Lebensdaten
1821 bis 1894
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Bremen
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Begründer der russischen Textil-Großindustrie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119475057 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knoop, Ludwig
  • Knoop, Johann Ludwig
  • Knop, Lev G.
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Zitierweise

Knoop, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119475057.html [16.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gerhard (1782–1862), Tabakhändler, S d. Daniel Diedrich (1745–1817), Kaufm. (Tabak), u. d. Gesine Kulenkamp;
    M Anna Rebecca (1793–1878), T d. Blaufärbers Peter Frerichs in B. u. d. Anna Rebecca Weber;
    B Julius Frhr. v. K. (1826-1902), Chef d. Fa. de Jersey u. Co.;
    - Pokrowsky b. Moskau 1843 Luise (1824–94), T d. Kaufm. Joh. Chr. Hoyer ( 1869) in Moskau;
    N Gerhard Ouckama (s. 1);
    Ur-E Hans Joachim Kulenkampff (* 1921), Schauspieler;
    Urur-E Ernst Albrecht (* 1930), Niedersächs. Min.präs.

  • Leben

    K. wuchs als viertes von 8 Kindern in einer Zeit geschäftlicher Mißerfolge seines Vaters auf, dessen Tabakhandelsfirma wiederholt vom Zusammenbruch bedroht war. Nach kaufmännischer Lehre in einem Bremer Handelshaus ging er in jungen Jahren nach England, um in der Textilhandelsfirma de Jersey & Co. in Manchester zu arbeiten, an der sein Onkel Andreas Frerichs beteiligt war. In ihrem Auftrag ging er nach Moskau, wo eine Filiale bestand, und war dort im Garnhandel tätig. Die russische Baumwollindustrie bezog damals Garne hauptsächlich aus England. Als dieses 1842 das Ausfuhrverbot für Maschinen aufhob, begann K. sofort, den Fabrikanten in Rußland eigene Spinnereien mit englischen Maschinen aufzubauen; meist trat er in die Verwaltung dieser Firmen ein, wodurch er allmählich eine Kontrollfunktion in der gesamten russischen Baumwollindustrie erhielt. Gemeinsam mit seinem Onkel und russischen Geldgebern errichtete er selbst eine Spinnerei, die 1849 den Betrieb aufnahm. Weitere Gründungen schlossen sich in rascher Folge an. 1852 eröffnete K. in Moskau ein Kontor, zu dem bald eine Zweigniederlassung in Sankt Petersburg kam. Die Firma vermittelte in Zusammenarbeit mit de Jersey & Co. aus England alles, was für den Bau, die Einrichtung und den Betrieb von Textilfabriken erforderlich war: Kapital, Maschinen, Rohstoffe (Baumwolle) und geschultes Personal, vor allem Techniker. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1861 stand die Firma Knoop mit einem Handelsvolumen (über Petersburg) von 8,7 Millionen Rubel weit an der Spitze aller Export/Import-Unternehmen.

    Auf die Spinnereien, von denen K. insgesamt 122 gegründet haben soll, folgten Baumwollwebereien, dann auch Fabriken für Woll- und Flachsverarbeitung. Der in Rußland verbreitete Spruch „Keine Kirche ohne Pop', keine Fabrik ohne Knoop“ zeigt die Bedeutung der K.schen Unternehmungen für die Industrialisierung des Zarenreiches. Das sprunghafte Wachstum der russischen Textilindustrie führte zu oft schwierigen Absatz- und Finanzierungssituationen, zu denen sich Zollprobleme gesellten. Deshalb kümmerte sich K. auch um den Ausbau des Kredit- und Versicherungswesens und beteiligte sich an der Gründung von Banken und Versicherungsgesellschaften in Moskau (zum Beispiel Moskauer Diskontobank, Moskauer Feuerversicherung) und Petersburg. Über diese Institute übte er einen oft beherrschenden Einfluß vor allem auf die Webwarenindustrie aus, zumal er auch die Baumwolleinfuhr aus England weitgehend kontrollierte. 1856 errichtete er auf der Insel Kränholm im Wasserfall der Narowa bei Narwa die Kränholmer Manufaktur für Baumwollfabrikate, die mit über 400 000 Spindeln und über 2 000 Webstühlen die damals größte Textilfabrik der Welt war und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das bedeutendste Industrieunternehmen Estlands blieb. Der wachsende Umfang seiner Geschäfte ermöglichte es K., sich zunehmend von den englischen Handelsplätzen unabhängig zu machen und die Baumwolle schließlich auf einer Flotte von gescharterten Schiffen direkt aus den Erzeugungsgebieten Nordamerika, Brasilien, Ägypten und Mittelasien zu importieren. In Bombay und New Orleans unterhielt er eigene Einkaufskontore. Auch der damals einsetzende Aufstieg Bremens als internationaler Baumwollhandelsplatz war weitgehend sein Werk. An der Moskauer Börse übte K. einen bedeutenden Einfluß aus. 1858-61 stand er ihr als Ältester vor.

    1861 kehrte K. nach Bremen zurück, um von hier aus seine weltweiten Geschäfte zu leiten, hielt sich aber auch weiterhin während etwa der Hälfte des Jahres in Moskau, Petersburg und Narwa auf, wo in der übrigen Zeit sein Schwager Prowe und später seine 3 Söhne seine Platzhalter waren. Wiederholt beriet er die russische Regierung in Wirtschaftsfragen. In Bremen widmete er sich vor allem dem Baumwollhandel, den er schon mittels Telegraph betrieb. Meist hielt er sich auf seinem 1859 erworbenen Landsitz Mühlenthal an der Lesum auf.

    Als Unternehmer zeichnete sich K. durch eine enge Verbindung von strategisch planender Gründermentalität und taktisch-händlerischer Begabung aus. Seine phantasievolle und zugleich realistische Einschätzung unternehmerischer und geschäftlicher Chancen in einem großen, aber noch unentwickelten Markt befähigte ihn dazu, in kurzer Zeit ein riesiges Firmennetz aufzubauen und lebensfähig zu erhalten.

  • Literatur

    G. v. Schulze-Gaevernitz, Volkswirtsch. Stud. aus Rußland, 1899;
    A. Wolde, L. K., Erinnerungsbilder aus s. Leben, 1928;
    F. Prüser, in: Niedersächs. Lb. I, 1939, S. 244-55 (L, P);
    E. Amburger, Der fremde Unternehmer in Rußland, in: ZUG 1, 1957, S. 347, 354;
    ders., Das neuzeitl. Narva als Wirtsch.faktor zw. Rußland u. Estland, in: Jb. f. Gesch. Osteuropas NF 15, 1967, S. 206 f. (L);
    A. v. Traube, Brem.-balt. Begegnungen aus 3 Jhh., in: Balt. Hh. 13, 1967, S. 47-53 (L);
    W. L. Blackwell, The Beginnings of Russian Industrialization, 1968;
    H. v. Wistinghausen. Qu. z. Gesch. d. Rittergüter Estlands (1772–1889), 1975, S. 149 f. -
    Mitt. v. Prof. E. Amburger.

  • Autor/in

    Hans Jaeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaeger, Hans, "Knoop, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 212 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119475057.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA