Lebensdaten
1774 bis 1845
Geburtsort
Salem (Württemberg)
Sterbeort
Bartenstein
Beruf/Funktion
Bischof von Rottenburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116119233 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keller, Johann Baptist
  • Keller, Johann Baptist von
  • Keller, Johann Baptist

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Keller, Johann Baptist von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116119233.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaspar, Hofkammerrat, Syndikus d. Reichsabtei Salem 1765–79;
    M Franziska, T d. Joh. Peter v. Montlong (Reichsadel 1740), Notar, Syndikus d. Reichstales Hammersbach.

  • Leben

    K. studierte in Dillingen und Salzburg (Priesterweihe in Salzburg 1797) und war anschließend Seelsorger. 1808 wurde er geistlicher Rat, Stadtpfarrer und Dekan von Stuttgart. 1808/09 und 1815/16 führte er im Auftrag des Königs von Württemberg Verhandlungen in Rom über die Neugliederung der Kirche. 1811 reiste er – ebenfalls im Auftrag der Regierung mit dem gleichen Ziel – nach Paris. 1816 wurde er durch Papst Pius VII. zum Bischof von Evara konsekriert. Im gleichen Jahr wurde er Provikar des Generalvikariats für Württemberg in Ellwangen. Als Geistlicher Rat war K. Mitglied der staatlichen Aufsichtsbehörde („Kuratel“) der 1812 in Ellwangen errichteten „Katholischen Landesuniversität“ die in Wirklichkeit nur aus einer theologischen Fakultät mit 5 Lehrstühlen bestand (1817 Verlegung nach Tübingen). Wie die Akten zeigen, nahm K. intensiv Anteil an der inneren Ausgestaltung der Hochschule. So stammte der Lehr- und Studienplan von 1812 aus seiner Feder. 1817 erfolgte die Verlegung des Generalvikariats nach Rottenburg am Neckar. Die vorbereitenden Verhandlungen hatte K. unter Umgehung des Generalvikars Karl von Hohenlohe geführt. Da dieser nicht mit nach Rottenburg ging, wurden K. noch 1817 sämtliche Rechte delegiert und ihm 1819/20 nach Hohenlohes Tod auch der Rang des Generalvikars zuerkannt. 1821 wurde er vom Papst mit dem Vollzug der Bulle „Provida sollersque“ beauftragt, durch welche die Oberrheinische Kirchenprovinz errichtet wurde. Zunächst hatte er wenig Aussicht, auch Bischof von Rottenburg zu werden; die Regierung favorisierte I. H. von Wessenberg und den Tübinger Professor J. S. Drey. Nachdem jedoch beide von der römischen Kurie abgelehnt worden waren, war der Weg für K. frei. Am 21.5.1828 wurde er als Bischof von Rottenburg inthronisiert.

    K. wird meist negativ beurteilt. Seine Stellung als Generalvikar und Bischof war von Anfang an schwierig: Auf der einen Seite praktizierte die württembergische Regierung ein strammes Staatskirchenregiment, auf der anderen Seite standen die Forderungen des kirchlichen Rechts, der römischen Kurie und später auch der jungen ultramontanen Bewegung in der Diözese Rottenburg („Möhlerianer“). Niemandem konnte es K. recht machen. Deshalb warf man ihm von beiden Seiten Unzuverlässigkeit, Untreue und Wankelmut vor. K. verteidigte jedoch die kirchlichen und bischöflichen Rechte und Ansprüche mit mehr Nachdruck, als manche Zeitgenossen und die spätere Publizistik wahrhaben wollten. Die berühmte „Motion“ im württembergischen Landtag (1841/42) war der Höhepunkt dieses Ringens.

  • Literatur

    ADB 15; eine moderne Biogr. fehlt.
    J. B. v. K., Aus d. Papiers e. Verstorbenen, hrsg. v. W. Binder, 1848;
    Die Diözese Rottenburg u. ihre Bischöfe, 1828–1928, hrsg. v. F. Stärk, 1928;
    J. Zeller, Das Gen.vikariat Ellwangen (1812–17) u. s. erster Rat Dr. Josef v. Metz, in: Theolog. Quartalschr. 109, 1928, S. 3-160;
    B. Bastgen, Die ersten Bischofskandidaten d. oberrhein. Kirchenprovinz in Berr. an d. Nuntien v. Wien u. München (1823), ebd. 116, 1935, S. 485-543;
    M. Miller, Die Errichtung d. oberrhein. Kirchenprovinz, in: HJb. 54, 1934, S. 317-47;
    A. Hagen, Gesch. d. Diözese Rottenburg I, 1956;
    K. Ganzer, Ein Kap. a. d. Vorgesch. d. Diözese Rottenburg: Die Verlegung d. Gen.vikariats v. Ellwangen n. Rottenburg im Herbst 1817, in: Theol. im Wandel, Festschr., 1967, S. 190-208.

  • Portraits

    Gem. im Sitzungssaal d. Bischöfl. Ordinariats in Rottenburg;
    Stahlstiche 1828, 1837.

  • Autor/in

    Rudolf Reinhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Reinhardt, Rudolf, "Keller, Johann Baptist von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 458-459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116119233.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Keller: Johann Baptist K., der erste Bischof der Diöcese Rottenburg, geb. zu Salem im jetzigen Großherzogthum Baden am 16. Mai 1774, in Bartenstein am 17. October 1845. Von der Pfarrei Radolfszell am Bodensee, welches damals einige Jahre württembergisch war, wurde K. 1808 als katholischer|Stadtpfarrer nach Stuttgart berufen; bei den Vorbereitungen zur Errichtung eines eigenen Bisthums für Württemberg 1816 vom Papst zum Bischof von Evara i. p. i. geweiht, vom König zum Provicar des Generalvicars Fürsten Hohenlohe in Ellwangen, nach dessen Tod 1819 zum Generalvicar in Rottenburg ernannt, endlich nach Errichtung des Bisthums Rottenburg 1828 als erster Bischof eingesetzt. Bald brachte den Josephiner die auch für Württemberg unausbleibliche Rückwirkung der Kölner Wirren in eine mißliche Stellung. Unfähig, dem Anstürmen der Ultramontanen Widerstand zu leisten, wurde er schließlich ihr Organ, indem er als Mitglied der Ständekammer am 8. November 1841 die Bitte an den König beantragte, für die Aufrechterhaltung der durch die Verfassung von 1819 zugesicherten Autonomie der katholischen Kirche die geeigneten Maßregeln zur Erhaltung des Kirchenfriedens treffen zu wollen. Eine weitere Ausführung dieser Motion war in einem an K. ganz ungewohnten heftigen und bitteren Ton gegen die Staatsbehörden gehalten, so daß der Ministerpräsident Schlayer unumwunden erklärte, dieselbe rühre von „einigen kampf- und streitlustigen, ohne Zweifel noch jugendlichen Autoren“ her. In der That macht die Rolle, die man den greisen Bischof bei den Kammerverhandlungen spielen ließ, einen peinlichen Eindruck auch auf den, der das damals noch herrschende System des einseitigen Staatskirchenthums nicht billigt. Die Wendung der Dinge durch die politische Bewegung des Jahres 1848, die Würzburger Bischofsversammlung etc. war K. vergönnt nicht mehr zu erleben.

    • Literatur

      Vgl. Binder, Joh. B. v. Keller, erster Bischof v. Rottenburg. Eine biogr. Skizze. Regensburg 1848. — Golther, Der Staat u. die kath. Kirche im Königr. Württemb. 1874. Buch I.

  • Autor/in

    J. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, Julius, "Keller, Johann Baptist von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 582-583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116119233.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA