Lebensdaten
1864 bis 1927
Geburtsort
Ungarisch-Altenburg
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116359528 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haecker, Ferdinand Carl Valentin
  • Haecker, Valentin
  • Haecker, Ferdinand Carl Valentin
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Zitierweise

Haecker, Valentin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116359528.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1822–73), Prof. a. d. Landwirtsch. Ak. in U.-A., dann erzhzgl. Güterdir. in U.-A., entwickelte e. Verfahren z. Maisbierbereitung (s. ÖBL), S d. Josua, Lehrer u. Organist in Schwäb. Hall, u. d. Sophie Dor. Dieterich ;
    M Julie (1830 - 1916), T d. Valentin Schübler (1794–1862), Bergratsassessor u. Münzwardein in Stuttgart, u. d. Charlotte Keller;
    Schw Charlotte (⚭ Goltlieb Haberlandt, 1945, Botaniker, s. NDD VII);
    - Calbe 1903 Lucie (1870–1949), T d. Dr. med. Adolf Kühn (1843–1924), Geh. Medizinalrat u. Kreisarzt in Calbe, u. d. Adelheid Heyse;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    H. studierte seit 1884 in Tübingen und Straßburg Naturwissenschaften, besonders Zoologie, wurde 1889 unter Th. Eimer (Tübingen) mit einer Dissertation „Über die Farben der Vogelfedern“ promoviert und ging 1890 als Assistent von A. Weismann nach Freiburg/Br., wo er sich 1892 auf Grund der Arbeit „Die Kernteilungsvorgänge bei der Mesoderm- und Entodermbildung von Cyclops“ habilitierte und 1895 zum außerordentlichen Professor der Zoologie ernannt wurde; 1900 übernahm H. das Ordinariat für Zoologie an der TH Stuttgart (mit Lehraufträgen an der Landwirtschaftlichen und Tierärztlichen Hochschule) und folgte 1909 der Berufung zum ordentlichen Professor der Zoologie an die Universität Halle-Wittenberg.

    Unter dem anregenden Einfluß von Weismann untersuchte H. an niederen Krebsen Reifungs- und Kernteilungsvorgänge, wies bei Copepoden die direkte Zellfolge bis zur Sonderung der Urgeschlechtszellen („Keimbahn“) nach und bemühte sich besonders um die Klärung des Problems der Chromosomen-Reduktion in den Keimzellen. Aus diesen Studien erwuchs sein Interesse für die nach der Wiederentdeckung Mendels (1900) aufblühende Vererbungswissenschaft, deren Entwicklung von ihm durch zahlreiche spezielle und kritisch-zusammenfassende Arbeiten gefördert wurde, zu denen unter anderem ein vielbeachtetes Lehrbuch „Allgemeine Vererbungslehre“ (1911, 31921) gehört. H. hat den Begriff „Pluripotenz“ für die in Embryonalzellen, Organanlagen oder Organen vorhandene Fähigkeit geprägt, unter bestimmten Bedingungen vom Typus abweichende Entwicklungsrichtungen einzuschlagen. Außerordentlich anregend wirkte sich seine „Entwicklungsgeschichtliche Eigenschaftsanalyse (Phänogenetik) “ aus (1918), unter der er eine Methode verstand, das Entstehen der „Außeneigenschaften“ des fertigen Organismus bis in früheste Entwicklungsstadien zurückzuverfolgen. Er hat sich auch mit Problemen der Humangenetik beschäftigt und unter anderem (mit Th. Ziehen) „Über die Erblichkeit der musikalischen Begabung“ (1922) gearbeitet. Große Verdienste erwarb sich H. mit der sorgfältigen Bearbeitung des Radiolarien-Materials der „Valdivia“-Expedition („Tiefsee-Radiolarien“, 1908), das er auch im Hinblick auf die Variations- und Artbildungslehre auswertete. Weitere Studien galten unter anderem der Planktonforschung, tierpsychologischen Fragen, dem Vogelzug und dem Gesang der Vögel.

    Die von H. ausgehenden Anregungen haben sich in der „Gründerzeit“ der Genetik fruchtbar ausgewirkt und sind teilweise in moderne Auffassungen der Entwicklungsphysiologie eingegangen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. u. Sekr. d. Leopoldina, Dr. med. h. c. (Halle).

  • Werke

    Weitere W u. a. Praxis u. Theorie d. Zellen- u. Befruchtungslehre, 1899;
    Der Gesang d. Vögel, seine anatom. u. biolog. Grundlagen, 1900;
    Bastardierung u. Geschlechtszellenbildung, 1904;
    Über Gedächtnis, Vererbung u. Pluripotenz, 1914;
    Über Aufgaben d. Phänogenetik, Brünn 1923;
    Umwelt u. Erbgut, 1926;
    Goethes morpholog. Arbb. u. d. neuere Forschung, 1927.

  • Literatur

    M. Rauther, in: Jhh. d. Ver. f. vaterländ. Naturkde. in Württemberg 83, 1927, S. XXXVII-XXXIX;
    M. Kneile, ebd. 84, 1928, S. 37;
    GI, in: Der Naturforscher 4, 1927/28, S. 557 f.;
    B. Rensch, in: Ornitholog. Monatsberr. 36, 1928, S. 35-37;
    A. Laubmann, in: Verhh. d. Ornitholog. Ges. in Bayern 18, 1928-29, S. 180 f.;
    W. Harms, in: Hdwb. d. Naturwiss. V, 1934, S. 328;
    L. Gebhardt, in: Die Ornithologen Mitteleuropas, 1964, S. 130;
    Zool. Anz. 174, 1965 (mit Btrr. v. R. Haecker, H.-J. Elster, M. Eisentraut, K. Immelmann, W. Lehmann, G. Heberer, C. Kosswig, H.-A. Freye, B. Rensch; W-Vorz., P).

  • Autor/in

    Georg Uschmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Uschmann, Georg, "Haecker, Valentin" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 427 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116359528.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA