Lebensdaten
1879 bis 1960
Geburtsort
Drahan (Mähren)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Lexikograph ; Literaturhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116342196 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Corvinus, Wilhelm
  • Kosch, Wilhelm
  • Corvinus, Wilhelm

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Zitierweise

Kosch, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116342196.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam, stammt aus Nordmähren, d. Vorfahren waren bis ins 18. Jh. hinein Erbrichter in Cerhof b. Römerstadt;
    V Joseph (1850–1940), Ing., Hofrat b. d. Mähr. Statthalterei in Brünn, S d. Eduard (1820–66), Staatsbeamter in Mähr.-Weißkirchen, u. d. Josepha Stützel aus Böhm.-Eisenberg;
    M Maria (1855–1904), T d. Augustin Sostax aus Prossnitz;
    Korneuburg 1911 Annie (1885–1976), T d. Notariatsbeamten Michael Lochner in Wasserburg/Inn u. d. Victoria Kerling;
    1 S, 1 T, u. a. Friedrich Wilhelm (* 1912), Dr. phil., Landesoberarchivrat in Graz.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Brünn und Nikolsburg studierte K. Jura in Wien, deutsche Philologie, Geschichte und Kunstgeschichte in Breslau und Prag (bei August Sauer). 1904 wurde er in Prag mit der Dissertation „Adalbert Stifter und die Romantik“ (1905) zum Dr. phil. promoviert. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften und Künste ordnete er Stifters|Nachlaß und richtete das Adalbert-Stifter-Archiv in Prag ein. Er wurde Redaktionssekretär der „Deutschen Arbeit“ in Prag und trat 1905 bei der Deutschen Universität in den Bibliotheksdienst ein. 1906 wurde K. als außerordentlicher Professor für deutsche Literatur nach Freiburg (Schweiz), 1911 nach Czernowitz berufen. Hier gab er 1916 die „Bibliothek des Ostens“ heraus. In der Untersuchung „Die innere Bedrohung des österreichischen Staates und ihre Abwehr“ (in: Deutschlands Erneuerung 3, 1917, S. 1-19) bekannte er sich, ähnlich wie schon 1909 in dem Buch „Die Deutschen in Österreich und ihr Ausgleich mit den Tschechen“, zu deutsch-nationalen Zielen. Nach seiner Vertreibung nahm er 1918 an der Montanistischen Hochschule Leoben eine Gastprofessur wahr, bis er 1923 als ordentlicher Professor für deutsche Literatur- und Theatergeschichte sowie für Lexikographie nach Nimwegen (Niederlande) ging. Nach seiner Emeritierung 1950 lebte er in Wien und widmete sich ganz seinen lexikographischen Arbeiten.

    Seit seiner Dissertation beschäftigte sich K. mit Themen der Romantik, besonders auch mit Persönlichkeit und Werk Eichendorffs. 1908 begründete er die große historisch-kritische Ausgabe der „Sämtlichen Werke des Freiherrn Joseph von Eichendorff“ (mit Ph. A. Becker und Sauer, 22 Bände, 1923 folgende). 1917 gründete er in München mit Erwein von Aretin, Mathäus Schiestl und Hans von Hammerstein den Eichendorff-Bund, der 1952 mit der Eichendorff-Stiftung vereinigt wurde (mit Jahresschrift „Aurora, Eichendorff-Almanach“). 1911-29 gab er den „Eichendorff-Kalender“ heraus, seit 1918 die Zeitschrift des Eichendorff-Bundes „Der Wächter“; K. selbst war Eigentümer des Wächter-Verlages. Weitere Zeitschriftengründungen – wie die „Romantische Jahresumschau“ (1921), die politische Wochenschrift „Das Freie Volk“ (Oktober–Dezember 1918), „Rübezahl, Romantische Fliegende Blätter“ (1919) und „Parnaß, Mährisch-schlesischer Almanach für Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft“ (mit A. Potnezek, 1930) – blieben Episode.

    K.s eigentliches Lebenswerk stellen seine Lexika dar, die bis heute unentbehrliche Nachschlagewerke geblieben sind. 1928-30 (in Lieferungen seit 1927) erschien das „Deutsche Literatur-Lexikon“ als „biographisches und bibliographisches Handbuch“ (2 Bände; 21949-58 [in Lieferungen seit 1947] 4 Bände; 31968 folgende neu bearbeitet und herausgegeben von B. Berger, H. Rupp und anderen, von 15 bisher 7 Bände erschienen „A“ – „H“; einbändige Ausgabe herausgegeben von B. Berger, 1963), 1933-38 (in Lieferungen seit 1930) „Das katholische Deutschland (2 Bände, bis „Schlüter“), 1953/60 (in Lieferungen seit 1951) die ersten beiden Bände des „Deutschen Theater-Lexikons“ („A“–„P“; wird von H. Bennwitz fortgeführt). Kurz vor seinem Tode begann K. mit der Herausgabe eines „Biographischen Staatshandbuches, Lexikon der Politik, Presse und Publizistik“ (2 Bände, 1959/63; wird von E. Kuri fortgeführt). K., von „leidenschaftlicher Lust und Liebe zu lexikographischer Arbeit“ beflügelt, verzeichnet in knapper Form die Lebensläufe von Persönlichkeiten, nennt ihre Werke sowie die einschlägige Sekundärliteratur. Aber auch literarisch behandelte Orte und Landschaften, Theaterstädte, Liedanfänge, Stoffe und Motive, Fachbegriffe sowie bedeutende Zeitungen, Zeitschriften und Verlage finden Beachtung; das biographische Moment bleibt jedoch dominierend. Wertungen werden – auch im Interesse der Kürze – bewußt unterlassen. K. hat die lexikographische Arbeit ohne einen Mitarbeiterstab im wesentlichen allein besorgt, was den Respekt vor seiner immensen Leistung erhöht und die Kritik, die sich auf die Auswahlkriterien sowie auf Lücken und Fehler bezieht, verblassen läßt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Adalbert Stifter, 1905, 21952 u. d. T. Adalbert Stifter als Mensch, Künstler, Dichter u. Erzieher;
    Martin Greif in s. Werken, 1907, 31941;
    Die literar. Strömungen d. 19. Jh., 1911;
    Wilh. Raabe u. Wilh. Brandes im Kreis d. Kleiderseller, in: Zs. f. d. dt. Unterr. 25, 1911, S. 79-87;
    Menschen u. Bücher, Ges. Reden u. Aufsätze, 1912;
    Das dt. Theater u. Drama im 19. Jh., 1913, 21922 u. d. T. Das dt. Theater u. Drama seit Schillers Tod, 31939 u. d. T. Das dt. Theater u. Drama im 19. u. 20. Jh.;
    Melchior v. Diepenbrock, 1913;
    Joh. Mich. Sailer, 1913;
    Friedr. Spee, 1914, 21921;
    Ludwig Aurbacher, 1914;
    P. Martin v. Cochem, 1915, 21925;
    Feldmarschall Gf. Radetzky, 1915;
    Ferd. Gg. Waldmüller, 1916;
    Andreas Hofer, 1916;
    Vergangenheit u. Zukunft d. Deutschtums in Österreich, in: Süddt. Mhh., Okt. 1916, S. 60-66;
    Gesch. d. dt. Lit. im Spiegel d. nat. Entwicklung v. 1913-1918, 3 Bde., 1925-33;
    Die dt. Ur-Burschenschaft, 1923;
    Die Studentenverbindungen im kath. Dtld., 1924 (mit H. Hagen);
    Die burschenschaftl. Bewegung im kath. Dtld., 1927, 21929 (mit J. Zanders);
    Luise Freiin v. Eichendorff in ihren Briefen an Adalbert Stifter, 1940, 21947;
    Klemens Brentano, 1943;
    Österreich im Dichten u. Denken Grillparzers, 1946;
    Adalbert Stifter-Bibliogr., 1952 (mit M. Stefl). -
    Hrsg.: Jos. Frhr. v. Eichendorff, Gesch. d. poet. Lit. Dtld.s, 1906;
    ders., Aus d. Nachlaß … Briefe u. Dichtungen, 1906;
    Dt. Qu. u. Stud., 1908 ff.;
    Martin Greifs Liedertraum, 1911, 21912 u. d. T. Martin Greifs Ges. Werke in 4 Bdn.;
    Radowitz' ausgew. Schrr., 3 Bde., 1912 (unter Ps. Wilh. Corvinus);
    Martin Greif, Nachgelassene Schrr., 1912;
    Gottfried Kinkel, Otto d. Schütz,|1913;
    Italien einst u. jetzt im Spiegel dt. Dichtung seit 1848, 1915;
    Die lyr. u. ep. Dichtung Dtld.s im Za. d. Romantik, 1918 (Anthol.);
    Ludwig Aurbacher, Die Abenteuer v. d. Sieben Schwaben, 1918;
    Franz Trautmann, Eppelein v. Gailingen, 1920;
    ders., Heitere Städtegeschichten aus alter Zeit, 1920;
    ders., Die gute alte Zeit, 1920;
    Akadem. Bücherei, 1923 ff.;
    Hermann Frhr. v. Eichendorff, Joseph Frhr. v. Eichendorff, Sein Leben u. s. Schaffen, 31923;
    Dt. Dichter von u. nach 1813, Befreiungskampf u. Burschenschaft im Spiegel d. zeitgenössischen dt. Dichtung, 1925.

  • Literatur

    K. Vallazza, in: Wiener Mitt. aus d. Gebiete d. Lit. 28, 1916;
    O. Demuth, in: Hochschulwissen 7, 1930;
    F. Heer, in: Die Furche 7, 1948;
    J. Baxa, in: Aurora 15, 1955, S. 95 f.;
    K. Schodrok, ebd. 20, 1960, S. 105 ff.;
    R. Zimprich, in: Sudetendt. Ztg. v. 3.10.1959;
    P. B. Wessels, in: Jaarboek d. r. k. Univ. te Nijmegen, 1962.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Kosch, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 606-608 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116342196.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA