Lebensdaten
1870 bis 1941
Geburtsort
Dorpat
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11619443X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dragendorff, Hans

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Zitierweise

Dragendorff, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11619443X.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg s. (1);
    1) 1898 Marie ( 1919), T des Johannes Justus Rein (1835–1918), Geograph (s. DBJ II, Tl. 1918, W, L), 2) Erna, Wwe des Althistorikers Diedrich Fimmen ( 1916), T des Prof. Hoyer aus Lübeck;
    3 K aus 1), 1 T aus 2).

  • Leben

    D. studierte klassische Archäologie, alte Sprachen und alte Geschichte zunächst in Dorpat, dann in Berlin, wo D. neben A. Furtwängler O. Hirschfeld und H. Diels hörte, schließlich in Bonn, wohin er seinem Dorpater Lehrer G. Loeschke 1891 folgte. Die Bonner Schule wurde für D.s weiteren wissenschaftlichen Werdegang ebenso bestimmend wie die Begegnung mit den Problemen, die der geschichtlich reiche Boden des Rheingebietes stellte. Aus der noch ganz vernachlässigten rheinisch-römische Kleinkunst wählte er das Thema seiner Dissertation, einer Arbeit, die nicht nur zu den grundlegenden Werken der Erforschung des römerzeitlichen Deutschland gehört, sondern in ihrer Methodik weit über den in ihr behandelten Stoff hinaus auch für die Erforschung der vorgeschichtlichen Keramik Schule machte. D.s chronologische Ergebnisse, basierend auf einem mustergültigen Formenkatalog, wurden die Voraussetzung für eine zuverlässige Beurteilung der Funde aus den Grabungsstätten Westdeutschlands und sind in manchen Fällen noch heute das einzig sichere Datierungsmittel. Als Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts wurde D. 1896 die Ausgrabung der Nekropole von Thera übertragen, deren Ergebnisse er 1903 veröffentlichte (Altertümer von Thera III). 1898 folgte er einem Ruf an die Universität Basel. 1902 übernahm er in Frankfurt/Main die Einrichtung und Leitung der Römisch-Germanischen Kommission, die damals das Archäologische Institut unter A. Conze gründete, um der Römerforschung auf|deutschem Boden eine den Zweiganstalten des Instituts in Rom und Athen entsprechende Organisation zu schaffen. Durch diesen Institutsaufbau hat D. während der 10 Jahre seiner Frankfurter Tätigkeit der in sich zusammenhanglosen Forschung in Süd- und Westdeutschland Richtung gegeben, Kräfte für die Lokalforschung ausgebildet, Material zur frühen Landeskunde des Gebietes erschlossen und in den 7 durch ihn herausgebrachten Jahresberichten der Römisch-Germanischen-Kommission veröffentlicht, wobei er die Vorgeschichte in gleichem Maße wie die Römerzeit in den Aufgabenbereich einbezog. Das von D. gestaltete Institut in Frankfurt hat in den einst römischen Ländern Europas vielfach Nachahmung gefunden, wie es auch D.s Verdienst war, daß er die Arbeiten der Römisch-Germanischen-Kommission aus der nationalen Beschränkung löste und in fruchtbare Verbindung mit der Forschung des Auslands brachte. 1911 übernahm D. in Berlin als 1. Sekretär, als der er 1916 in die Berliner Akademie der Wissenschaften berufen wurde, die Leitung des Archäologischen Instituts, dem er in den schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren seine ganze Kraft widmete, so daß er erst wieder zu eigener wissenschaftlicher Arbeit kam, als er 1922 als Ordinarius nach Freiburg berufen wurde. In dieser Zeit beschäftigte ihn von neuem die Terra-Sigillata-Forschung. Zu einer zusammenfassenden Untersuchung kam er jedoch nicht mehr, da er sich als Emeritus nach Ausbruch des 2. Weltkrieges wieder dem Institut in Frankfurt zur Verfügung stellte. Doch findet sich ein reicher Niederschlag seiner Erkenntnisse in dem von ihm bearbeiteten und nach seinem Tode von C. Watzinger herausgegebenen groß angelegten Katalog der arretinischen Reliefscherben des Tübinger Archäologischen Museums (Arretinische Reliefkeramik, 1948).

  • Werke

    Weitere W u. a. Terra Sigillata, e. Btr. z. Gesch. d. griech. u. röm. Keramik, in: Bonner Jbb. 96, 1895 (erweiterte Diss. Bonn 1894); Westdtld. z. Römerzeit, 1912, 21919; Grabmal v. Igel, 1924, = Röm. Grabmäler d. Mosellandes u. d. angrenzenden Gebiete I (mit E. Krüger).

  • Literatur

    G. Rodenwaldt, in: Jb. d. Preuß. Ak. d. Wiss. 1941, S. 210-27 (W, P).

  • Autor/in

    Heinz Kähler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kähler, Heinz, "Dragendorff, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 99 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11619443X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA