Lebensdaten
1769 bis 1822
Geburtsort
Ingolstadt
Sterbeort
Schloß Haidenburg (Niederbayern)
Beruf/Funktion
bayerischer Staatsmann ; Gesandter am Deutschen Bundestag
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116340029 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aretin, Johann Adam Freiherr von
  • Aretin, Johann Adam Freiherr von
  • Aretin, Adam Freiherr von
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Zitierweise

Aretin, Adam Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116340029.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Albert von Aretin (1741–1802), Oberlehnhofkommissar;
    M Rosine von Weinbach (1747–1800, N Adam von Ickstatts);
    Gvv Johann Baptist Bakdasar Aroutioun (1706–69);
    Gmv Maria Anna von Chlingensperg;
    B Johann Christoph von Aretin (s. 3), Johann Georg von Aretin (s. 4);
    1) München 1.10.1793 Josepha (1774–1810), T des bayerischen Kanzlers Johann Friedrich Freiherr von Hertling, 2) Maria Anna Freiin von Stromer (1792–1849); 11 K, u. a. Peter Carl von Aretin (1814–1887), Mitbegründer der deutschen Zentrumspartei, Rosa (1794–1870), Aquarellmalerin, Marie (1812–1837, ⚭ Franz Ludwig Freiherr von Weiden, kaiserlich-königlicher Feldzeugmeister);
    Ur-E Erwein von Aretin (s. 1).

  • Leben

    A. studierte Jura auf der Universität Ingolstadt, mußte sie aber 1785 wegen Teilnahme an Illuminatenumtrieben verlassen. Seine Anstellung im bayerischen Staatsdienst erlitt dadurch keine Verzögerung, doch blieb ihm der Ruf eines Illuminaten. Beim Vormarsch des Generals J. V. Moreau nach Bayern im Juli 1796 gründete er die kurfürstliche Kriegsdeputation. 1802 wurde er Säkularisationskommissar für das Bistum Freising. 1808 entstand unter seiner Initiative das erste topographische Kartenwerk für das Königreich Bayern (erschienen 1821). 1808-17 schuf er als Oberlehnhofkommissar das bayerische Lehnrecht, das in seinen Grundzügen bis 1918 galt. Von ihm stammt ferner die Redaktion des bayerischen Verfassungsentwurfs von 1814. Im selben Jahre zum Hofkommissar für Aschaffenburg ernannt, wurde er schon im September in den außenpolitischen Ausschuß zurückberufen, wo er im Januar 1817 ein Memoire über Bayerns Stellung auf dem Deutschen Bundestag verfaßte, das den geplanten Austritt Bayerns aus dem Deutschen Bund verwarf. Nach dem Sturz Montgelas' im Februar 1817 wurde er zum bayerischen Gesandten am Bundestag ernannt. Dort gelang es ihm, die Bedenken der anderen Staaten gegen Bayern zu zerstreuen und zusammen mit K. A. Freiherr von Wangenheim die Geschäfte des Bundestags weitgehend in seine Hand zu bekommen. Er entwickelte ein Programm, das Bayern im Deutschen Bund die Führung verschaffen sollte, und vertrat 1819, auf F. List fußend, den Plan einer „reindeutschen Zollunion mit Ausschluß Österreichs und Preußens“. Jedoch scheiterten diese Pläne auf den Wiener Ministerialkonferenzen, so daß er 1820-22 bei den Darmstädter Zollverhandlungen nur eine negative Rolle spielen konnte. Als Kunstkenner erwarb er eine bedeutende Gemälde- und Kupferstichsammlung, die F. Brulliot in seinem „Catalogue des estampes du Cabinet d'A.“ (2 Bände, München 1827) beschrieb. Zusammen mit|dem Freiherrn vom Stein begründete er die „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“, deren erster Vizepräsident er war.

  • Werke

    Slg. v. Staatsverträgen, Friedensschlüssen, Konventionen, Bündnissen, Neutralitäts-, Grenz- u. Tauschverträgen zw. d. französ. Republik u. d. übrigen kriegführenden Mächten v. 1795-1801 in Bezug auf d. allg. Frieden mit Teutschland, 1801;
    Geschichtl. Darst. d. Verhh., welche d. Benehmen Seiner churfürstl. Durchlaucht v. Pfalz-Bayern geleitet haben, 1805;

    Der süddeutsche Bund, Sonderdr. aus: Alemannia, 1815;
    Hrsg.: Ztschr. f. Baiern, 1817/18.

  • Literatur

    ADB I; M. Doeberl, Bayern u. d. wirtschaftl. Einigung Dtld.s, 1915, S. 11, 14, 17, 63 ff.;
    ders., Ein Jh. bayer. Verfassungsleben, 1918, S. 12, 28, 39, 41;
    W. v. Eisenhart Rothe u. A. Ritthaler, Vorgesch. u. Begründung d. dt. Zollver. 1815–34, Bd. 1, 1934, S. XLII u. ö.; F. Lenz, F. List, 1936, S. 78;
    V. Korzendorfer, J. A. Frhr. v. A., Der Beginn d. bayer. Postgesch., in: Archiv f. Postgesch. in Bayern, Jg. 12, H. 2, 1936;

    W. Lessing, I. G. v. Dillis, 1949, S. 12;
    A. Chroust, Gesandtschaftsberr. aus München, Abt. I-III, 1935–50;
    K. O. v. Aretin, Die dt. Politik Bayerns z. Zt. d. staatl. Entwicklung d. Dt. Bundes 1815–20, Diss. München 1953 (ungedr.); ders., Bayerns Stellung im Dt. Bund nach 1815, in: Der Zwiebelturm, Jg. 8, 1953, S. 84-88 (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. Hanson (Schloß Haidenburg);
    Kupf. v. H. Meyer nach Hanson (Städt. Slg. München), Abb. in: Der Zwiebelturm, Jg. 8, 1953, S. 89.

  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Aretin, Adam Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 347 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116340029.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Aretin: Johann Adam v. A., bairischer Staatsmann, geb. zu Ingolstadt 24. Aug. 1769, 18. Aug. 1822. Sein Großvater Johann Baptist Christoph v. A., welcher vom Kurfürsten Max Joseph den 11. April 1769|in den Freiherrenstand erhoben ward und am 11. Oct. desselben Jahres starb leitete sich von armenischem Königsgeschlecht ab. Die Kurfürstin Therese Kunigunde Sobieska nämlich, Gemahlin Max Emanuels II., welche nach der Besetzung Baierns durch die Oesterreicher nach Venedig flüchtete und dort längere Zeit lebte, brachte einen Knaben mit sich zurück, welcher ihr 1710 empfohlen worden. Er sei 1706 zu Konstantinopel geboren, wohin sein Vater Bakdazar Caziadur, König eines an Persien grenzenden Theils von Armenien, durch die Perser seines Reiches beraubt, geflohen. Armenisch auf die Namen Joh. Bapt. Christoph Aroutioun Caziadur getauft, sei der Knabe 1708 zu mehrerer Sicherheit nach Venedig gebracht. In München am Hofe erzogen, ward er wirkt. Hoftammerrath und später Hauptmauthner zu Ingolstadt. Documente zur Bestätigung seiner Herkunft fanden sich im Nachlaß der Kurfürstin nicht; unter den für das Freiherrndiplom beigebrachten Belegen findet sich nur eine gleichzeitige Urkunde, nämlich ein vom armenischen Geistlichen in Constantinopel 1708 ausgefertigtes Taufzeugniß, dessen Aechtheit jedoch zu erhärten bliebe; alles übrige sind spätere Aussagen ohne Beweiskraft. Wenn freilich der Ritter v. Lang nach seiner Art in dem „Aretin“ einen zu Arezzo erzogenen Sohn der Kurfürstin selbst wittert, so bleibt er auch dafür den Beweis schuldig. Von Johann Christophs Söhnen hatte nur der älteste, der Hofkammerrath und Oberstlehnhofcommissarius Christoph Anton, geb. 1727, Nachkommen, nämlich Adam und seine Brüder Georg und Christoph (s. u.). —

    Vgl. Brulliot, „Catalogue des estampes du cabinet d'Aretin.“ 3 Bde. München 1827. Aretin selbst schrieb einen „Catalogue des estampes gravées par D. Chodowiecki.“ 1796. Von seinen übrigen Schriften (vgl. Baader, „D. gelehrte Baiern") sei noch erwähnt sein „Handbuch der Philosophie des Lebens“, 1793.

    Adam studirte die Rechtswissenschaft auf der Hochschule seiner Vaterstadt, trat 1788 in den bairischen Staatsdienst und wurde schon 1793 zum Rath bei der oberen Landesregierung, 1798 zum Vicecanzler derselben ernannt. Eine bedeutsame Rolle spielte er 1802 bei der Säcularisation als Generalcommissär für das an Baiern gefallene Fürstbisthum Freising, sowie seit 1808 als Mitglied der Gesetzgebungscommission. Die Kreiseintheilung und Instruction der Generalcommissariate und die verschiedenartigsten organisatorischen Arbeiten jener Epoche sind sein Werk, auch bei Ausarbeitung der Konstitution vom Jahr 1808 war er beigezogen.

    Während und nach den Befreiungskriegen wiederholt mit diplomatischen Missionen betraut, wurde er 1817 zum bairischen Bundestagsgesandten in Frankfurt ernannt und erwarb sich als energischer Vertheidiger des constitutionellen Prinzips gegen Metternich'sche Anfeindungen große Popularität. Der Tod raffte ihn schon im besten Mannesalter hinweg; er starb auf seinem Landgut Haidenburg bei Passau. Johann Adam v. A. zählt auch zu den Gründern des Vereins für ältere deutsche Geschichtskunde. Nicht minder war er ein eifriger Freund der bildenden Künste und brachte eine treffliche Gemäldesammlung und eine der vorzüglichsten Kupferstichsammlungen an sich.

    • Literatur

      Die Familie Aretin. 1825. — Nekrolog in d. Augsb. Allg. Ztg. v. 5. Sept. 1822.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Aretin, Adam Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 517-518 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116340029.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA