Lebensdaten
1884 bis 1959
Geburtsort
Reval
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116285621 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koehler, Wilhelm
  • Köhler, Wilhelm
  • Koehler, Wilhelm

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Zitierweise

Köhler, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116285621.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1840–1919), Dr. phil., 1871-92 Dir. d. Domschule in R., zog 1893 nach Wolfenbüttel, hier Lehrer u. Bibliothekar (s. L), S d. Pfarrers Wilhelm in Kl.-Neuhausen (Thür.) u. d. Louise Treuber;
    M Wilhelmine, T d. Reinhold Girgensohn (1827-86), Oberpastor u. Sup. in R. (s. L);
    Ov Ulrich (1838–1903), Prof. d. Alten Gesch. in Berlin (s. BJ VIII);
    B Wolfgang (s. 2);
    - 1920 Margarete Bittkow ( 1964), Malerin;
    2 S (1 ⚔).

  • Leben

    K. begann 1903 das Studium der Kunstgeschichte in Straßburg, ging 1904 nach Bonn und anschließend nach Wien, wo er Schüler Franz Wickhoffs und Max Dvoraks wurde. Er wurde dort 1906 mit einer Dissertation über „Michelangelos Schlachtkarton“ (in: Kunstgeschichtliches Jahrbuch der K. K. Zentralkommission für die Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 1, 1907, S. 115-72) promoviert. Anschließend war er Assistent am Kunsthistorischen Institut der Universität Wien und begann mit der Bearbeitung der karolingischen illuminierten Handschriften im Rahmen der vom Deutschen Verein für Kunstwissenschaft herausgegebenen „Denkmäler der deutschen Kunst“. 1914 zum Kriegsdienst einberufen, wurde er nach einer Erkrankung in Polen dem Militärgouvernement für Belgien in Brüssel zugeteilt, wo er mit archivalischen und denkmalpflegerischen Aufgaben betraut wurde. Ein Ergebnis dieser Tätigkeit ist der Aufsatz „Die Denkmäler der karolingischen Kunst in Belgien“ (in: Belgische Kunstdenkmäler, herausgegeben von P. Clemen, I, 1923, S. 1-26). Nach Kriegsende übernahm K. die Leitung des neu gegründeten Schloßmuseums in Weimar, 1923 wurde er Privatdozent, 1924 außerordentlicher Professor in Jena. 1932 und 1933 folgte er einer Einladung der Harvard University, Cambridge, Massachusetts, wo er 1934 Nachfolger A. Kingsley Porters wurde. 1941 übernahm er als Senior Fellow die Leitung der kunstgeschichtlichen Studien an dem eben entstandenen Forschungszentrum in Dumbarton Oaks, Washington, District of Columbia. Das Programm, das ihm dabei vorschwebte, legte er in mehreren Berichten dar (The Dumbarton Oaks Program and the Principle of Collaborative Research, in: Speculum 18, 1943, S. 118-23). 1943 kehrte K. nach Harvard zurück, wo er bis 1953 wirkte. Noch während seiner Lehrtätigkeit hatte er seine Studien zur mittelalterlichen Buchmalerei wieder aufgenommen, um im Auftrage der Bollingen Foundation eine Geschichte der Buchmalerei zu verfassen. Diese Aufgabe stand in den folgenden Jahren im Mittelpunkt seiner Arbeit. Aus dem Material zu dem unvollendet gebliebenen Werk wurde von E. Kitzinger und F. Mütherich eine Auswahl unter dem Titel „Buchmalerei des frühen Mittelalters. Fragmente und Entwürfe aus dem Nachlaß“ (1972) herausgegeben.

    K.s weitgespannte Interessen hatten ihre Schwerpunkte in der mittelalterlichen Buchmalerei, der niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts und der modernen Kunst. Die schon in der Wiener Zeit angeknüpften Verbindungen mit zeitgenössischen Künstlern wurden in Weimar durch Beziehungen zum Bauhaus vertieft, wo er Klee und Feininger besonders nahestand. Ausgedehnte Studien zu einem Werk über die Geschichte der niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts, vor allem über Roger van der Weyden, blieben unvollendet. Eine Frucht der Beschäftigung K.s mit der byzantinischen Kunst ist der Aufsatz „Byzantine Art in the West“ (in: Dumbarton Oaks Papers 1, 1941, S. 61-87), der grundlegend für die weitere Forschung zu diesem Thema wurde. Sein Hauptarbeitsgebiet blieb indessen die frühmittelalterliche und vor allem die karolingische Buchmalerei. 1930/33 erschien in der Reihe „Die Karolingischen Miniaturen“ das zweibändige Werk „Die Schule von Tours“ (Nachdruck 1963), das in seiner Verbindung textkritischer, paläographischer und kunsthistorischer Untersuchungen bis heute vorbildlich ist. 1958 wurde die Reihe mit dem Band „Die Hofschule Karls des Großen“ fortgesetzt, dem 1960 als dritter „Die Gruppe des Wiener Krönungs-Evangeliars – Metzer Handschriften“ folgte, beide in Zusammenarbeit mit F. Mütherich, der K. die Fortsetzung der Veröffentlichung übertrug.

  • Werke

    Weitere W Die Tradition d. Adagruppe u. d. Anfänge d. otton. Stiles in d. Buchmalerei, in: Festschr. Paul Clemen, 1926, S. 255-72;
    Das Apsismosaik v. Sta. Pudenziana in Rom als Stildokument, in: F z. KG u. christl. Kunst, Festschr. Johs. Ficker, 1931, S. 167-79;
    E. K. Rand, A Survey of the Manuscripts of Tours, Studies in the Script of Tours I, 1929, in: Götting. Gel. Anz. 193, 1931, S. 321-66 (Rezension);
    Eine ill. Ausg. d. Ravennnater Ann. (mit B. Bischoff), in: Medieval Studies in Memory of A. Kingsley Porter, I, 1939, S. 125-38;
    An illustrated Evangelistary of the Adaschool and its Model, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 15, 1952, S. 48-66;
    The Fragments of an eight-century Gospel book in the Morgan Library (M. 564), A Contribution to the Hist. of the Vulgate, in: Studies in Art and Literature for Belle da Costa Greene, 1954, S. 238-65;
    Die Karoling. Miniaturen IV: Die Hofschule Kaiser Lothars, Einzel-Hss. aus Lotharingien, 1971 (mit F. Mütherich).

  • Literatur

    F. B. Deknatel u. a., in: Harvard University Gazette v. 21.5.1960, S. 207 f. - Zu V Franz:
    Dt.balt. Biogr. Lex., 1970.

  • Portraits

    Zeichnung v. O. Kokoschka (New York, Privatbes.).

  • Autor/in

    Florentine Mütherich
  • Empfohlene Zitierweise

    Mütherich, Florentine, "Köhler, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 301 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116285621.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA