Lebensdaten
1891 – 1957
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Direktor des Zentralverlags der NSDAP ; Präsident der Reichspressekammer ; Politiker
Konfession
römisch-katholisch, nach 1933 „gottgläubig“
Normdaten
GND: 116296666 | OGND | VIAF: 52438389
Namensvarianten
  • Amann, Max

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Zitierweise

Amann, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116296666.html [01.02.2023].

CC0

  • Max Amann war als Leiter des Verlags des „Völkischen Beobachters“ für den politischen Aufstieg Adolf Hitlers (1889–1945) von enormer Bedeutung und auch im „Dritten Reich“ für dessen Machterhalt und persönlichen Finanzbedarf unentbehrlich. Als Präsident der Reichspressekammer und Chef des Reichsverbands der Deutschen Zeitungsverleger spielte er nach 1933 die Hauptrolle bei der Durchsetzung der wirtschaftlichen Kontrolle über die deutsche Presse.

    Max Amann, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Max Amann, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebensdaten

    Geboren am 24. November 1891 in München
    Gestorben am 29. März 1957 in München
    Grabstätte Ostfriedhof (035-12-19) in München
    Konfession römisch-katholisch, nach 1933 „gottgläubig“
  • Lebenslauf

    24.·November 1891 - München

    1898 - 1905 - München

    Schulbesuch

    Volksschule

    1905 - 1909 - München

    Lehrling

    Anwaltskanzlei

    1906 - 1909 - München

    Besuch einer kaufmännische Fortbildungsschule (Abschluss mit Note I)

    Volksbildungsverein

    1910 - 1912 - München

    Buchhalter

    Anwaltskanzlei Dr. Sebastian Heckelmann und Dr. Joseph Warmuth

    1912 - 1914 - München

    Militärdienst (1913 Gefreiter)

    königlich bayerisches 1. Infanterieregiment

    1914 - 1919 - Westfront; München

    Kriegsdienst; Militärdienst (11.9.1918 Feldwebel; 5.12.1918 Offizierstellvertreter)

    königlich bayerisches Infanterie-Regiment Nr. 16

    Februar 1919 - Oktober 1919 - München

    Schreibkraft

    Ministerium für militärische Angelegenheiten; Reichswehr

    1919 - 1921 - München

    kaufmännischer Angestellter

    Bayerische Siedlungs- und Landbank

    1.7.1921 - München

    Eintritt

    NSDAP

    1.8.1921 - 1923 - München

    Hauptgeschäftsführer

    NSDAP

    1922 - 1923 - München

    Verlagsleiter

    Franz Eher Nachf. GmbH

    November 1923 - München

    Teilnahme am Hitler-Ludendorff-Putsch

    8.12.1923 - 1.3.1924 - Landsberg am Lech

    Inhaftierung

    Festungsgefängnis

    1924 - 1945 - München

    Verlagsleiter

    Franz Eher Nachf. GmbH

    1924 - November 1933 - München

    Stadtrat

    NSDAP

    1928 - 1931 - München

    Abgeordneter der NSDAP

    Kreistag Oberbayern

    1931 - 1945 - München

    Amtsleiter für die Presse (seit 1933 Reichsleiter)

    Reichsleitung der NSDAP

    1932

    Eintritt (1936 Obergruppenführer)

    SS

    1933 - 1945 - München

    Abgeordneter der NSDAP

    Reichstag

    1933 - 1945 - Berlin

    Präsident

    Reichspressekammer

    1934 - 1945 - Berlin

    Vorsitzender

    Reichsverband Deutscher Zeitungsverleger

    1945 - 1953 - u. a. Seckenheim (Mannheim); Nürnberg-Langwasser; Regensburg; Eichstätt

    Lagerhaft

    8.9.1948 - München

    Verurteilung zu zweieinhalb Jahre Gefängnis wegen der Misshandlung Fritz Gerlichs (1883–1934)

    3. Strafkammer Landgericht

    1948 - München

    Verurteilung zu zehn Jahren Arbeitslager als Hauptschuldiger (Kategorie I)

    Hauptspruchkammer

    1948 - 1953 - München; Straubing; Eichstätt

    Inhaftierung; vorzeitige Entlassung

    seit 23.4.1948 Untersuchungshaft Gefängnis München Neudeck; später in den Strafanstalten München-Stadelheim und Straubing; zuletzt Internierungslager Eichstätt

    29.·März 1957 - München
  • Genealogie

    Vater Alois Amann 1852–1910 Taglöhner
    Mutter Crescentia Amann, geb. Nistl 1852–1901
    Schwester Fanny Janker, geb. Amann
    Heirat 3.2.1919 in München
    Ehefrau Anna Amann, geb. Fuchs 1895–1993
    Schwiegervater Johann Fuchs Zimmermann
    Schwiegermutter Barbara Fuchs, geb. Gruber aus St. Johann, Gemeinde Staudach, Bezirskamt Kelheim
    Sohn Rudolf Amann 1919–1941 Soldat, gefallen in Lemberg (heute Lwiw, Ukraine)
    Sohn Max Amann 1932–2022 Dr. rer. nat.; Chemiker; seit 1977 Heilpraktiker in München; u. a. (Co-)Autor der Schriften „Dem Geist auf die Sprünge helfen. Unser kreatives Potential angstfrei entfalten mit Naturheilkunde und Homöopathie“ (2000) sowie „Der himmlische Heilpflanzenführer. Eine Zusammenschau von Astrologie, Volksmedizin, Naturheilkunde, Magie, Mythologie und Signaturenlehre“ (2007)
    Kinder zwei weitere Söhne, drei Töchter
  • Biografie

    Amann besuchte von 1906 bis 1909 die Kaufmannsschule in München und arbeitete anschließend als Lehrling in einer Anwaltskanzlei, in der er 1910 Bürovorsteher wurde. Im Oktober 1912 rückte er zum königlich bayerischen 1. Infanterieregiment ein und wurde nach Beginn des Ersten Weltkriegs zu dem neu gebildeten 2. Bayerischen Infanterie-Regiment Nr. 16 (später Regiment „List“ genannt) an die Westfront kommandiert. Bereits am 20. November 1914 zum Vizefeldwebel befördert, war Amann Regimentsschreiber im dortigen Hauptquartier und einer der Vorgesetzten des Soldaten Adolf Hitler (1889–1945). Nach Kriegsende wurde er am 5. Dezember 1918 zum Offizierstellvertreter befördert, am 19. Februar 1919 in die Zentralabteilung des Ministeriums für militärische Angelegenheiten kommandiert und von dort zur Pensions- und Versorgungsabteilung der Reichswehrbefehlsstelle Bayern in München abgeordnet.

    Im Oktober 1919 schied Amann aus der Militärverwaltung aus und arbeitete anschließend als Angestellter der staatlichen Bayerischen Siedlungs- und Landbank in München. Nach einer zufälligen Wiederbegegnung mit Hitler trat er am 1. Juli 1921 der NSDAP bei und wurde ein Monat später zu deren Hauptgeschäftsführer. Mit diesem Amt verbunden war seit dem 4. April 1922 die Leitung des Zentralverlags der NSDAP (Franz Eher Nachf. GmbH), in dem die Parteizeitung „Völkischer Beobachter“ erschien. Als Beteiligter am Hitler-Ludendorff-Putsch vom 8./9. November 1923 war Amann seit dem 8. Dezember 1923 in Schutzhaft im Festungsgefängnis Landsberg am Lech.

    Nach seiner Entlassung am 1. März 1924 führte Amann den Eher-Verlag ungehindert weiter, der seit 1923 auch als Buchverlag aktiv war und in dem 1925/26 die beiden Bände von Hitlers „Mein Kampf“ erschienen. Bei der Wiedergründung der NSDAP im Februar 1925 erhielt Amann die prestigeträchtige Mitgliedsnummer 3 und verantwortete seit dem neuerlichen Erscheinen des „Völkischen Beobachters“ abermals dessen geschäftlichen Bereich. 1931 wurde er als Amtsleiter für die Presse in die Reichsleitung der NSDAP aufgenommen, wo er für den wirtschaftlichen Bereich der Parteipresse zuständig war. Im selben Jahr verlor er bei einem Jagdunfall in Markt Rettenbach bei Memmingen seinen linken Arm. Bereits seit 1924 Mitglied des Münchner Stadtrats, zog Amann nach der Wahl vom 5. März 1933 in den Reichstag ein, dem er bis 1945 angehörte.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gelang es Amann binnen kurzer Zeit, die gesamte Parteipresse unter seine Kontrolle zu bekommen. Am 19. Januar 1934 erkannte ihm Hitler nochmals explizit die Kompetenz in allen die Parteipresse betreffenden Verlagsfragen zu. Bereits im Juni 1933 hatte Amann zudem den Vorsitz des gleichgeschalteten Vereins Deutscher Zeitungsverleger übernommen, an dessen Stelle im Februar 1934 der Reichsverband der Deutschen Zeitungsverleger als NS-Zwangsorganisation trat.

    Am 13. November 1933 wurde Amann Leiter der neu geschaffenen Reichspressekammer, einer Unterorganisation der von Joseph Goebbels (1897–1945) geleiteten Reichskulturkammer. Er erließ am 24. April 1935 drei für das gesamte deutsche Zeitungsverlagswesen folgenschwere Anordnungen: Die erste richtete sich gegen angebliche Skandalnachrichten, für die Verleger aus der Reichspressekammer ausgeschlossen werden konnten, was einem Berufsverbot gleichkam. Die zweite ermöglichte die Stilllegung von Zeitungen, um unerwünschte Konkurrenz zu beseitigen, während die dritte Anordnung Verlage dazu zwang, Besitzverhältnisse offenzulegen. Öffentlich-rechtliche Körperschaften sowie Aktiengesellschaften, GmbHs und Genossenschaften durften künftig keine Zeitungen mehr verlegen.

    Der von Amann bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs geführte Eher-Verlag beherrschte zahlreiche nicht-nationalsozialistische Provinzzeitungen v. a. durch Mehrheitsbeteiligungen, die Amann mit massivem Druck durchsetzte. Bereits 1934 hatte er der Verlegerfamilie Ullstein ihre Zeitungen in Berlin abgepresst. Im selben Jahr fiel auch der dortige Verlag Mosse mit dem „Berliner Tageblatt“ in seine Hände. 1943 übernahm Amann zudem das Berliner Zeitungsunternehmen Scherl (Hugenberg-Konzern), wodurch der Eher-Verlag zum größten Wirtschaftsunternehmen Europas wurde. 1944 entfielen rund 83 % der Auflagen aller Zeitungen im Deutschen Reich auf Eher-Zeitungen.

    Amann hatte während des gesamten „Dritten Reichs“ eine starke Machtstellung und war nur Hitler persönlich verantwortlich, der ihn stets einschaltete, wenn er Geld brauchte, das gewöhnlich vom Verlagskonto mit den Einnahmen aus „Mein Kampf“ genommen wurde. Amann selbst, der 1932 rund 100 000 Reichsmark eingenommen hatte, verfügte 1942 über ein steuerpflichtiges Jahreseinkommen von 3,2 Millionen Reichsmark.

    Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs inhaftiert, durchlief Amann in den folgenden drei Jahren mehrere US-amerikanische Internierungslager. Angeklagt, den Chefredakteur der anti-nationalsozialistischen Wochenzeitung „Der gerade Weg“, Fritz Gerlich (1883–1934), am 9. März 1933 schwer misshandelt zu haben, wurde Amann am 8. September 1948 vom Landgericht München zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Zwei Monate später verurteilte ihn die Hauptkammer München als Hauptschuldigen (Kategorie I) zu zehn Jahren Arbeitslager; außerdem verlor Amann dauerhaft seinen Besitz und seine Pensionsrechte. 1953 kam er vorzeitig aus der Lagerhaft in Eichstätt frei und trat anschließend nicht mehr öffentlich in Erscheinung.

  • Auszeichnungen

    1915 Bayerisches Militärverdienstkreuz II. Klasse
    1916 Eisernes Kreuz II. Klasse
    1916 Militär-Verdienst-Auszeichnungsmedaille III. Klasse
    Ehrenzeichen des 9. November 1923 („Blutorden“)
    Goldenes Ehrenzeichen der NSDAP
    1941 „Pionier der Arbeit“
    1941 Kriegsverdienstkreuz I. und II. Klasse
    • Quellen

      Nachlass:

      nicht bekannt.

      Weitere Archivmaterialien:

      Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, R 8 034-III/5 (Pressearchiv Reichlandbund); R 9 631-I/4417; R 9 631-II/6 290; R 9 631-II/6 291 (Sachakten Parteikorrespondenz); R 9 631-V/3828 (Sachakte Reichskulturkammer); R 9 631-III/5 14472 (Personalakte).

      Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München, ZS 0809 (Zeugenschrifttum Max Amann, Onlineressource); F 166 (Kopien von Personalunterlagen des ehemaligen BDC).

      Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, Abt. II, MJu 20 279; Abt. IV, Unteroffizierspersonalakten 8 8303; Kriegsstammrollen, Bd. 3042, 3072, 4471; Abt. V, Slg. Personen 3919.

      Staatsarchiv München, Max Amann, Staatsanwaltschaften 19 038, 1–2, Pol. Dir. München 10 003; SpKA 20/1–5 (Spruchkammerakten); Vermögenskontrolle München-Stadt 1567, 1658, 1671, 1672, AG München, NR 1957/2353 (Nachlaßakt), Bezirksfinanzdirektion München III, 1832/2.

      Stadtarchiv München, DE-1992-ZA-P-0008-8 (Zeitungsausschnitte); EWK-65-A 32 (Meldekarte); Standesamt München IV, Nr. 133/1919 (Heiratsregistereintrag); PMB-A-26 (Steuerliste Alois Amann).

      Bayerische Staatsbibliothek München, Handschriftenabteilung, Ana 302. (Nachlass Franz-Eher-Verlag)

      Gedruckte Quellen:

      Max Amann, Ein Leben für Führer und Volk 1891–1942, 1941.

      Robert M. W. Kempner, SS im Kreuzverhör, 1964, S. 271–273.

      Die Tagebücher von Joseph Goebbels, hg. v. Elke Fröhlich, Teil I, Bd. 1/II, 1/III, 2/I, II/2, 2/III, 3/I, 3/II, 4–9; Teil II, Bd. 1–9, 1993–2006.

    • Literatur

      Oron J. Hale, Presse in der Zwangsjacke 1933–1945, 1965.

      Helga Wermuth, Max Amann (1891–1957), in: Heinz Dietrich Fischer (Hg.), Deutsche Presseverleger des 18. bis 20. Jahrhunderts, 1975, S. 356–365.

      Robert Wistrich, Art. „Amann, Max“, in: ders., Wer war wer im Dritten Reich? Ein biographisches Lexikon, überarb. u. erw. v. Hermann Weiß, 1992, S. 14 f.

      Joachim Lilla (Bearb.), Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch, 2004, S. 9 f.

      Mathias Rösch, Die Münchner NSDAP 1925–1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik, 2002. (Onlineressource)

      Thomas Tavernaro, Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH, 2004.

      Paul Hoser, Franz Eher Nachf. Verlag (Zentralverlag der NSDAP), in: Historisches Lexikon Bayerns, 2006. (Onlineressource)

      Thomas Weber, Hitlers erster Krieg. Der Gefreite Hitler im Weltkrieg. Mythos und Wahrheit, 2011.

      Othmar Plöckinger, Geschichte eines Buches. Adolf Hitlers „Mein Kampf“ 1922–1945. Eine Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte, 22011.

      Peter Fleischmann (Hg.), Hitler als Häftling in Landsberg am Lech 1923/24. Der Gefangenen-Personalakt Hitler nebst weiteren Quellen aus der Schutzhaft-, Untersuchungshaft- und Festungshaftanstalt Landsberg am Lech, 2015, S. 235, Anm. 9 u. S. 249, Anm. 2.

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sammlung Heinrich Hoffmann.

      Fotografien, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.

  • Autor/in

    Paul Hoser (München)

  • Zitierweise

    Hoser, Paul, „Amann, Max“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/116296666.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA