Lebensdaten
1861 bis 1913
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116259760 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knoop, Gerhard Ouckama

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Zitierweise

Knoop, Gerhard Ouckama, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116259760.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann August (1831–77), Kaufm. in B., S d. Gerhard (s. Gen. 2);
    M Angelika Ouckama, aus Holland;
    Ov Ludwig (s. 2);
    - 1895 Gertrud Roth (1869–1967);
    2 T Lilinka (⚭ Fritz Claus, 1885–1956, Bildhauer, s. Vollmer), Wera (1900–19), Tanzschülerin b. Rud. Bode, Pianistin (s. L); N d. Ehefrau Eugen Roth ( 1976), Schriftsteller.

  • Leben

    K., der Kaufmann werden sollte, erhielt eine vorzügliche Ausbildung durch Privatlehrer. Nach kurzem Besuch der Realschule und des Gymnasiums begann er in Freiburg im Breisgau mit dem Studium der Jurisprudenz, wechselte jedoch noch im 1. Semester zur Chemie über. In Hannover und München setzte er sein Studium fort und praktizierte in Mülhausen (Elsaß). 1885 trat er eine Stellung als Chemiker in der Danilovschen Kattunfabrik bei Moskau an, die einem Verwandten gehörte. Seine Dienstwohnung auf dem Fabrikgelände lag weit außerhalb der Stadt, die er nur selten besuchte; später sehnte er sich nach Moskau, der „seelenvollsten aller Großstädte“, zurück. Das Studium und der Beruf waren ihm ein Greuel. 1893 begann er zu schreiben. 1910 übersiedelte er nach München-Neuhausen, wo er sich in beschaulicher Zurückgezogenheit nur noch seiner schriftstellerischen Arbeit widmete. Menschenscheu, von unruhigem, unentschlossenem Wesen, kam K. letztlich nie mit sich ins reine. Er verkehrte im Salon des Barons Alexander Gleichen-Rußwurm, ging gelegentlich zu den Donnerstagen bei Karl Wolfskehl und pflegte Kontakt mit Eduard von Keyserling, Rilke, Ricarda Huch, Thomas Mann und Frank Wedekind. Er starb infolge einer Arsenkur, von der er sich Heilung von seinem Herzleiden versprochen hatte.

    K.s Schaffen gehört ebenso in die Linie der Kulturkritik Lagardes und Langbehns wie in die empfindsam-romantische Linie von Lawrence Sterne und Henry Beyle; Jean Paul ist ihm Vorbild. K. beschreibt die dekadenten Erscheinungsformen vor Ausbruch des 1. Weltkriegs nicht warnend wie etwa ein Wilhelm Raabe, sondern lediglich bedauernd oder ironisierend. Seine Helden sind gegenwartsfremd wie K. selbst. Sie entstammen aussterbenden Geschlechtern, so Sebald Soeker und Freiherr von Skarpl: Der Auslandsdeutsche Soeker, ein moderner Don Quichotte, der auf einer Reise durch Deutschland, das Land seiner Sehnsucht, seltsame Enttäuschungen erlebt und als reiner Tor, als unverbildeter Mensch, in seine Heimat Amerika zurückkehrt; und Freiherr von Skarpl, eine Mischung von Aristokrat und Bohemien, altmodisch wie ein Rokoko-Marquis, weise und skeptisch, der seinen uneingestandenen Idealismus – eine Haltung aus Familienstolz, persönlicher Kultur und innerer Freiheit – in seinem Leben nicht durchzusetzen weiß und sich in eine Ironie rettet, die bis zu schlimmer Selbstverspottung geht. K. war schon zu Lebzeiten unmodern, ohne wirkliche Fühlung mit den damals maßgebenden Strömungen. Er hatte sich der Überlieferung des klassischen Stils verschrieben. Seine Sprache strebt nach Formvollendung, ist jedoch altmeisterlich und umständlich. Das Regellose seiner Bücher, der unbekümmerte Verbrauch ihrer Figuren, die vielfache Auflösung ins Tagebuch (Die Karburg, Roman, 1897), in Briefe (Prinz Hamlets Briefe, 1909), in Notizen und Aphorismen (Romane: Sebald Soekers Pilgerfahrt, 1903; Sebald Soekers Vollendung, 1905) weisen auf die romantisch-ungebundene Grundhaltung K.s hin. Die äußerlich formlosen Werke werden jedoch durch eine durchgehende Bildungsidee zusammengehalten

  • Werke

    Weitere W Romane: Die Dekadenten, 1898;
    Das Element, 1901;
    Hermann Osleb, 1904;
    Nadeshda Bachini, 1906;
    Aus den Papieren d. Frhr. v. Skarpl, 1909;
    Verfalltag, 1911;
    Die Hochmögenden, 1912;
    Unter Kg. Max, 1913;
    Das A u. d. O, 1915. – Novellen: Outsider, 1900;
    Der Gelüste Ketten, 1907;
    Gift, in: Süddt. Mhh. April 1911. -
    Aphorismen, ebd. Febr. 1927;
    Aschermittwoch, Märchen, ebd. März 1927;
    Autobiogr. Aufzeichnungen, ebd. Nov. 1930;
    Die erlösende Wahrheit, Eine einfache Gesch., 1899;
    Meiner Tochter Wera, Brief v. Febr. 1910, in: Otto Julius Bierbaum z. Gedächtnis, 1912. S. 170 ff.;
    Märchen, 1911;
    Gedichte, 1914. -
    Teilnachlaß: München, Stadtbibl.

  • Literatur

    K. Martens, in: Das literar. Echo 16 v. 1.11.1913, Sp. 145-50;
    K. Wolfskehl, Worte b. Tode: v. G. O. K., in: Alm. d. Rupprechtpresse auf d. J. 1926–28, S. 46 f.;
    A. Hübscher, in: Süddt. Mhh. 28, 1930, S. 137 f.;
    A. Plöhn, in: Der Zwiebelfisch 25, 1947, S. 10 ff.;
    A. Luther, Stud. z. dt. Dichtung, 1949, S. 151-61;
    R. Huch, Briefe an d. Freunde, ausgew. u. eingeführt v. Marie Baum, 1955. - Zu Ehefrau Gertrud: I. Münzing, in: Abendztg. v. 19.4.1963 (P)
    ; - Zu T Wera:
    R. M. Rilke, Die Sonette an Orpheus, geschrieben als e. Grabmal f. Wera Ouckama Knoop, 1922;
    J. Herold, Das Mädchen, von d. Rilke entzückt war, in: Münchner Merkur v. 23.4.1955 (P);
    I. Schnack, Rilkes Leben u. Werk im Bild, 1956 (P);
    E. Roth, Wie eine Blume: Wera Ouckama Knoop, in: Die schöne Münchnerin, hrsg. v. H. Arens, 1969, S. 120-33 (P S. 105).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Knoop, Gerhard Ouckama" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 211 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116259760.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA