Lebensdaten
1883 bis 1963
Geburtsort
Großwilmsdorf (Ostpreußen)
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116145331 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kessler, Gerhard

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Zitierweise

Kessler, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116145331.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1856–1939), Dr. theol., Pfarrer in G., dann Gen.sup. d. Neumark u. Niederlausitz, Judenmissionar (s. Wi. 1935), S d. Theodor August, Pfarrer in Wartenburg, aus Salzburger Emigrantenfam., u. d. Charlotte Moldaenke;
    M Meta, T d. Justizrats Paul Schneider in Glatz;
    Charlottenburg 1913 Dorothea (1882–1944), T d. Geh. Bergrats Prof. Dr. Hermann Rauff (1853–1942, s. Pogg. VII a) u. d. Martha Hildebrand;
    2 S, 2 T.

  • Leben

    K. studierte seit 1901 in Berlin und Leipzig Geschichte und promovierte 1905 bei C. Wachsmuth mit der Arbeit „Die Tradition des Germanicus“. 1906/07 verfaßte er auf Anregung K. Büchers das Werk „Die deutschen Arbeitgeberverbände“, war 1908-10 Geschäftsführer der Ortsgruppe Berlin der Gesellschaft für soziale Reform, Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Soziale Praxis“ und – gemeinsam mit Theodor Heuss – Assistent von Friedrich Naumann. K. habilitierte sich 1911 an der TH Braunschweig für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und wurde 1912 als außerordentlicher Professor für Sozialpolitik und Nationalökonomie nach Jena berufen. Am 1. Weltkrieg nahm er zunächst aktiv teil und arbeitete später in der Landesverwaltung in Rumänien. Ende 1918 nahm K. seine Lehrtätigkeit in Jena wieder auf; 1919 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. Seine Arbeit war auch weiterhin von seiner Zugehörigkeit zur jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie mit ihrem starken sozialpolitischen Engagement gekennzeichnet. Sein praktisches Interesse galt den Heimstättengenossenschaften, die durch das Zeisswerk in Jena eine große Rolle spielten. 1927 folgte er einem Ruf an die Universität Leipzig.

    Politisch gehörte K. der Deutschen Demokratischen Partei, der späteren Staatspartei, an, die gegen die zunehmende Radikalisierung kämpfte. – Unter der Kanzlerschaft Brünings war er als Wirtschaftsminister im Gespräch. Unmittelbar vor der Reichstagswahl von 1933 veröffentlichte er eine Schrift „Kampf und Aufbau“, der gegenüber dem Nationalsozialismus kritische Aufsätze in der „Neuen Leipziger Zeitung“ zugrundelagen. Wegen seines politischen Engagements wurde K. nach der nationalsozialistischen Machtübernahme als einer der ersten Professoren vom Amt suspendiert und ohne Prozeß in Haft genommen. Durch persönliche Intervention des Reichspräsidenten von Hindenburg aus der Haft entlassen, mußte er sich vor neuer Verhaftung durch dauernde Flucht schützen, bis am Tage der amtlichen Entziehung der Lehrtätigkeit eine Berufung in die Türkei eintraf, die zur Neuordnung ihrer Universitäten unter Kemal Atatürk viele entlassene deutsche Gelehrte anwarb. Hier wirkte K. außer an der Universität Istanbul durch aufklärende Aufsätze und Vorträge für sozialpolitische Reformen wie Sozialversicherung, Gewerkschaften, Arbeitsnachweise. Er schrieb einige Werke lehrbuchartigen Charakters und baute eine umfangreiche wissenschaftliche Bibliothek auf. Nach seiner Rückkehr las K. seit 1950 als Gastprofessor und seit 1951 als Honorarprofessor an der Universität Göttingen unter anderem über Wirtschaftsgeschichte und Wohnungswesen. Seit 1959 lebte er in Kassel|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (Leipzig 1946).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Arb.nachweise d. Arbeitgeberverbände, 1911;
    Die Siedlung d. Heimstättengenossenschaft zu Jena, 1919;
    Der Neuaufbau d. dt. Wirtsch.lebens, 1920;
    Geneal. u. Wirtsch.gesch., 1932;
    Die Familiennamen d. Juden in Dtld., 1935. - Btrr. in Sammelwerken:
    Arbeitgeberverbände, in: Hdwb. d. Staatswiss., 41923 ff.;
    Die Lage d. dt. Arbeiterschaft seit 1914, in: Strukturwandlungen d. dt. Volkswirtsch., 1928;
    Hochschule u. Staat, in: Krisis, Ein pol. Manifest, 1932;
    Staat u. Wirtsch., in: Vom Gestern zum Morgen, Eine Festgabe f. Gertrud Baeumer, 1933.

  • Literatur

    O. Tuna, Prof. G. K.s Persönlichkeit u. Werke, in: Istanbul Universitesi Iktisad Fakültesi Mecumasi Cilt 23 (türk. u. dt.);
    L. v. Wiese, Ein dt. Prof. in d. Türkei, in: Kölner Zs. f. Soziol. u. Soz.psychol. 53, 1949/50, S. 354 ff.;
    H. Widmann, Exil u. Bildungshilfe, Die dt.sprach. akadem. Emigration in d. Türkei n. 1933, 1973 (mit Bio-Bibliogr. d. emigrierten Hochschullehrer);
    Die dt. wirtsch.wiss. Hochschullehrer, 1958;
    G. Klauder, in: Mitt. d. Ver. dt. Studenten, 1963/64.

  • Portraits

    Gem. v. Koeltsch, 1953 (im Bes. d. Fam.).

  • Autor/in

    Gerhard Lüpkes
  • Empfohlene Zitierweise

    Lüpkes, Gerhard, "Kessler, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 549 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116145331.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA