Lebensdaten
1885 bis 1967
Geburtsort
Münstereifel
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Philosophiehistoriker ; katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116272651 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koch, Joseph

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Zitierweise

Koch, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116272651.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl, Dr. phil., Gymnasialprof.;
    M Maria Rauen.

  • Leben

    K. studierte seit 1903 in Freiburg im Breisgau, Straßburg und Bonn katholische Theologie, Philosophie und klassische Philologie; 1915 promovierte er zum Dr. phil. bei A. Dyroff in Bonn, 1925 zum Dr. theol. bei B. Poschmann in Breslau. 1925 habilitierte er sich für systematische Theologie in Breslau. 1933 wurde er Extraordinarius für Fundamentaltheologie und philosophisch-theologische Propädeutik unter Ernennung zum persönlichen Ordinarius. 1945 mußte er wegen der Kriegsereignisse Breslau verlassen, verlor hierbei seine große Fachbibliothek und sein reiches wissenschaftliches Material. Einen Ruf an das Forschungsinstitut für mittelalterliche Philosophie an der Universität Toronto (Kanada) lehnte er ab, übernahm aber eine Gastprofessur in Bonn. 1947 wurde er auf die neugeschaffene Professur für patristische und scholastische Philosophie und Religionsphilosophie in Göttingen berufen, 1948 auf das Ordinariat für mittelalterliche Philosophie in Köln (1956 emeritiert).

    Koch war einer der scharfsinnigsten und erfolgreichsten Erforscher der Literatur und Ideenwelt der mittelalterlichen Philosophie und Theologie. Er legte den Grund für seine Lebensarbeit mit der Untersuchung „Irrtumslisten“ des endenden 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. In ihnen offenbaren sich die zum Teil sehr heftigen wissenschaftlichen, aber auch kirchlichen Auseinandersetzungen. Er hat die beiden für diese Arbeit geplanten Bände wegen der Kriegswirren nicht zum Druck bringen können, aber zahlreiche Einzelaufsätze veröffentlicht. Dabei hat er die vielfältigen geistigen Hintergründe erschlossen, nämlich den Einfluß der aristotelischen, der platonischen, der neuplatonischen, der jüdischen und der arabischen Philosophie und Religionsphilosophie. Im Unterschied zu der bis dahin herrschenden Ansicht von einer aristotelischen und platonischen Richtung wies er auf die beiden Strömungen im überlieferten Platonismus hin, auf eine platonische und eine neuplatonische, ebenso auf die sehr gegensätzlichen Theorien in der aristotelischen Richtung. Diese Untersuchungen führten K. zu Durandus de S. Porciano, Meister Eckhart und Nikolaus von Kues. Sie hängen in ihrer philosophisch-theologischen Orientierung so eng zusammen, daß K. nicht durch Zufall oder Willkür, sondern notwendigerweise von dem einen zu dem anderen geführt wurde. – Von dem Sentenzenkommentar des streng antithomistischen Dominikaners Durandus entdeckte K. drei in verschiedenem Maße kritische Redaktionen. Er veröffentlichte hierüber den literargeschichtlichen Band „Durandus de S. Porciano O. P., Forschungen zum Streit um Thomas von Aquin zu Beginn des 14. Jahrhunderts“ (1927). Einschlägige geisteswissenschaftliche Erkenntnisse teilte K. in vielen Artikeln mit, unter anderem über die Gedankenwelt des Jakob von Metz, welchen er als Lehrer des Durandus nachwies. – Das zweite Feld von K.s Forschungen war Meister Eckhart. Er trug zur Aufklärung des Lebensganges, der geistesgeschichtlichen Herkunft und der inhaltlichen Analyse der intellektuellen Mystik des Meisters, dessen Verurteilung er übrigens für gerechtfertigt hielt, Wesentliches bei. Seit 1934 hat er die Herausgabe der lateinischen Werke geleitet. Teils allein, teils in Zusammenarbeit mit anderen Gelehrten schuf er aufgrund der gesamten handschriftlichen Überlieferung einen vorbildlichen, an Exaktheit kaum übertreffbaren Text mit einem aufschlußreichen kritischen Apparat und einer gelungenen Übersetzung von einer großen Zahl von Eckharts Schriften. Seine Ansicht, er habe in einer Handschrift der Stadtbibliothek in Brügge den verschollenen, seit langem gesuchten Sentenzenkommentar gefunden, hat der Kritik allerdings nicht standgehalten.

    Von Eckhart führte der Weg zu Nikolaus von Kues. Dieser besaß eine Handschrift von Eckhartischen Werken von besonderer Gewichtigkeit. K. widmete die letzten 20 Jahre seines Lebens mit dem ganzen Einsatz seiner Arbeitskraft, seiner umfassenden und gründlichen Kenntnis der Philosophie der Zeit und der wissenschaftlichen Quellen der Aufhellung des Lebens und Denkens des lange Zeit vergessenen, oft mißverstandenen, ja falsch interpretierten Cusaners. Insbesondere hat es ihm das nach der Schrift „De docta ignorantia“ zweitwichtigste, jedoch schwer verständliche Werk „De coniecturis“ (Über die Mutmaßungen) angetan. In umfangreichen historischen Studien hat er eine kritische Edition und eine zuverlässige Interpretation für den Druck vorbereitet, der indes erst nach seinem Tode von seinem Mitarbeiter Bormann, mit den notwendigen Ergänzungen und Zusätzen versehen, besorgt wurde.|

  • Auszeichnungen

    1947 Mitgl. d. Phil.-hist. Kl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss., 1948 korr. Mitgl. d. gleichen Kl. d. Bayer. Ak. d. Wiss., Mitgl. d. Société Philosophique in Löwen; Gr. Bundesverdienstkreuz; päpstl. Ehrenprälat.

  • Werke

    Weitere W Die wichtigsten Aufsätze u. Art. üb. Durandus, Eckhart n. Nikolaus v. Kues, ihre Umwelt, ihre Vorzeit u. ihre Wirkungsgesch., in: Kl. Schrr., hrsg. v. C. Bormann, 2 Bde., 1973;
    Opuscula et textus, H. 6 u. 8, 1930/35;
    Die Thomistenschule am Ende d. 13. u. zu Beginn d. 14. Jh., in: B. Geyer, Die patrist. u. scholast. Philos., 1928, Neudr. 1964, S. 528-51;
    Giles of Rome, Errores philosophorum, Critical text with Notes and Introduction, engl. Übers. v. J. O. Kiedl, 1944 (nur engl.);
    Von d. Eckhart-Ausg. liegen Bd. 4 (1956) u. Bd. 1 (1964) vor, v. d. Bänden 2 u. 3 sind zahlr. Faszikel ersch.;
    Nicolai de Cusa Opera Omnia, III: De coniecturis, ed. J. K. et C. Bormann, J. G. Senger comite, 1972;
    Nikolaus v. Kues, in: Die Gr. Deutschen I, 1956, S. 275-87;
    Meister Eckhart, in: NDB IV.

  • Literatur

    M. Schmaus, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1967, S. 205-09 (P);
    C. Bormann, in: Kl. Schrr. I, 1973, S. VII-XI.

  • Autor/in

    Michael Schmaus
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmaus, Michael, "Koch, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 268 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116272651.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA