Lebensdaten
1774 bis 1835
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Erlangen
Beruf/Funktion
Astronom ; Mathematiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116140364 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfaff, Johann Wilhelm Andreas
  • Pfaff, Wilhelm
  • Pfaff, Johann Wilhelm Andreas

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Pfaff, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116140364.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Friedrich (s. 2);
    1) 1804 Pauline v. Patkul ( 1816), Stiftsdame aus livländ. Adelsgeschl., 2) 1817 Luise Plan(c)k;
    3 S, 1 Taus 1), 3 S aus 2) Siegfried (1818–69, Julia, 1819–87, T d. Christian Gottfried Nees v. Esenbeck, 1776–1858, Prof. d. Med. in Breslau, Präs. d. Leopoldina, s. NDB 19), Dr. phil., Gymnasialprof. in Nürnberg u. E. (s. L), Hans (1824–72), o. Prof. d. Mathematik in E. (s. Pogg. II-III), Alexius Burkhard (1825–86), o. Prof. d. Mineralogie in E. (s. ADB 25; Die Professoren u. Dozenten d. Friedrich-Alexander-Univ. Erlangen 1743-1960, hg. v. R. Wittern, 1999), 1 T aus 2) Pauline (1827–1907, Karl Brater, 1819–69, liberaler Publizist, Bgm. v. Nördlingen, s. NDB II), Schriftst.;
    E Hermann v. P. (1846-1933, bayer. Adel 1908), 1904-12 bayer. Finanzminister, Kurator d. Kg. Otto v. Bayern (s. Rhdb.; Schärl), Siegfried (1851–1928), Chemiker, 1926 Aufsichtsratsmitgl. d. I. G. Farbenindustrie A. G. (s. L), Agnes Brater (1852-1929, Eduard Sapper, 1898, Stadtschultheiß in Blaubeuren u. Gerichtsnotar in Calw), Dichterin.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Stuttgarter Gymnasiums immatrikulierte sich P. 1791 als Stiftsschüler in Tübingen und studierte Theologie, wiewohl seine Interessen mehr den Naturwissenschaften galten. 1796 bestand er das Examen und wurde 1800 zum Stiftsrepetenten ernannt. Sein Bruder Johann Friedrich lehnte einen Ruf nach Dorpat ab und schlug P. als geeigneten Kandidaten vor. Nachdem Carl Friedrich Gauß und Johann Karl Burckhardt nicht zur Verfügung standen, wurde P. im Oktober 1803 zum Professor der Mathematik und Astronomie ernannt. Mit der Professur war die Übernahme der Direktion des projektierten Observatoriums verbunden, dessen Bau allerdings erst 1809 erfolgte. Daher konnten astronomische Beobachtungen zunächst nur vom Dachboden eines Privathauses, seit 1807 in einem provisorischen Holzbau, durchgeführt werden. In dieser Zeit studierte Heinrich Christian Schumacher (1780–1850) bei P. Astronomie. Aus nicht näher bekannten Gründen wollte P. Dorpat schon bald nach seiner Berufung wieder verlassen und es gelang ihm, 1809 eine Anstellung an dem neugegründeten Nürnberger Realinstitut zu erhalten, dem der Naturphilosoph Gotthilf Heinrich Schubert (1780–1860) als Direktor vorstand. Von diesem beeinflußt, wandte sich P. vielfältigen, teils sehr spekulativen Studien zu. Neben der vergleichenden Sprachwissenschaft zogen ihn das Sanskrit und die ägypt. Archäologie in ihren Bann. 1825 gab er, ausgehend von der symbolischen Hieroglyphendeutung Athanasius Kirchers, eine polemische Abhandlung gegen Jean-François Champollion (1790–1832) heraus. Bis 1816 war P. nur mit kleineren Arbeiten zur theoretischen wie praktischen Astronomie hervorgetreten, nun suchte er im Geiste der romantischen Naturphilosophie die Astrologie zu rehabilitieren, fand allerdings mit diesen Bemühungen bei seinen Fachkollegen wenig Gegenliebe. Insbesondere Gauß, Johann Elert Bode (1747–1826) und Heinrich Wilhelm Olbers (1758–1840) äußerten sich kritisch bis abfällig über P.s 1816 erschienene „Astrologie“. Die Werke Keplers faszinierten P.; er plante eine Ausgabe seiner „Harmonice mundi“ und Christian Frisch (1807–82) besorgte 1858/71 die erste kritische Kepleredition. P. publizierte das antike Hauptwerk der Astrologie, die „Tetrabiblos“ des Claudius Ptolemäus, in deutscher Übersetzung in dem von ihm herausgegebenen „Astrologischen Taschenbuch“, das allerdings nur 1822/23|erschien. Nach der Auflösung des Nürnberger Realinstituts wurde P. 1817 als ao. Professor nach Würzburg berufen und ein Jahr darauf nach Erlangen versetzt. Hier las er bis zu seinem Tod Mathematik, Astronomie und Physik, ohne seine spekulativen Neigungen aufzugeben. Im „Morgenblatt für gebildete Stände“ findet sich eine Reihe von Aufsätzen astrologischen Einschlags aus seiner Feder, die er 1834 zu einem Buch zusammenfaßte (Der Mensch u. d. Sterne, Fragmente z. Gesch. d. Weltseele). Mit seinem Eintreten für die Astrologie war P. eine Ausnahmeerscheinung unter den Astronomen seiner Zeit.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. zu St. Petersburg u. München (korr.) sowie d. Physisch-Med. Ges. Moskau.

  • Werke

    Weitere W Der Voltaismus, 1803;
    Commentatio astronomica de calculo trajectoriarum, Sectio 1, 1805;
    Astronom. Beyträge, 1806;
    De tubo culminatorio Dorpatensi brevis narratio: Accedunt formulae ac tabulae in usum astronomorum, 1808;
    Die höhere Farben-Reihe od. Sir Isac Newtons Seifenblasen, 1820;
    Das Licht u. d. Weltgegenden, sammt o. Abh. üb. Planetenconjunctionen u. d. Stern d. drei Weisen, 1821;
    Lehrb. d. Physik, phys. Geographie u. Astronomie, 1823;
    Hieroglyphik, Ihr Wesen u. ihre Quellen: Nebst hieroglyph. Innschrift dreier Scarabäen, 1824;
    Die Weisheit d. Aegypter u. d. Gelehrsamkeit d. Franzosen: Kritik d. hieroglyph.-aiphabet. Unterss. d. Herrn Champollion, 1825;
    W. Herschels Entdeckungen u. d. Fortschritte seiner Zeitgenossen in d. Astronomie u. d. ihr verwandten Wiss., 1828;
    Aufss. in d. Monatl. Corr. z. Beförderung d. Erd- u. Himmelskde. 1804, 1809, 1812 u. im Berliner Astronom. Jb. 1809, 1812-15.

  • Literatur

    ADB 25;
    J. F. v. Recke u. K. E. Napiersky, Allg. Schrifst.- u. Gel.-Lex. d. Provinzen Livland, Esthland u. Kurlad, 1859/61, III, S. 409 f. (W-Verz);
    G Lewickij, Die Astronomen d. Jurjewer Univ. 1802-1894, 1899, S. 23-55 (russ.);
    W. Knappich, J. W. P., Der letzte dt. Astrologe, in: Zodiakus 2, 1910, S. 241-45, K. Weidner, in: Astrolog. Rdsch. 27, 1935/36, S. 15-19;
    P. M. Langhans, Personalbibliogrr. d. Prof. d. Phil. Fak. zu Würzburg v. 1803-1852 mit biogr. Angaben, Diss. Erlangen-Nürnberg 1971, S. 178-84 (W-Verz.);
    NND 19, S. 111 f.;
    Biogr. Universelle 33;
    Pogg. II;
    zu Siegfried ( 1928):
    J. U. Heine, Verstand & Schicksal, Die Männer d. I.G. Farbenind. A.G. (1925–1945), 1990.

  • Autor/in

    Günther Oestmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Oestmann, Günther, "Pfaff, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 292-293 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116140364.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pfaff: Johann Wilhelm Andreas P., Mathematiker. Jüngster Bruder von Johann Friedrich P. (s. d.), wurde am 5. December (nach anderer Angabe am 8. December) 1774 in Stuttgart geboren, am 26. Juni 1835 in Erlangen. Leichte Auffassung, Lebendigkeit des Geistes, daneben eine gewisse Unbeständigkeit, die nicht zugab, daß die gleiche Beschäftigung ihm lange genügte, waren seine kennzeichnenden Merkmale. Vor Vollendung des 17. Lebensjahres wurde er aus dem Stuttgarter Gymnasium zum sog. Stift in Tübingen entlassen. Von dort promovirt, machte er einige Reifen. Im J. 1800 war er Stiftsrepetent. Im August 1803 erhielt er einen Ruf an die neu errichtete Universität Dorpat, vermuthlich auf Empfehlung seines Bruders Joh. Friedr., der eben zu jener Zeit die ihm angebotene Professur der Mathematik daselbst ausgeschlagen hatte. Wenn P. auch allen Grund gehabt hätte über die frühe Beförderung, über die Stellung die sich ihm sowohl als Hofrath und Sternwartendirector, als seit September 1804 als Gemahl von Pauline v. Patkul aus dem berühmten livländischen Adelsgeschlechte öffnete, hochbeglückt zu sein, so zog es ihn doch unwiderstehlich nach seinem deutschen Süden. In Würtemberg selbst unterzukommen gelang ihm trotz wiederholter Bewerbungen nicht. Er erhielt aber einen Ruf an das Realinstitut in Nürnberg, wohin er im August 1809 übersiedelte. 1817 ging er dann als|Universitätsprofessor der Mathematik nach Würzburg, 1818 nach Erlangen. In Nürnberg verlor P. am 15. März 1816 seine Gattin. Anderthalb Jahre darauf schloß er eine zweite glückliche und mit Kindern gesegnete Ehe mit Luise Plank, der Wittwe eines Geistlichen. Aus der ersten Ehe war übrigens auch eine Tochter am Leben, die aber noch unverheirathet 1832 starb. Pfaff's Tod wurde 1835 unter mehrmonatlichem schweren Leiden durch sich wiederholende Schlaganfälle herbeigeführt. P. war Mitglied der Akademieen zu Petersburg und München, der physikalisch-medicinischen Gesellschaft zu Moskau, und fragt man nach seinen eigentlichen wissenschaftlichen Leistungen, so hält es schwer Hervorragendes ausfindig zu machen. Bald fesselten ihn Sanskritstudien, bald Hieroglyphendenkmale, bald warf er sich gar auf Astrologie, die er in die Reihe der Wissenschaften wieder einzuführen beabsichtigte. Am werthvollsten sind noch astronomische Abhandlungen zur Störungsrechnung, welche P. für verschiedene Zeitschriften (Bode's Jahrbuch, von Zach's Monatliche Korrespondenz, Denkschriften der Münchener Akademie) verfaßte.

    • Literatur

      Vgl. Neuer Nekrolog der Deutschen XIII. Jahrgang (1835) S. 575—578. — Poggendorff. Biograph.-litterar. Handwörterb. z. Gesch. d. exacten Wissenschaft II, 428—429.

  • Autor/in

    Cantor.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cantor, Moritz, "Pfaff, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 593-594 unter Pfaff, Johann Wilhelm Andreas [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116140364.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA