis|1820 das Gymnasium in Lemgo, studirte bis 1823 in Göttingen die Rechte, promovirte dort auf Grund einer Abhandlung „De pertinentiis castri germanici“ und studirte hierauf noch ein Jahr Cameral- und diplomatische Wissenschaften. Nach der Staatsprüfung trat er im Herbst 1824 in den hannoverschen Staatsdienst als Auditor und Assessor bei den Aemtern Hameln. Westen-Thedinghausen und Hannover. Er zeichnete sich durch Fleiß, Ordnungsliebe, sowie ein besonderes Verwaltungstalent aus und bekundete eine Vorliebe für die Beschäftigung mit der Verbesserung des Zustandes der bedürftigen Volksklassen. 1832 zum Vertreter der Hoya'schen Provinziallandschaft in die erste Kammer der hannoverschen allgemeinen Ständeversammlung gewählt, nahm er, besonders als Mitglied fast aller Commissionen, an der gesetzgeberischen Thätigkeit regsten Antheil, redigirte auch die öffentlichen Mittheilungen über die Verhandlungen dieser Kammer. 1833 beantragte er hier Anknüpfung von Unterhandlungen mit Preußen wegen Anschlusses an den Zollverein. 1834 begründete er mit Anderen den Gewerbeverein für das Königreich Hannover, dessen Generalsecretär er 6 Jahre war, und welcher einen günstigen Einfluß auf die gewerbliche Thätigkeit des Landes übte. Mit Rücksicht auf seine Wirksamkeit in diesem Verein unternahm er mehrere Jahre ausgedehnte Reisen. Als 1837 König Ernst August von Hannover die Verfassung von 1833 aufhob, sprach R. als stellvertretender Generalsecretär der ersten Kammer seine Mißbilligung dieses Actes aus. Hierdurch zog er sich die Abneigung der Regierung in solchem Grade zu, daß ihm fernere Aussichten im Staatsdienste verschlossen erschienen. Die daher erbetene Entlassung aus demselben wurde unter dem Vorgeben eventueller Verbindlichkeit für den angeblichen Kassendefect eines Kirchenrechnungsführers, welcher 8 Jahre früher unter Reden's amtlicher Oberaufsicht gestanden, verzögert und erst nach mehreren Jahren ertheilt. Anträge Reden's, den Weg Rechtens gegen ihn zu betreten, waren erfolglos geblieben. Er widmete sich nunmehr vorzugsweise schriftstellerischer Wirksamkeit und erwarb sich einen Ruf als Statistiker durch seine Berichte über die Gewerbeausstellungen für das Königreich Hannover 1835 und 1837, sowie durch die Schriften „Der Getreide- und Mehlhandel Deutschlands“ (Hannover 1838) und „Der Leinwand- und Garnhandel Norddeutschlands“ (Hannover 1839). Im März 1841 erhielt er die Stelle eines verwaltenden Specialdirectors der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft und hatte als solcher bis 1843 die Mitleitung von Bau und Betrieb dieser Bahn. Seine schriftstellerische Thätigkeit sowie persönliches Wohlwollen A. v. Humboldt's verschafften ihm sodann vom preußischen Unterrichtsministerium die Offerte einer ordentlichen Universitätsprofessur für Staatswissenschaften; er zog jedoch eine Stellung im preußischen Ministerium des Aeußern vor, wo er keiner Abtheilung zugewiesen, sondern zur unmittelbaren Verwendung des Ministers, vorzugsweise für industrielle und Handelsangelegenheiten, gestellt wurde. Infolge solcher Aufträge hatte er die Mitleitung der deutschen Gewerbeausstellung in Berlin 1844 und ward er 1845 zur Gewerbeausstellung nach Wien gesandt. Ueber diese und „ihr Verhältniß zur Industrie des deutschen Zollvereins und die gegenseitigen Handelsbeziehungen“ veröffentlichte er eine Denkschrift (Berlin 1846). Hervorzuheben ist auch seine „Kulturstatistik des Kaiserreichs Rußland“ (Berlin 1843), ferner seine „Allgemeine vergleichende Handels- und Gewerbe-Geographie und Statistik“ (Berlin 1844), „Deutsches Eisenbahn- und Dampsschiff-Buch“ (Berlin 1845), „Eisenbahn-Jahrbuch“ (2 Jahrg. Berlin 1846—47), „Vergleichende Kulturstatistik der Großmächte Europas“ (Berlin 1846), sodann „Die Eisenbahnen Frankreichs“ (Berlin 1846) und „Die Eisenbahnen Deutschlands, geschichtlich-statistische Darstellung“ (11 Lfgn., Berlin 1843—47). Infolge seines Aufrufs vom März 1846 entstand der „Verein für deutsche Statistik“, dessen Zeitschrift er leitete. Neue Aufträge des Ministers|führten R. nach Ungarn. Als er am 3. Mai 1848 in Berlin zum Wahlmann für die Wahlen zur deutschen Nationalversammlung gewählt war, sprach A. v. Humboldt „dem freisinnigen, geistesunabhängigen Freunde“, unter Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen, die Hoffnung aus, daß er Mitglied jenes Parlaments werden möge. Dieselbe wurde erfüllt durch Reden's Wahl im 10. hannoverschen, dem Harzbezirke. In Frankfurt a. M. hielt er sich im Club des württemberger Hofes, dann im Westendhallclub zum linken Centrum und zeichnete sich als arbeitsames Mitglied der Ausschüsse für Volkswirthschaft, für Arbeiter-, Gewerbs- und Handelsverhältnisse, für Volksbewaffnung und Landesvertheidigung, für Marinesachen und für Legitimationsfragen aus. Im ersteren Ausschusse lieferte er ausführliche Arbeiten, namentlich eine „Vergleichende Zusammenstellung der Grenzeingangsabgaben in Oesterreich, dem Zollverein, dem norddeutschen Steuerverein und dem Herzogthum Schleswig-Holstein“, ferner über „Die heimische und fremde Zollgesetzgebung“ und über „Die Ergebnisse des Handels, die Schiffahrt- und die Gewerbe-Gesetzgebungen Deutschlands“. Als Vertreter von Duderstadt auch in die 2. Kammer der am 1. Februar 1849 zusammengetretenen hannoverschen Landesversammlung gewählt, suchte er hier für Anerkennung der Reichsgesetze zu wirken; legte aber, nachdem wegen des Uebertritts in preußische Dienste seine Wahlfähigkeit in Zweifel gezogen war, das Mandat nieder und kehrte nach Frankfurt zurück. Hier trat er in den Verhandlungen des Parlaments vorzugsweise auf, nachdem der König von Preußen die Kaiserwürde abgelehnt hatte. Ging auch sein Antrag vom 4. Mai 1849 wegen Beeidigung aller Civil- und Militärbeamten auf die Reichsverfassung nicht durch, so wurde doch auf seinen Antrag am 10. Mai die Aufforderung an die Centralgewalt, Preußens „schwerem Bruche des Reichsfriedens“ in Sachsen entgegenzutreten, ferner am 12. Mai die Aufforderung, zum Schutze der Reichsverfassung Commissare nach Franken zu senden, und am 19. Mai die Aufforderung an die verfassungstreuen Regierungen, Maßregeln zur Durchführung der Reichsverfassung zu treffen, beschlossen. Wegen dieser Haltung wurde R. in Berlin als Regierungsrath auf Wartegeld gesetzt. Er lebte seitdem in Frankfurt a. M., dann in Wien, mit statistischen Arbeiten beschäftigt und veröffentlichte noch eine „Allgemeine vergleichende Finanzstatistik“ (4 Bde. Darmstadt 1851—56), ferner Werke über „Die Staaten des Stromgebietes des La Plata“ (Darmstadt 1852), über „Frankreichs Staatshaushalt und Wehrkraft unter den letzten vier Regierungsformen“ (Darmstadt 1853), sodann eine „Erwerbs- und Verkehrsstatistik des Königreichs Preußen“ (3 Bde. Darmstadt 1853—54), endlich „Deutschland und das übrige Europa. Handbuch der Boden-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik, des Staatshaushalts und der Streitmacht“ (Wiesbaden 1854). Dieses Werk bezeichnete er in der Vorrede als sein letztes, weil seine Arbeiten einen seine alleinigen Mittel übersteigenden Kostenaufwand erforderten. R. starb in Wien am 12. December 1857.

    • Literatur

      Biogr. Umrisse d. d. const. Nat.-Vers. zu Frankfurt. Heft 3 u. 4 (Frankfurt a. M. 1849). — Brustbilder a. d. Paulskirche (Leipzig 1849). —
      Biedermann, Erinn. a. d. Paulskirche (Leipzig 1849). —
      Haym, D. d. Nat.-Vers. III. —
      Laube, D. d. Parl. III. — A. Allg. Ztg. 1857, Nr. 349 u. 356.

  • Autor/in

    Wippermann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wippermann, Karl, "Reden, Friedrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 513-515 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116374276.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA