Lebensdaten
1875 bis 1947
Geburtsort
Hötting bei Innsbruck
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Geologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116302275 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ampferer, Otto

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Zitierweise

Ampferer, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116302275.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus Ampferer, Postbeamter, aus Bauernfamilie aus dem Brandenberger Tal (Tirol);
    M Gertraud Zangerl, aus Bauernfamilie aus dem Paznaun (Tirol);
    20.11.1902 Olga Sander ( 1952), Begleiterin und Assistentin,Schw des Mineralogen Bruno Sander.

  • Leben

    Der Mittelschulprofessor Schuler in Innsbruck vermittelte A. die ersten naturwissenschaftlichen Kenntnisse. Seit 1895 studierte A. in Innsbruck Physik und Mathematik und besonders Geologie bei Josef Blaas und promovierte 1899 mit der preisgekrönten Arbeit „Geologische Beschreibung des südlichen Teiles des Karwendelgebirges“ (mit Wilhelm Hammer). 1901 trat er in den Dienst der kaiserlich und königlichen Geologischen Reichsanstalt (später Bundesanstalt), stieg 1919 zum Chefgeologen und 1925 zum Vizedirektor auf und wurde 1935 mit der Direktion betraut; 1925-37 war er Schriftleiter des „Jahrbuches der Geologischen Bundesanstalt“. - Den Weg zur Geologie fand A. nicht nur durch das Studium, sondern auch durch den Bergsport, den er vielfältig in einem originellen und manchmal bis ins Poetische gesteigerten Stil beschrieben hat. Neben zahlreichen anderen Erstbesteigungen steht die des Campanile basso (Guglia di Brenta) in den Dolomiten (1899). Doch stellte er den Alpinismus später ausschließlich in den Dienst der Wissenschaft.

    A. ist unbestritten der größte Ostalpengeologe seiner Zeit, in der aus der geologischen Problemgeschichte eine der bedeutsamsten Fragestellungen für die Ostalpen entstand: der Deckenbau der Alpen und damit überhaupt der alpinen Hochgebirge. Diese Aufgabe wurde überwiegend durch die geradezu riesenhafte Leistung A.s gelöst, erstmals von ihm an der Karwendelüberschiebung (Inntaldecke), dann auch an zahlreichen anderen Stellen erkannt und in der Arbeit mit Hammer: Geologischer Querschnitt durch die Ostalpen vom Allgäu zum Gardasee (1911), im Zusammenhang dargelegt. Den Ausgangspunkt der Forschung A.s bildet die Kartierung: Er hat die geologische Karte für den Westteil der nördlichen Kalkalpen Österreichs fast allein aufgenommen und wissenschaftlich ausgeschöpft. Er war gleichzeitig Tektoniker, Diluvialgeologe und Geomorphologe und strebte nach der Erkenntnis größerer Zusammenhänge. Die Struktur, wie sie im geologischen Profil zum Ausdruck kommt, und, gemäß seiner physikalischen und technischen Begabung, die mechanischen Probleme der alpinen Tektonik standen im Vordergrund seines Interesses. Dabei war er mehr Analytiker als Synthetiker. Die geologische Karte war für ihn zwar ein möglichst objektives Abbild der beobachteten Natur, aber sie blieb nicht Alleinzweck, sondern diente der Theorie als Grundlage.

    Wohl am klarsten tritt bei der Behandlung des Einzelproblems die originelle, eigene Konzeption A.s in Erscheinung. Seine Größe beruht vor allem in seiner wissenschaftlichen Persönlichkeit. Bei der Verfolgung des eigenen Gedankens vernachlässigt er manchmal die Ergebnisse anderer Autoren bis zum Begehen grober Fehler und ist im Einzelnen da und dort flüchtig. Aber seine Ideen wirkten und wirken als Fragestellungen und Arbeitshypothesen befruchtend für die ganze Alpengeologie. - A. hat eine ungewöhnliche physische Leistung vollbracht - über 4000 Exkursionstage meist im Hochgebirge im Lauf von 40 Jahren, mehr als 2000 Besteigungen in 60 Jahren -, wie sie auch für Alpengeologen meist unmöglich ist; die weit über 250 Veröffentlichungen, sowie sein Hauptwerk: die von ihm ganz oder teilweise aufgenommenen geologischen Karten, besonders von Tirol und Vorarlberg, zeugen von seiner wissenschaftlichen Tatkraft. Kein Gebiet von solcher Größe ist in den gesamten Alpen so einheitlich und den Anforderungen der neuesten Forschung entsprechend geologisch auf genommen worden wie das der 12 Blätter 1: 75000 der westlichen Ostalpen. Der Vielseitigkeit seiner Persönlichkeit entsprechend hat A. viele Probleme angegangen und zahlreiche Entdeckungen gemacht auf dem Gebiet der alpinen Stratigraphie und Regionalgeologie, besonders aber der alpinen Tektonik. In der tektonischen Theorie ist er der Verfechter des Deckenbaus der Ostalpen im Gegensatz zu den Autochthonikern, aber auch zu den extremen „Nappisten“; seine Studie „über das Bewegungsbild von Fallengebirgen“ (1906) führte ihn zu seiner bekannten „Unterströmungstheorie“, den Geosynklinalen wurde eine wichtige, aktive Tiefenwirkung auf die Gebirgsbildung zuerkannt, die Kontraktionstheorie wurde widerlegt. Nebst der Tektonik beschäftigten A. am meisten glazialgeologische Probleme, aber auch geomorphologische. - Er war der hervorragendste geologische Gutachter Österreichs, insbesondere auf dem Gebiet der Bauberatung für große Wasserkraftprojekte in den österreichischen Alpen. Liebe zur Wissenschaft, zur Bergwelt und Heimat waren in seiner Persönlichkeit mit schönen Charakteranlagen in seltener Weise vereinigt. - Seit 1938 schwer leidend, war A. an der Vollendung seines Lebenswerkes verhindert. Obwohl er niemals die ihm mehrfach nahegelegte akademische Lehrtätigkeit ausgeübt hatte, war er seit 1925 korrespondierendes, seit 1940 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, seit 1936 Mitglied der Akademie der Naturforscher in Halle u. a. naturwissenschaftlicher Gesellschaften.

  • Werke

    Weitere W 14 Bll. d. österr. Karte 1: 75000;
    7 Bll. d. Alpenvereinskarte 1: 25000;

    je 1 Karte 1: 50000 u. 1: 40000;
    vollst. Verz. b. Klebelsberg (s. L).

  • Literatur

    G. Mutschlechner, Geologe Dr. O. A. †, in: Der Schiern, Jg. 21, Bozen 1947, S. 276-78;
    R. Klebelsberg, O. A.s geolog. Lebenswerk, in: Jb. d. Geolog. Bundesanstalt, Bd. 92, Jg. 1947, Wien 1949, S. 93 bis 116 (W, L, P); H. P. Cornelius, O. A. †, in: Mitt. d. Geolog. Ges. in Wien, Bd. 39-41, Jg. 1946 bis 1948, Wien 1951, S. 195-213 (P); B. Sander, Nachruf, in: Alm. d. Wiener Ak. d. Wiss. 98, 1948, S. 227-33 (W, P).

  • Autor/in

    Werner Quenstedt
  • Empfohlene Zitierweise

    Quenstedt, Werner, "Ampferer, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 257-259 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116302275.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA