Lebensdaten
1790 oder 1788 bis 1859
Geburtsort
Bensheim/Bergstraße
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
bayerischer Minister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116113472 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Beisler, Hermann Ritter von

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Beisler, Hermann Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116113472.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob Anton, Amtsvogt in Bensheim, S des Justizbeamten Josef Anton in Bürstadt;
    M Catharina Franziska, T des kaiserlichen Postadministrators Andreas Schaidel (Schedel) in Mannheim und der Franziska Heckler, aus Bensheimer Ratsgeschlecht;
    1822 Therese Canisius ( 1849); 3 T.

  • Leben

    Als Verbindungsmann zwischen der bayerischen Bundestagsgesandtschaft und dem Militärausschuß in Frankfurt (1818–21) erwarb sich B. bald einen geachteten Namen. Im Herbst 1819 dem bayerischen Bundestagsgesandten Adam von Aretin zur Abfassung seiner Gutachten über die Lage Bayerns nach dem Karlsbader Kongreß beigegeben, arbeitete er ein solches über die Militärverfassung des Deutschen Bundes aus, das er 1822 unter dem Titel „Betrachtungen über Staatsverfassung und Kriegswesen“ veröffentlichte. 1821 schied er aus dem Militärdienst aus, erwarb sich als Regierungsrat in Ansbach, Passau, Augsburg und Regensburg zwischen 1823 und 1833 gründliche Verwaltungskenntnisse im rechtsrheinischen Bayern und wurde 1833 Regierungspräsident von Niederbayern. Hier kam er wegen seines Eintretens für die verfassungsmäßigen Rechte der Protestanten in Konflikt mit Bischof H. von Hofstetter von Passau, in den sich der Innenminister Karl von Abel einmischte und B. 1843 durch Ernennung zum Präsidenten des obersten Rechnungshofes kaltstellte. Wegen seines liberalen Rufes wurde er 1847 im Ministerium Wallerstein (sog. Lola-Ministerium) Verweser des Justizministeriums und nach dem Regierungsantritt König Maximilians II. kurze Zeit Kultusminister. 1848 in die Nationalversammlung nach Frankfurt gewählt, vertrat er dort streng föderativ die großdeutsche Richtung und schied deswegen bald aus. Hierauf zum Innenminister ernannt, geriet er wegen seines Widerstandes gegen die Einführung der deutschen Grundrechte von 1848 mit der Kammer in Konflikt und trat endgültig zurück. Von den viel freieren Verhältnissen seiner rheinischen Heimat herkommend und durch sein betont liberales Auftreten geriet B. im konservativen Altbayern in den Ruf eines Revolutionärs, wozu seine antiklerikale Einstellung und seine regen wirtschaftlichen Interessen viel beitrugen.

  • Werke

    Weitere W Betrachtungen üb. d. Gemeindeverfassung, 1831.

  • Literatur

    ADB II;
    L. Größer, Der gemäßigte Liberalismus im bayer. Landtag 1819-1848, Diss. München 1929;
    H. Gollwilzer, C. A. v. Abel u. seine Politik, Diss. München 1944 (ungedr.);
    K. O. v. Aretin, Die dt. Politik Bayerns z. Zt. d. staatl. Entwicklung d. Dt. Bundes 1815–20, Diss. München 1954 (ungedr.).

  • Portraits

    Lithogr. v. E. Seibortz, 1834;
    v. V. Schertle (Hist. Stadtmus. München).

  • Autor/in

    Karl Otmar Freiherr von Aretin
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Beisler, Hermann Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 21 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116113472.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Beisler: Hermann v. B., bairischer Staatsmann, geb. 1790 zu Bensheim, trat 1807 in die bairische Armee ein und machte den Feldzug in Tirol mit, schied dann aus dem Militärdienst und widmete sich dem Studium der Jurisprudenz. Als sich aber das deutsche Volk 1813 gegen den Druck Napoleons erhob, griff auch B. wieder zu den Waffen und rückte 1815 zum Hauptmann vor. Nach dem Friedensschluß trat er, da das Fürstenthum Aschaffenburg nunmehr mit der Krone Baien: vereint war, in das bairische Ministerium des Aeußeren ein. Im J. 1838 wurde er zum Regierungspräsidenten von Niederbaiern ernannt. Als solcher gerieth er in Conflict mit dem damals allmächtigen Minister Abel, weil er, ein Mann von liberaler Gesinnung, die verfassungsmäßigen Rechte der Protestanten gegenüber den Beschränkungen und Bedrückungen des Ministeriums gewahrt wissen wollte. Um ihn von der inneren Verwaltung zu isoliren, ernannte ihn Abel zum Präsidenten des obersten Rechnungshofes. Nach dem Sturze des ultramontanen Ministers übertrug 1847 König Ludwig an B., der zugleich zum Staatsrath ernannt wurde, in provisorischer Eigenschaft das Ministerium des Cultus. Im nächsten Jahre in die Nationalversammlung gewählt, stimmte er in Frankfurt mit der Rechten, verlangte aber für die Kirche eine Repräsentativverfassung mit Theilnahme der Laien am Kirchenregiment. Der Freimuth, womit er diese und ähnliche Ansichten vertrat, hatte seine Entfernung vom Ministerposten zur Folge, doch noch im December 1848 wurde ihm das Ministerium des Innern übertragen. Bald kam es aber zwischen ihm und der Abgeordnetenkammer zum Zerwürfniß, da er gegen den Willen der Kammer die Einführung der deutschen Grundrechte von der Zustimmung der gesetzgebenden Gewalt in Baiern abhängig machen wollte. Er legte deshalb im März 1849 sein Portefeuille nieder und kehrte in seine frühere Stellung am obersten Rechnungshof zurück. Er starb zu München am 15. October 1859. Er schrieb u. a. „Betrachtungen über Staatsverfassung und Kriegswesen“ (Frankfurt 1822) und „Betrachtungen über Gemeindeverfassung“ (Augsburg 1831).

    • Literatur

      Unsere Zeit, Jahrg 1860. S. 140. Augsb. Allgem. Zeitg., Jahrg. 1848—1849.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Beisler, Hermann Ritter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 294 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116113472.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA