Lebensdaten
1870 bis 1947
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116129727 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berg, Max Paul Eduard
  • Berg, Max
  • Berg, Max Paul Eduard

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Berg, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116129727.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard, Lehrer an der Höheren Töchterschule in Stettin, S des Schuhmachers Nic. und der Katharina Heßling;
    M Emilie, T des Hofbesitzers Wilhelm Radeloff bei Naugard (Pommern) und der Friederike Stein;
    Edelgarde Gerlach, Pianistin;
    S Michael, Graphiker.

  • Leben

    B. studierte an der Technischen Hochschule Charlottenburg, wo für seinen späteren Werdegang Carl Schäfers Anlehnung an den mittelalterlichen Konstruktivismus entscheidend wurde. Unter Franz Adickes Hochbauamtsleiter von Frankfurt/Main lernte er die damaligen Probleme großstädtischer Kommunalpolitik kennen, war 1909-25 Stadtbaurat von Breslau, zog dann nach Berlin und später Baden-Baden. In Breslau baute er neben verschiedenen kommunalen Verwaltungsgebäuden, den Wasserwerken Norder-Oder (1920), Süder-Oder (1925) und der Friedhofskapelle zu Oswitz in den Jahren 1911-13 die Jahrhunderthalle mit Portalbau zum Ausstellungsgelände, 1924/25 Messehof und Terrassenrestaurant. Die von ihm zum Problem der Citybildung anläßlich des Wettbewerbs für Groß-Berlin 1910, beim Kampf um die Erhaltung des Tempelhofer Feldes 1912 und bei der Planung für das Tiergartenviertel von Berlin 1913 geäußerten Gedanken zu verwirklichen, bot sich B. 1921/22 Gelegenheit beim Generalbebauungsplan von Groß-Breslau, mit dem vier (nicht ausgeführte) Hochhausprojekte für das Stadtzentrum in Verbindung standen. Es war mit sein Verdienst,|daß Hitler 1944 Rom zur offenen Stadt erklärte, um es vor Zerstörung zu bewahren.

    B. trat in das Blickfeld der Allgemeinheit durch den Bau der Jahrhunderthalle als dem größten Zentralraum der Welt (einen kreisförmigen Mittelraum von 42 m lichter Höhe und 65 m lichtem Durchmesser, dem sich in den 4 Achsen halbkreisförmige Versteifungskonchen anschließen, so daß sich der lichte Durchmesser auf 95 m erweitert). Es ist ein allseitig beweglicher Gliederbau, der in völlig neuer Gestalt den der Hagia Sophia eigenen Gedanken des allseitig einflutenden Lichtes verwirklicht und trotz seiner prinzipiellen Verschiedenheit eine scheinbare Kuppelwirkung besitzt. Das Konstruktionsprinzip der Mittelkuppel und der angelegten Versteifungskonehen sind bogenförmige Stahlbetonspanten mit oberen und unteren Stahlkugelgelenken, die sich von einem unteren Zugring gegen einen mittleren Druckring streben. Diese Spanten werden gegenseitig durch 6 Horizontalringe abgesteift, welche der Wölblinie der Spanten folgend 6 senkrechte Fensterbänder tragen, so daß sich im Äußeren ein abgetreppter monumentalgeschlossener Glasbau ergibt, der die Horizontal- und Tangentialkräfte des Winddruckes und der Temperaturschwankungen in sich ausgleicht. Der einheitliche Aufbaugedanke des beim Betreten voll überblickbaren Raumes ist von zwingender Kraft, wenn ihm auch in den Einzelheiten die Formvollendung des byzantinischen Werkes fehlt (Mitarbeiter: Richard Konwiarz, Günther Trauer, Willy Gehler). Der breitgelagerte Massenaufbau wird durch die schlanken Stahlbetonsäulen des Portalbaus unterstrichen, ein Formgedanke, der in der Kunst unserer Tage vorbildlich nachwirkt. Der Gedanke der Überschneidung von steigender Tragkonstruktion und horizontal gelagertem Lichtband ist auch dem Messehof eigen, dessen Holzbohlenbinder System Tuchscherer in leichten Bögen eine 123 m lange und 37,6 m breite flache Decke 13 m hoch über dem Fußboden tragen, das den ganzen Raum umspannende vertikale Fensterband überschneidend. Unter dem Fensterband umziehen den Hauptraum zweigeschossige Anbauten, welche die tiefen Fundamente der Bogenbinderkonstruktion bergen, also die Schubkräfte aufnehmen.

    B.s Bedeutung liegt darin, daß er die neuen konstruktiven Möglichkeiten der Zeit (Stahlbetonskelettbau der Jahrhunderthalle, Schleuderbetonmasten der Eingangshalle, Holzbohlenbinder des Messehofes) konsequent, wenn auch z. T. überbetont auswertete, und daß er die ihm zufallenden Aufgaben großstädtischer Wirtschaftskonzentration über die Zweckerfüllung ins Gebiet der Kunst erhob.

  • Werke

    Hochhäuser im Stadtbild, in: Wasmuths Mhh. f. Baukunst, Jg. 6, 1921/22, S. 101-20;
    Etwas vom Wesen d. Architektur, in: Eröffnung, Alm., hrsg. im Auftrag d. Künstlerbundes Schlesien z. Eröffnung seines Ausstellungshauses, 1922, S. 17 bis 25;
    Das Stadtbild Breslaus, in: Niederschlesien - Seine Entwicklung u. seine Zukunft, hrsg. v. E. Köhrer, 1923, S. 89-99.

  • Literatur

    G. Trauer u. W. Gehler, Die Jahrhunderthalle in Breslau, 1914;
    R. Konwiarz, Breslaus Stadtbild u. Bauten d. Neuzeit, in: Dtld.s Städtebau - Breslau, 1924;
    ders., Ausstellungspark u. Jahrhunderthalle Breslau, 1931;
    P. Heim, M. B., in: Künstler Schlesiens I, 1925, S. 27 f.;
    Dressler-Platz, Die Kunst in Schlesien, 1927;
    I. Balg, Städtebau - eine universale Aufgabe d. Bildung, Zum Todestag v. M. B., in: Bauwelt, Jg. 44, 1953, S. 152 f.;
    dies., Berlin, in: Baurundschau, 1953, H. 5.

  • Autor/in

    Otto Schubert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schubert, Otto, "Berg, Max" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 75 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116129727.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA