Lebensdaten
1811 bis 1873
Geburtsort
Linz/Rhein
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Kupferstecher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116174706 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keller, Josef von
  • Keller, Joseph von
  • Keller, Josef von

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Zitierweise

Keller, Joseph von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116174706.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias (1782–1859), Kolonialwarenhändler, S d. Ratsherrn u. Schöffen Josef Anton in L. u. d. Anna Christina Külz aus Ahrweiler;
    M Anne Maria (1786–1870), T d. Andreas Wilhelm Schmitz u. d. Margreta Nolden; 9 jüngere Geschw., u. a. Franz (1821–96), Kupferstecher, Schüler K.s, 1837-51 an d. Ak. in D. (s. ThB, W, L);
    - Düsseldorf 1841 Bertha, T d. Kupferdruckers Schulgen in Bonn; Schwager August W. Schulgen, Kupferdrucker in D.

  • Leben

    Bis zu seinem 16. Lebensjahr besuchte K. das Gymnasium in Linz. In der Bonner Schulgen-Bettendorfschen Kupferdruckerei ließ er sich|anschließend als Kupferstecher ausbilden. Bereits seine ersten dort geschaffenen Reproduktionen (nach Fresken von C. H. Hermann und J. Götzenberger, Aula der Universität Bonn) zeigen Linienstich und gehen über die reine Punktiermanier, wie sie in der Kupferdruckanstalt gepflegt wurde, hinaus. Um sich im Linienstich weiterzubilden, ging K. 1835 an die Düsseldorfer Akademie, die einzige Akademie Deutschlands, der ein – allerdings noch unbedeutendes – Kupferstichatelier unter Leitung des Kupferstechers E. C. G. Thelott angegliedert war. Künstlerischen Einfluß übten dort die Maler Wilhelm Schadow und Julius Hübner auf ihn aus. Nach anfänglich rein graphisch aufgefaßten Stichen (Porträtstiche von P. Cornelius und Schadow nach Gemälden von W. von Kaulbach und Hübner) stellte ein Stich nach Hübners Gemälde „Roland befreit die Prinzessin von Gallizien“ (1836/37) das erste Blatt dar, in dem eine Umsetzung des malerischen Elements mit graphischen Mitteln versucht wurde.

    1838 ging K. zu A. G. L. Desnoyers und François Forster nach Paris, um Erfahrungen im Stahlstich zu sammeln. Dort erschienen 1839 die Stiche nach Overbecks „Heures Nouvelles“, von deren 12 Blättern K. 10 nachgestochen hatte. Nach dem Tode Thelotts trat K. 1839 zunächst provisorisch, seit 1846 endgültig die Stelle des Leiters der Kupferstichklasse an der Düsseldorfer Akademie an. 1841 erhielt er vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen den Auftrag, die „Disputa“ Raffaels nachzustechen. Dies führte zu einer Reise nach Italien und Rom, von der er 1844 zurückkehrte. Die „Disputa“, welche nun in 12jähriger Arbeit entstand und in ungewöhnlich großen Maßen ausgeführt wurde (7,5 × 5,5 Fuß), bildet das zentrale Werk in K.s Schaffen (1871 erste Drucke; Vernichtung der Platte durch Brand 1872). K.s letzte Reise führte nach England, wo er ein Bildnis des Prinzen Albert stach und mit Vorarbeiten zu den Stichen nach 16 Raffael-Zeichnungen (Entwürfe zu den Gobelins von Arras, Kensington-Museum) begann.

    K.s Ruhm basierte vor allem auf seiner zeichnerischen Genauigkeit und auf seinem Bemühen, den Geist des wiederzugebenden Kunstwerks zu erfassen und es in diesem Sinne nachzuschaffen. Zahlreiche in- und ausländische Ehrungen, Preise und auch der ihm verliehene persönliche Adel beweisen die weitverbreitete Wertschätzung, die er zu Lebzeiten genoß. Als eigentlicher Begründer der einzig bedeutsamen Kupferstecherschule Deutschlands hat sich K. große Verdienste erworben. Allerdings steht sein Name am Ende des Zeitalters des reproduktiven Kupferstichs. Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts übernahmen Photogravüre und Photographie die Aufgabe, berühmte Kunstwerke abzubilden und in großer Zahl zu verbreiten. Gleichzeitig wurden nunmehr künstlerische Potenzen frei zu eigenschöpferischer Betätigung. Damit änderte sich die Beurteilung von Wert und Bedeutung dieser Reproduktionstechnik, die rückblickend weniger als Kunst denn als Technik und Handwerk (Gebrauchsgraphik) beurteilt wird.

  • Werke

    Weitere W (in d. graph. Slg. d. Städt. Kunstmus. Düsseldorf befinden sich 52 Bll. K.s);
    nach Overbeck: Grablegung;
    Christus mit d. Kreuz, 1844;
    Das Evangelienwerk, 40 Darst. aus d. NT (in Zusammenarb. mit Schülern);
    - nach E. Degen: Madonna in d. Appollinariskirche;
    Mater Dolorosa;
    - nach A. Scheffer: Madonna u. d. Leichnam Christi;
    - nach Raffael: Hl. Dreifaltigkeit (aus San Severo in Perugia), Sixtin. Madonna, 1871 vollendet.

  • Literatur

    ADB 15;
    M. Blanckerts, Düsseldorfer Künstler, Nekr. aus d. letzten 10 J., 1877;
    Wolfg. Müller v. Königswinter, Düsseldorfer Künstler aus d. letzten 25 J., Kunstgeschichtl. Briefe, 1894;
    F. Schaarschmidt, Zur Gesch. d. Düsseldorfer Kunst im 19. Jh., 1902;
    P. Horn, Düsseldorfer Graphik in alter u. neuer Zeit, 1928;
    ders., Der Kupferstecher J. v. K., Sein Leben, s. Werk u. s. Schule, 1931;
    H. W. Singer, Allg. Künstler-Lex. II, 1896;
    Neues Allgem. Künstler-Lex. VII, 21906;
    ThB (W, L).

  • Portraits

    Gem. v. J. Hübner (Düsseldorf, Städt. Mus.).

  • Autor/in

    Brigitte Lohkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohkamp, Brigitte, "Keller, Joseph von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 461 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116174706.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Keller: Josef v. K., Kupferstecher, geb. am 31. März 1811 in Linz am Rhein, am 30. Mai 1873 in Düsseldorf. Er war das älteste von zehn Kindern eines unbemittelten Gewürzkrämers, empfing den ersten Zeichnenunterricht auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, welches er bis zum 16. Lebensjahre besuchte und ging dann nach Bonn, um sich dort in der Schulgen-Bettendorf'schen Kupferdruckerei zum Kupferstecher auszubilden. Die einseitige, wenig anregende Beschäftigung in derselben genügte seinem höheren Streben indessen nicht, er suchte deshalb aus eigenen Kräften vorwärts zu kommen und es gelang ihm in den Stichen nach den Cartons der beiden Frescobilder in der Universitätsaula „Theologie“ von C. Hermann und „Philosophie“ von Götzenberger bereits zwei Blätter zu vollenden, die sein bedeutendes Talent glänzend offenbarten. Um sich aber weiter zu vervollkommnen, verlegte K. 1835 seinen Wohnsitz von Bonn nach Düsseldorf. Die Kupferstecherkunst fand hier zwar auch noch wenig Pflege; desto fördernder aber war für ihn der Verkehr mit den vielen Malern, besonders mit Julius Hübner, dessen Bild „Roland, die Prinzessin von Galizien befreiend“ er als Nietenblatt für den rheinisch-westfälischen Kunstverein stach. Bald sammelten sich schon einige Schüler um ihn und als 1839 der bisherige Lehrer der Kupferstecherkunst an der Düsseldorfer Akademie, der alte Professor Thelott, starb, wurde K. zu dessen Nachfolger ernannt. Er entwickelte nun als ausübender Künstler und als Lehrer eine solch erfolgreiche Thätigkeit, daß sein Name zu den gefeiertesten der Düsseldorfer Schule mit Recht gezählt wird und auch im Ausland eine seltene Berühmtheit erlangte. 1841 vollendete er ein großes Blatt „Himmelskönigin“ nach Deger für den rheinisch-westfälischen Kunstverein, der ihm dann den Auftrag ertheilte, Rafael's „Disputa“ in den Stanzen des Vaticans in der beträchtlichen Größe von 7½ zu 5½ Fuß zu stechen. K. begab sich in Folge dessen nach Rom, führte hier die meisterhafte Zeichnung nach dem Bilde aus und begann nach seiner Rückkehr 1844 die umfangreiche Arbeit, die er nach zwölf Jahren unermüdlichen Fleißes in bewunderungswürdiger Weise vollendete.|Außerdem lieferte er noch gleich vorzügliche Stiche nach Rafael's „Heiliger Dreifaltigkeit“ in St. Severo in Perugia (1844), „Mater dolorosa“ nach Deger, „Christus im Grabe“ nach Ary Scheffer und kleinere Blätter nach Overbeck, Steinle u. A. Nach schweren körperlichen Leiden begann K. dann 1860 eine zweite Riesenarbeit, die Platte nach Rafael's „Sixtinischer Madonna“ in der Größe von 27½ zu 20½ Zoll, die er 1871 dem Druck übergeben konnte. Dieser Stich erregte ein fast noch größeres Aufsehen, als die Disputa, und Kunstgelehrte, Kenner und Publikum wetteiferten in seiner Anerkennung. Die anstrengenden Arbeiten hatten zwar die physischen Kräfte Keller's allmählich aufgerieben, sein Geist aber hielt sich frisch, und als er nach England eingeladen wurde, um das Bildniß des Prinzen Albert zu stechen, faßte er noch den Plan, die 16 Originalzeichnungen Rafael's zu den Gobelins von Arras im Kensingtonmuseum zu stechen und begann sogar nach seiner Rückkehr nach Düsseldorf die Zeichnungen des ersten Blattes „Petri Fischzug“, die er unvollendet zurückließ, als eine Lungenlähmung ihn von langen qualvollen Unterleibsleiden befreite. K. war Mitglied der Akademien von Berlin, Brüssel, St. Petersburg, Wien und seit 1854 des Institut de France. Auf fast allen großen Ausstellungen erhielt er die goldene Medaille, unter Anderen in Paris drei Mal, 1837, 1859 und 1863, sowie das Kreuz der Ehrenlegion und 1867 sogar den „Grand prix“ von 2000 Francs in Gold, der noch nie einem Fremden verliehen worden war. Zu seinen zahlreichen Orden gehörte auch das Ritterkreuz erster Klasse der württembergischen Krone, womit der persönliche Adel verbunden ist. Der bleibende Werth seiner trefflichen Arbeiten beruht hauptsächlich in dem tiefempfundenen Ausdruck der Köpfe, in der strengen Beobachtung der charakteristischen Eigenschaften des Originals und der malerischen Wirkung, sobald dieselbe mit der Strenge des Stils verträglich erscheint.

    • Literatur

      Wiegmann, Die königl. Kunstakademie zu Düsseldorf (Düsseldorf 1856).

  • Autor/in

    M. Blanckarts.
  • Empfohlene Zitierweise

    Blanckarts, Moritz, "Keller, Joseph von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 583-584 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116174706.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA