Lebensdaten
1775 bis 1840
Geburtsort
Ludwigsburg
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
württembergischer General ; Beamter ; Bergwerks- und Hüttenamtsdirektor ; Staatsrat ; Minister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116141697 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kerner, Karl Friedrich (bis 1812)
  • Kerner, Karl Freiherr von
  • Kerner, Karl Friedrich (bis 1812)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Kerner, Karl Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116141697.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Justinus (s. 1);
    - 1810 Christiane verw. Volz (1766–1846), T d. Joh. Christoph Weckherlin, (1731-91), Apotheker in St.;
    1 T Karoline (1810–97, Fidel Karl Baur v. Breitenfeld, 1882, württ. Gen.-Lt., s. NDB I);
    N Theobald (s. 3), Ferdinand v. Steinbeis ( 1893), Präs. d. Württ. Zentralstelle f. Gewerbe u. Handel;
    E Tony v. Schumacher (1848–1931), Jugendschriftstellerin (s. Kosch, Lit.-Lex.).

  • Leben

    In Ludwigsburg aufgewachsen, wo er die Lateinschule besuchte, trat K. 1789 zum Militärstudium in die Stuttgarter Hohe Carlsschule ein, nach deren Aufhebung er seine Ausbildung in Darmstadt fortsetzte. 1794 bei der Artillerie der württembergischen Landmiliz angestellt, lenkte er in den Revolutions- und Napoleonischen Kriegen durch Tapferkeit, Umsicht und Können sowie als Verfasser einer Schrift über die reitende Artillerie und als Konstrukteur eines praktischen Munitionswagens die Aufmerksamkeit seines Königs und Napoleons auf sich. 1808 wurde er zum Oberst, 1810 zum Chef des Generalstabs befördert. Für sein kaltblütiges Durchhalten in der Schlacht bei Linz, das den schon wankenden württembergischen Truppen zum Sieg verhalf, ernannte ihn Napoleon zum Offizier der französischen Ehrenlegion (1809). Im Rußlandfeldzug nahm K. als Generalmajor (1811) und Generalquartiermeister (1812) an allen großen Schlachten teil. Aus dem Zusammenbruch der Großen Armee konnte er sich schwer erkrankt mit letzter Kraft retten. Seine Gesundheit war aber so angeschlagen, daß er aus dem Militärdienst ausscheiden mußte.

    Seine Begabung für das Hüttenwesen eröffnete K. eine neue Laufbahn. 1802 wegen seiner technischen Kenntnisse zu der Reorganisation der Eisenwerke bei Freudenstadt mit herangezogen, machte er sich im Selbststudium mit der Eisenerzeugung und ihrer Technik so vertraut, daß er 1810 zum Bergwerks- und Hüttenamtsdirektor, 1811 zum Staatsrat ernannt wurde. Durch kluge Rationalisierungsmaßnahmen, sorgfältige Auswahl|und Ausbildung des Personals und Anwendung beziehungsweise Weiterentwicklung neuer Frisch- und Feuerungsmethoden gelang es ihm, das veraltete württembergische Hüttenwesen zu heben, Produktion und Qualität des Eisens zu verbessern und den Absatz zu steigern. Erstmals brachten die seit 1802/03 in der Selbstverwaltung des Staates befindlichen Werke Gewinn. Nach einem Rückschlag in den Notjahren 1813-17 nahm K. planmäßig die Modernisierung der Hüttenwerke im Schwarzwald und im Brenz- und Kochertal (Wasseralfingen) in Angriff, nachdem er schon 1811 die Gewehrfabrik Oberndorf a. N. (spätere Mauser-Werke) errichtet hatte. – Nur eine Episode blieb K.s Ernennung zum provisorischen Leiter des Departements des Innern (26.2.-19.11.1817) und Mitglied des Geheimen Rats durch König Wilhelm I. 1819 übernahm er erneut die Oberaufsicht über die Eisenwerke. Die von ihm angeregten Versuche führten zur Entdeckung der bisher geheimgehaltenen Gußstahlerzeugung durch die Hüttenverwalter Pulvermüller und Faber du Faur (1822) sowie des „Wasseralfinger Schlangenapparats“ durch Faber (1837), der die Gichtgase zur Winderhitzung verwendete, was die Hochofenproduktion stark verbesserte. – In seiner Freizeit befaßte sich K., 1824 zum Präsidenten des Bergrats ernannt, mit der Landwirtschaft; sein Landgut Schnaitberg wurde zum Mustergut. Durch den Auf- und Ausbau der Hüttenwerke schuf er die Voraussetzung für die Industrialisierung Württembergs. Um die Fortsetzung des Lebenswerks zu sichern, zog er seinen Neffen Ferdinand Steinbeis zu seinem Nachfolger heran.

  • Werke

    Betrachtungen üb. d. reitende Artillerie, deren Organisation, Gebrauch u. Taktik, Von e. Artillerieoffz., 1803. |

  • Quellen

    Qu.: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 13 u. E 14, Kab.akten I u. II; Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand PL 3, Depositum Steinbeis.

  • Literatur

    ADB 15;
    Justinus Kerner (B), Bilderbuch aus m. Knabenzeit, 1849;
    T. Schumacher, Was ich als Kind erlebt, 1901;
    Schwäb. Merkur, v. 19.5.1840;
    NND 1840, S. 414-20;
    H. Niethammer u. E. Reinert, in: Lb. Schwaben I, 1940, S. 303-12 (W, L, P)

  • Autor/in

    Robert Uhland
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhland, Robert, "Kerner, Karl Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 527-528 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116141697.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kerner: Karl Friedrich Freiherr v. K., älterer Bruder des Dichters Justinus K., geb. in Ludwigsburg am 7. März 1775, in Stuttgart am 12. April 1840. Gebildet in der Karlsschule, wurde er 1794 Lieutenant und machte sich fortan, im Krieg als Artilleriecommandant, im Frieden durch Emporbringen der württembergischen Eisenwerke, sowie als Landwirth verdient. Nach dem russischen Feldzug 1812 von König Friedrich in den Freiherrnstand erhoben, war K. 1817 kurze Zeit Minister des Innern, wurde dann Geheimrath und Präsident des Bergraths.

    • Literatur

      Siehe Schwab. Merkur. 2. Abth., 19. Mai 1840. Just. Kerner, Bilderbuch aus meiner Knabenzeit, S. 391 ff.

  • Autor/in

    J. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, Julius, "Kerner, Karl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 646 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116141697.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA