Lebensdaten
1832 bis 1898
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Meran
Beruf/Funktion
Maler ; Historienmaler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116254645 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knille, Otto

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Zitierweise

Knille, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116254645.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1803–81), Dr. iur., Kanzleiprokurator in O., dann Obergerichtssekr. in Lehe, S d. Christian, Kanzleiprokurator u. Gutsbes. in O. u. d. Sophie Marie Endris;
    M Auguste (1806–89), T d. Karl Hesse, Amtmann in Hann. Münden u. Liebenburg, u. d. Dorothea Frank;
    B Louis Karl (1840–1920), Großkaufm. in New York, Berlin u. Kassel;
    - Berlin 1873 Marie Elisabeth Kuhtz (1847–1921);
    1 S, 1 T (beide jung †).

  • Leben

    K. studierte bei W. Schadow und den Historienmalern C. F. Sohn, E. Leutze und Th. Hildebrand an der Düsseldorfer Akademie. 1854 ging er für ein halbes Jahr nach Paris, um sich im Atelier des Historienmalers Th. Couture, eines Nachfolgers Delacroix', weiter ausbilden zu lassen. Vier Jahre lang lebte er in München. Während eines dreijährigen Aufenthalts in Rom (1860–62 Mitglied des deutschen Künstlervereins in Rom) kopierte er alte Meister, mit Vorliebe Tizian. 1866 ließ er sich in Berlin nieder. 1875 wurde er Lehrer an der Berliner Akademie (1877 Professortitel); seit 1885 stand er als Nachfolger von Ludwig Knaus dem Meisteratelier für Geschichtsmalerei vor. 1889 richtete er an der Berliner Akademie einen Aktkursus ein, in dem er nach antiken Gipsabgüssen und Kontur zeichnen ließ.

    K.s Historienbilder der Münchner Zeit, die unter dem Einfluß Pilotys stehen, zeugen von eingehenden antiquarischen Studien und wirken durch lebhaftes Kolorit und korrekte Zeichnung. Seine bedeutendsten frühen Gemälde, „Der Tod des Gotenkönigs Totila“ (1855) und „Cid Campeador siegt noch als Leiche über seine Feinde“ (1858), weisen noch deutliche Einflüsse der romantischen Düsseldorfer Malerschule auf. K. wurde die künstlerische Ausschmückung der Straße Unter den Linden anläßlich des Einzugs der siegreichen Truppen am 16.6.1871 übertragen; sein „Aufruf Germanias an ihre Söhne zum Kampfe“ erregte Aufsehen. Sein wenige Jahre später entstandenes Hauptwerk „Tannhäuser im Venusberg“ (1873, Berlin, Nationalgalerie) begeisterte ganz Berlin und brachte ihm noch mehr als bisher große Aufträge ein. Glänzendes Kolorit verband sich mit edler Formgebung und schwungvoller Komposition. Hohe Anerkennung erlangten auch seine Wandgemälde für die Berliner Universitätsbibliothek, die die klassische mittelalterlich-scholastische, humanistische und moderne Kultur|allegorisch darstellen (1873-84). Bei diesen Wandgemälden deutet sich der Übergang von idealistisch-klassizistischen Historienbild zu genrehafter Auffassung an. Damit gelangen im offiziellen Wandbild die Elemente der romantisierenden Genremalerei zum Durchbruch, die das späte Oeuvre K.s bestimmen (Alter Engadiner Bauer, 1880; Schiffer vom Gardasee, 1888). Gleichzeitig rückt in seinen späten Gemälden die Landschaft in den Vordergrund (Holzhütte im Wald; Strand auf Sylt). Dennoch zählte K., dessen breite Palette koloristischer Mittel von Zeitgenossen hoch gelobt wurde, zu den ersten Vertretern der Berliner idealistischen Historienmalerei.

    Mit starker zeichnerischer Begabung ausgestattet, war K. auch als Illustrator tätig (J. von Falke, Hellas und Rom, 1880; J. Scherr, Germania, 1885). Die kurz vor seinem Tode erschienene theoretische Auseinandersetzung mit dem „Wollen und Können in der Malerei“ (1897) belegt ebenso wie sein künstlerisches Werk seine formale Gebundenheit. Den handwerklichen Fähigkeiten maß er – noch vor dem gedanklichen Entwurf – primäre Bedeutung zu.

  • Werke

    Weitere W Festzug d. Düsseldorfer Künstler z. Frühlingsfest, 1850 (Düsseldorf, Stadtgesch. Mus.);
    Verwüstung e. Dominikanerklosters im dt. Bauernkrieg, 1851 f.;
    Fra Angelico da Fiesole malt im Kloster San Marco zu Florenz, um 1860 (Hannover, Mus.);
    Ausschmückung d. Schlosses Marienburg b. Hildesheim (Auftrag d. Kgn. Marie v. Hannover) mit Wandgem. n. Thüringer Sagen (Hauptgem.: Barbarossa im Kyffhäuser). 1865;
    Hochzeit zu Kanaa, Wandgem. f. d. Altarraum d. Kirche zu Golm b. Potsdam, 1887, n. Ent würfen K.s;
    Porträt d. Kaiserin-Witwe Viktoria, 1888;
    Der Friedensbund, 1896. - Schr.:
    Grübeleien e. Malers üb. s. Kunst, 1887.

  • Literatur

    A. Rosenberg, die Berliner Malerschule 1819–79, 1879;
    ders., Zur Erinnerung an O. K., in: Berliner Architekturwelt, 1899, S. 265 ff. (mit zahlr. Abb.);
    R. Muther, Gesch. d. Malerei im 19. Jh. I, 1894;
    Max Schmid, Kunstgesch. d. 19. Jh. II, 1906;
    C. Gurlitt, Die dt. Kunst seit 1800, 1924;
    Ausstellungskat., Nat.gal. Berlin, 1898;
    H. W. Singer, Allg. Künstlerlex. II, 21896;
    ThB.

  • Autor/in

    Brigitte Lohkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohkamp, Brigitte, "Knille, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 186 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116254645.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA