Lebensdaten
1806 bis 1869
Geburtsort
Bamberg
Sterbeort
Pertisau/Achensee
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116165367 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfeufer, Carl von
  • Pfeufer, Carl Sebastian von
  • Pfeufer, Karl von
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Zitierweise

Pfeufer, Karl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116165367.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian P. (1780-1852), Prof. d. Med. in B., Stadtphysikus;
    M Margarethe Ellemann (1780–1813 oder 1781-1812);
    B Sigmund Frhr. (1824–94, bayer. Personaladel 1867, Frhr. 1881), bayer. Innenmin., Reg.präs. v. Oberbayem (s. Schärl);
    1834 Ottilie v. Hardegg (* 1813);
    1 S, 1 T; Verwandte (?) Benignus P. (1732-97), aus B., Jurist, Schriftst., Sebastian P., Dr. phil., Lic. iur., Hofger.advokat in B., V d. Benno Rr. v. P. (1804-71), aus B., bayer. Finanzmin. (s. Schärl), Christian v. P. (1808-82), aus B., Dir. d.kgl. Bank.

  • Leben

    P. absolvierte das Gymnasium in Bamberg und begann 1824 mit dem Medizinstudium in Erlangen und Würzburg, wo er Assistent des Klinikers Johann Lucas Schoenlein (1793–1864) wurde. Nach der Promotion und Staatsprüfung begab er sich 1831/32 in staatlichem Auftrag zur Beobachtung von Cholera-Epidemien nach Berlin, in die Oderregion, nach Magdeburg, Wien und Budapest und ließ sich anschließend als praktischer Arzt in München nieder. Als 1836 in Mittenwald eine Cholera-Epidemie ausbrach, wurde P. mit der medizinischen Kontrolle der Region betraut und dann zum Landgerichtsarzt des Bezirks Vorstadt Au bei München ernannt. 1840 übernahm er einen Lehrstuhl an der medizinischen Klinik in Zürich. Dort lernte er den Anatomen und Physiologen Jakob Henle (1809–1885) kennen, dessen enger Freund und Vertrauter er lebenslang blieb. Henle und P. begründeten 1844 die „Zeitschrift für rationelle Medizin“, die sie bis 1869 gemeinsam herausgaben, um die physiologisch orientierte Diagnose und Therapie zu fördern. 1844 folgten beide einem Ruf an die Universitätsklinik in Heidelberg, 1852 übernahm P. eine klinische Professur und Oberarztstelle an der zweiten medizinischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in München. In dieser Funktion führte er die Physiologie und pathologische Anatomie in den klinischen Unterricht ein und beeinflußte die Neubesetzung der Lehrstühle für Anatomie, Physiologie, Chirurgie und Geburtshilfe. Darüber hinaus setzte sich P. nach der zweiten Cholera-Epidemie in München 1854 für die Einrichtung eines Lehrstuhls für Hygiene unter Leitung Max v. Pettenkofers (1818–1901)|ein. obwohl er dessen Theorie über die grundwasserbedingte Seuchenentstehung nicht teilte.

    Verdienst ist vor allem die fortschrittliche Neubelebung des bayer. Medizinalwesens. Er setzte 1865 eine Verordnung zur Sicherung der Freizügigkeit des ärztlichen Berufsstandes durch, reformierte das medizinische Prüfungswesen, schuf Verordnungen zur Pokkenschutzimpfung (1864) und zum Gifthandel (1866) und regelte das Gebühren- (1866) und Badewesen (1868). P. war mit dem Dichter August Graf v. Platen (1796–1835) befreundet, dessen literarischen Nachlaß er herausgab.|

  • Auszeichnungen

    Hofrat (1845); sächs. Albrechtsorden II. Kl.; bayer. Michaelsorden I. Kl. (1854); Verdienstorden d. bayer. Krone (1855).

  • Werke

    u. a. Btrr. z. Gesch. d. Petechial-Typhus, Diss. Bamberg 1831;
    Ber. üb. d. Cholera-Epidemie in Mittenwald, 1837;
    Zum Schutze wider d. Cholera, 1849, 31854;
    H. Hoepke (Hg.), Der Briefwechsel zw. Jakob Henle u. K. P. 1843-1869, 1970 (P).

  • Literatur

    ADB 25;
    J. Kerschensteiner, Das Leben u. Wirken d. K. v. P., 1871 (W-Verz., P);
    Münchner med. Wschr. 54, 1907, S. 25-28;
    BLÄ;
    Chronik d. Ärzte Heidelbergs, 1985 (P);
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I.

  • Autor/in

    Eberhard J. Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Pfeufer, Karl von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 332 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116165367.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pfeufer: Karl v. P., Arzt, Sohn von Christian P., Arzt und ehemaligem Professor der Medicin an der Universität in Bamberg, ist daselbst am 22. December 1806 geboren. Er hatte zuerst in Erlangen, später in Würzburg Medicin studirt, nach abgelegtem Examen längere Zeit als Assistent in der Schönlein'schen Klinik fungirt und war hier 1831 mit einer, das gewöhnliche Maaß akademischer Dissertationen weit überragenden Schrift „Beiträge zur Geschichte des|Petechialtyphus“ promovirt worden. — Mit einem Stipendium von der baierischen Regierung ausgestattet, machte er im Herbste desselben Jahres eine Reise nach Norddeutschland, um die daselbst epidemisch herrschende Cholera zu studiren (der Bericht über die Resultate seiner Beobachtungen ist in der Beilage zu Nr. 19 der baierischen Annalen vom Jahre 1833 veröffentlicht), und habilitirte sich darnach in München als praktischer Arzt. — Bei dem Ausbruche der Cholera im J. 1836 in Baiern wurde er als Regierungscommissar nach dem von der Krankheit heimgesuchten Orte Mittenwald zur Bekämpfung der Seuche geschickt und im September des folgenden Jahres erhielt er eine Anstellung als Landgerichtsarzt in der Münchener Vorstadt Au. — Im J. 1840 folgte er einem Rufe als Professor der medicinischen Klinik nach Zürich an Stelle seines nach Berlin abgegangenen Lehrers Schönlein, 1844 fiedelte er in gleicher Eigenschaft, und zwar gemeinsam mit seinem Freunde und Züricher Collegen Henle, nach Heidelberg über, verweilte hier acht Jahre und übernahm dann (1852) die klinische Professur an der zweiten medicinischen Abtheilung im allgemeinen Krankenhause in München, mit welcher ihm gleichzeitig die Stellung des ärztlichen Referenten im Ministerium des Innern übertragen worden war. Auf dem Heimwege von einer Erholungsreise, welche er im Sommer 1869 mit seiner Familie nach Pertisau (am Achensee) unternommen hatte, erlitt P. einen Schlaganfall, der seinem an praktischen Erfolgen reichen Leben am 13. September ein plötzliches Ende machte. — P. gehört zu den bedeutendsten Schülern Schönlein's und den würdigsten Vertretern der von demselben wesentlich geförderten neuesten Phase in der wissenschaftlichen Entwickelung der deutschen Medicin, das größte Verdienst um sein engeres Vaterland aber hat er sich, neben seinen hochgeschätzten Leistungen als klinischer Lehrer und praktischer Arzt, durch die Reformen erworben, welche er in dem baierischen Medicinalwesen herbeigeführt und mit welchen er viele veraltete Vorurtheile und Mißstände überwunden hat; nach 12jährigen Bemühungen war es ihm gelungen, die Freigebung der ärztlichen Praxis in Baiern zu erzielen und viele neuere wichtige Verordnungen, so u. a. über die obligatorische Schutzpockenimpfung, über den Gifthandel, sind sein Werk. — Die litterarische Thätigkeit Pfeufer's ist eine sehr beschränkte geblieben; außer den oben genannten Arbeiten hat er einen „Bericht über die Cholera-Epidemie in Mittenwald" (1837), sodann eine kleine Schrift „Zum Schutze wider die Cholera“ (1849, in 3. Aufl. 1854), welche, ein Muster populärer Darstellung medicinischer Fragen, eine der ersten Stellen unter den zahlreichen, diesen Gegenstand behandelnden und damals erschienenen Schriften einnimmt und eine weite Verbreitung gefunden hat, endlich mehrere Journalartikel meist praktischen Inhalts in der von ihm in Gemeinschaft mit Henle in den Jahren 1844—1869 herausgegebenen „Zeitschrift für rationelle Medicin“ veröffentlicht. — Mit einem reichen poetischen Talente begabt, hat P., ein Freund des Dichters Platen und Erbe des litterarischen Nachlasses desselben, „Platens Tagebuch (1796—1825) mit einer Vorrede versehen“ (1860 Stuttgart) herausgegeben.

    • Literatur

      Seitz, Biogr. Lexikon der hervorragendsten Aerzte aller Zeiten und Völker. Wien 1884—86. Bd. IV, S. 553 (nach Kerschensteiner, Das Leben und Wirken des Dr. K. v. P. Augsb. 1871).

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Pfeufer, Karl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 661-662 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116165367.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA